Ausstellung zum Werk des Notkirchenarchitekten und Bauhausideengebers

An diesem Wochenende eröffnete im LVR-Freilichtmuseum Kommern die Ausstellung „Bartning.Bartning.Bartning. Architekt der Moderne“. Die Ausstellung zeigt das Werk von Otto Bartning (1883-1959), einem der Begründer der Bauhaus-Idee und Protagonist des modernen Kirchenbaus.

Im Zentrum der Ausstellung steht Bartnings Beitrag zur Entwicklung des seriellen Bauens. Bis heute einzigartig ist das von ihm ab 1945 entwickelte Notkirchenprogramm. Bis 1953 entstanden über 100 Typenkirchen aus seriell vorfabrizierten Bauelementen, die meist kombiniert mit lokalem Trümmermaterial in Eigenleistung der jeweiligen Kirchengemeinden aufgebaut wurden. In der Ausstellung werden erstmals alle Bauten des Notkirchenprogramms vorgestellt.

Die nun in Kommern aufgestellte Diasporakirche an ihrem Standort in Overath 1952 © LVR Freilichtmuseum Kommern

Eine originale Diasporakapelle aus dem Notkirchenprogramm von Otto Bartning wurde bereits im Juli im LVR-Freilichtmuseum Kommern eröffnet. So können die baulichen und programmatischen Besonderheiten des Notkirchenprogramms anhand des originalen Bauwerks vor Ort nachempfunden werden.

Die Stahlkirche auf der Pressa in Köln, 1928 | © Hugo Schmölz

Bartnings Schlüsselwerk, die Stahlkirche, die 1928 auf der Internationalen Presseausstellung „Pressa“ in Köln aus industriell produzierten Doppel-T-Trägern aufgebaut wurde, ist ein weiteres Highlight der Ausstellung. In einer eindrucksvollen Rauminstallation werden erstmals die expressionistischen Kohlegraphitzeichnungen der Stahlkirchenfenster von Elisabeth Coester aufbereitet. Dazu werden auch die beiden noch erhalten originalen Glocken aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stahlkirche gezeigt.

 Innenraum der Matthäuskirche in Darmstadt, 2019 |© Jürgen Schreiter

Ein weiterer Fokus der Ausstellung liegt auf der Entwicklung des seriellen Bauens von Wohnbauten auch nach Bartnings Tod im Jahre 1959. Hier werden insbesondere Notunterkünfte, Fertighäuser und Großsiedlungen der folgenden Jahrzehnte bis hin zu den Tiny Houses der Gegenwart vorgestellt. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Little Home, das seit 2016 als Bausatz entwickelt, Bedürftigen und Obdachlosen zur Verfügung gestellt wird.

Die Diasporakirche vor ihrer Translozion von Overath (links) nach Kommern (rechts) © LVR-Freilichtmuseum Kommern

Die Ausstellung ist Teil des Verbundprojektes „bauhaus 100 im westen“ des Landes Nordrhein-Westfalen und der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL).

red | uw

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LVR-Freilichtmuseum Kommern, Rheinisches Landesmuseum für Volkskunde

Eickser Straße 53894 Mechernich-Kommern

Öffnungszeiten An 365 Tagen im Jahr geöffnet.

  1. April bis 31. Oktober: 9 – 19 Uhr
  2. November bis 31. März: 10 – 17 Uhr

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