Frau Architekt

„Es braucht immer noch sehr viel Selbstvertrauen, um seinen Weg als Frau in der Architektur zu machen“

Das sagt die bekannte englische Architektin Alison Brooks. „Wir wachsen mit Helden und Göttern auf, die alle samt männlich sind.“

Die unsichtbaren Architektinnen

Genau an diesem Punkt setzt das Museum der Baukultur mit der Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf“ an: Sie will berufliche Werdegänge und vorbildliche Bauten von Architektinnen präsentieren und damit Vorbilder zeigen, Identifikation ermöglichen und Mut machen, den Beruf zu ergreifen. Zu oft sind Frauen die unsichtbaren Architektinnen. Zu sehen ist die Ausstellung vom 12. August bis zum 2. Oktober 2020 im Haus der Architekten in Düsseldorf.

Café „Samt und Seide“ für die Ausstellung „Die Mode der Dame“ in Berlin, 1927. Rekonstruktion von Sandra H. Yborra 2013/ 2014. Das Café Samt und Seide ist eines von zahlreichen Ausstellungsprojekten die Lilly Reich und Mies van der Rohe gemeinsam realisierten. 1924/25 lernten die beiden sich kennen und arbeiten bis zur Mies Emigration in die USA 1938 eng zusammen, u.a. auch für die Innenausstattung der Häuser Esters und Lange in Krefeld sowie Haus Tugendhat in Brünn. Copyright: Sandra Hernández Yborra
Foto: © Sandra Hernández Yborra.

Aktuelle Positionen von Architektinnen aus NRW

Die Ausstellung resultiert zum einen aus einer Übernahme des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Mai. Dieser historische Teil porträtiert neun Architektinnen, deren Werdegänge und Tätigkeitsfelder charakteristisch für die Zeit vom späten Kaiserreich bis in die 1960/70er Jahre sind.

Zum anderen hat das Museum der Baukultur die Inhalte um aktuelle Arbeiten von Architektinnen aus NRW erweitert, gänzlich neu konzipiert und gestaltet. Er umfasst 22 Architektinnen aus dem Hochbau, der Stadtplanung, der Landschafts- und Innenarchitektur sowie der Bauforschung.

Claudia Roggenkämper, HPP Architekten, Düsseldorf

Ute Piroeth, UTE PIROETH – ARCHITEKUTR, Köln

Prof. Dörte Gatermann, GATERMANN + SCHOSSIG Architekten, Köln

Prof. Julia Bolles- Wilson, BOLLES + WILSON, Münster

Judith Kusch, 3pass Architekten Stadtplaner, Köln

Prof. Anne-Julchen Bernhardt, BeL Sozietät für Architektur, Köln

Ragnhild Klußmann, raumwerk.architekten, Köln

Prof. Susanne Groß, Ksg – kister scheidhauer gross architekten und stadtplaner, Köln

Cornelia Zuschke, Baudezernentin Düsseldorf

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Dombaumeisterin

Prof. Christa Reicher, RHA REICHER HAASE ASSOZIIERTE ARCHITEKTEN STADTPLANER INGENEIUERE, Aachen

Leonore Wolters-Krebs, WoltersPartner Architekten & Stadtplaner, Coesfeld

Christine Muller, DEWEY MULLER Partnerschaft Architekten Stadtplaner, Köln

Prof. Judith Reitz, Peter Behrens School of Art

Bernadette Heiermann, HEIERMAN ARCHITEKTEN, KölnBFR Lab Cologne – office for architecture, design and research, Köln

Prof. Anette Hillebrandt, msah:m.schneider a. hillebrandt architektur, Köln

Christine Wolf und Rebekka Junge, wbp Landschafstarchitekten, Bochum

Laura Heuschneider, Heuschneider Landschaftsarchitekten, Rheda-Wiedenbrück

Doris Törkel, Leiterin des Garten-, Friedhofs- und Forstamt, Düsseldorf

Monika Lepel, LEPEL & LEPEL Architektur, Innenarchitektur, Köln

Bettina Kratz, kplus konzept, Düsseldorf

Prof. Sabine Keggenhoff, KEGGENHOFF / PARTNER, Arnsberg-Neheim

Diese stellt es mit einem charakteristischen Werk vor. Arbeitsschwerpunkt der Frauen liegt in Nordrhein-Westfalen. In diesem Teil der Ausstellung steht die persönliche, architektonische Haltung der Frauen im Fokus. Mittlerweile sind Frauen, anders noch als ihre Kolleginnen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in allen Bereichen und Typologien der Architektur tätig. 

Frau Architekt bildet den Rahmen für ein Begleitprogramm, das die Stellung, die Sichtbarkeit sowie die Teilhabe von Frauen im Architekturberuf diskutiert. Während der Ausstellungszeit wandelt sich zudem das Haus der Architekten der AKNW in das Haus der Architektinnen.


Aktuelle Arbeiten von 22 Architektinnen aus NRW zeigen alle Bereiche und Typologien der Architektur, aus dem Hochbau, der Stadtplanung, der Landschafts- und Innenarchitektur sowie der Bauforschung in denen Architektinnen tätig sind.
Dreischeibenhaus, Düsseldorf, Revitalisierung 2015, Claudia Roggenkämper, HPP Architekten, Düsseldorf
© HPP Architekten, Foto: Momeni Gruppe, Fotograf: Ansgar M.van Treeck

Maßgebliche Beiträge zur Entwicklung der Architektur

Innovative Ideen trotz massiver Widerstände: So war die Lage als vor mehr als hundert Jahren Frauen erstmals an Technischen Hochschulen in Deutschland zu diplomierten Architektinnen ausgebildet wurden. Die Architektinnen leisteten damals maßgebliche Beiträge zur Entwicklung der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts.

Dennoch stehen Architektinnen bis heute in ihrem beruflichen Alltag wie in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Mittlerweile studieren in Deutschland mehr Frauen als Männer an den Architekturhochschulen. Aber von den im Beruf tätigen Architekten sind nur 31 Prozent Frauen. Auch erreichen heute mehr Architektinnen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, Baudezernentinnen und Hochschullehrerinnen, an dem ungleichen Geschlechter-Verhältnis ändern solche Karrieren bislang wenig.

FRAU ARCHITEKT
Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf

Laufzeit: 12. August bis 2. Oktober 2020

Ausstellungsort Haus der ARCHITEKTINNEN, Zollhof 1, 40221 Düsseldorf

Eröffnung: Dienstag, 11. August 2020, 19 Uhr

red | uw

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