Zwischen Dom und Maria im Capitol liegt der Kristallisationspunkt einer über zweitausend-jährigen Geschichte. Entlang der "Via Culturalis" werden Straßen, Plätze und Gebäude neu entstehen. Den nördlichen Auftakt zur Via Culturalis am Roncalliplatz wird laut derzeitiger Planungen in einigen Jahren die Historische Mitte bereichern. © Stadt Köln / Thilo Schmülgen

Kulturweg zwischen Dom und St. Maria im Kapitol

2000 Jahre Geschichte, 800 Meter, eine Marke: Unter dem Namen Via Culturalis sollen die Kulturstätten und Plätze entlang der mittelalterlichen Magistrale zwischen dem Dom und St. Maria im Kapitol deutlich als besonderer und zusammenhängender Stadtraum akzentuiert werden. Bürger und Besucher Kölns sollen in Zukunft diesen Kulturpfad als gut gestaltetes und gepflegtes Aushängeschild für die Stadt wahrnehmen können.

Rot markiert ist der gesamte Betrachtungsraum Via Culturalis, in Gelb sind in der Planung oder gar Umsetzung befindliche Bereiche und bestehende ohne Handlungsbedarf. Ockerfarben gekennzeichnet sind die neu gepflasterten Oberflächen in Grauwacke. © RMP / M. Grobe, werk3

Der Pfad, ehemals gedacht von Oswald Mathias Ungers als Band und als mögliches Leitbild für die Kölner Altstadt, zwischen dem Südportal des Doms im Norden und Sankt Maria im Kapitol, ist mittlerweile zu einem ganzen Stadtraum geworden: Unter dem Stichwort “Via Culturalis” werden eine ganze Reihe von Maßnahmen rund um den Dom gebündelt. All das, was heute noch eher nach Bahnhofsviertel aussieht, riecht und schmeckt, soll würdiger werden und die historische Einfassung der Hohen Domkirche wieder sichtbarer werden lassen.

1999 formulierte Ungers seine Idee: Kultur sichtbar machen und die Kultur dem Kommerz bewusst entgegenstellen! Zu realisieren in Form einer räumlich ausformulierten kulturellen Achse, die zwischen dem Rheinufer, der Straße der Flaneure, und der Hohestraße, als Meile der Konsumenten, die “Via Culturalis” als Straße der Kultur manifestiere.

Wie Perlen an einer Schnur, so schrieb er, reihen sich in enger Folge auf dieser Trasse einzigartige historische Orte aneinander: „Eine solche Gelegenheit, Kultur von der Antike (Praetorium) über das hohe Mittelalter (Maria im Kapitol), die Gotik (der Dom, das größte gotische Bauwerk), die Renaissance (Rathauslaube) bis zur Moderne (Museum Ludwig, WRM neu und alt) entlang einer Straße erleben zu können, ist wohl einmalig in der Welt und in keiner anderen Stadt derart konzentriert zu finden.“

Mit diesem Pfund ließe sich wahrlich wuchern: Köln könnte mit einem Kulturquartier von Weltrang auf sich aufmerksam machen – ähnlich wie Frankfurt mit seinem Museumsufer oder die Berliner Museumsinsel. Doch leider sieht es hier vielerorts eher aus wie eine Rückseite zur Hohe Straße. Und so ist die städteräumliche Aufwertung der Trasse auch eine im Masterplan Innenstadt von Albert Speer priorisierte Maßnahme.

Kultur dem Kommerz entgegenstellen

Seitdem Ungers vor 20 Jahren seine Idee, Kultur sichtbar machen und die Kultur dem Kommerz bewusst entgegenstellen!, formulierte, hat sich doch Einiges verändert: Das Diözesanmuseum hat seinen Standort am Dom aufgegeben, und es gibt neue Projekte, die in Ungers‘ Aufzählung noch nicht vorkommen konnten:

Zukunftsmusik: Bis 2028 wollen die Stadt Köln und die Hohe Domkirche gemeinsam die Historische Mitte nach Plänen von Volker Staab bauen. © Staab Architekten

Am Eingang zur Via Culturalis am Roncalliplatz plant Volker Staab die Historische Mitte. Die Stadt Köln und die Hohe Domkirche fungieren als gemeinsame Bauherren für diesen Komplex, der Raum schafft für das Stadtmuseum, die Kurie und ein Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums. Dieses wird derzeit grundlegend saniert, sowie auch das Domhotel gegenüber.

Auch im MiQua geht es in die Schichten der Geschichte: Das jüdische Köln und der römische Praetoriumsbezirk werden in diesem Museum von Wandel Lorch Architekten inszeniert, das 2021 eröffnen soll. © Wandel Lorch Architekten

Für die Entwicklung des Laurenz-Carrés am Nordwesteingang zur Via Culturalis haben kister scheithauer gross den Wettbewerb gewonnen. Wenn es läuft wie geplant, kann man hier in einer Markthalle frühstücken, bevor es weitergeht zum MiQua, dem Jüdischen Museum im Archäologischen Quartier. Das Gebäude von Wandel Lorch Architekten befindet sich bereits im Bau und wird die Spuren jüdischen Lebens in Köln eindrucksvoll inszenieren. Eröffnet wird wahrscheinlich im Jahr 2021. Noch kein Datum nennen kann man für den geplanten Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums auf dem freien Grundstück östlich des Ungers-Baus. Christ & Gantenbein gewannen den Wettbewerb; derzeit liegen keine Informationen vor, wie es mit dem Vorhaben weitergeht.

Von der Idee zur Marke 

Christ & Gantenbein schlagen für die Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums eine Backsteinfassade vor, die ebenfalls auf mannigfaltige Schichtung Kölner Geschichte Bezug nimmt. © Christ & Gantenbein

In einem interdisziplinären Workshop-Verfahren 2013 wurde erarbeitet, wie mit dem Areal weiter vorzugehen ist. Mit daraus abgeleiteten konkreten Maßnahmen bewarb sich die Stadt beim Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus 2015.“ Die Fördersumme betrug 4,8 Millionen Euro. Nach einer europaweiten Ausschreibung 2016 vergab die Stadt Aufträge an drei Planungsbüros. Bereits abgeschlossen ist die Neufassung des Kurt-Hackenberg-Platzes durch Vogt Landschaftsarchitekten aus Zürich. Für den Johannestunnel zwischen Domchor und Bahnhofsrückseite hat Ute Piroeth aus Köln zusammen mit dem Künstler Wolfgang Rüppel einen Entwurf vorgelegt.

Tut bitter not: Die Johannisstraße verbindet die Domumgebung mit der Bahnhofsrückseite. Ute Piroeth hat einen Entwurf vorgelegt, um die Passage von „infernalis“ – wie bisher – zu „culturalis“ umzugestalten. © Ute Piroeth Architektur

RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten aus Bonn entwarfen die Neugestaltung für den Gesamtraum Via Culturalis; einen ersten „Vorgeschmack“ auf das neue Design wird 2020 mit der Gürzenichstraße in Angriff genommen. Ein einheitliches Erscheinungsbild von Straßen und Plätzen soll den Erlebnisraum zusammenbinden. In einem Handbuch sind die Richtlinien für die Gestaltung des öffentlichen Raumes zusammengefasst.

Hat man den Tunnel zur Philharmonie passiert, kann man auf bergischer Grauwacke unter Schnurbäumen den Blick auf den Domchor genießen. Sogar einen Trinkbrunnen gibt es auf dem neuen Kurt-Hackenberg-Platz, den Vogt Landschaftsarchitekten 2018 fertigstellten. © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten haben die Freiraumplanung vorgelegt. Als erster Teilabschnitt der Via Culturalis wird die Gürzenichstraße umgestaltet. © RMP / M. Grobe, werk3

Das Gestaltungskonzept von RMP sieht vor, die Geh- und Fahrbereiche mit Grauwacke auszulegen und insgesamt fußgänger- und fahrradfreundlicher zu organisieren. Leuchtstelen und Rahmen an den Sitzbänken sind in Messing, bzw. in einem Messing-Farbton; Fahrradbügel und Abfallbehälter werden zurückhaltender in Grau gestaltet.

Am südlichen Ende der Via Culturalis wird eine neue, 90 Meter breite Treppenanlage das Betonpflanzbeet ersetzen, das noch eine Barriere vor St. Maria im Kapitol bildet. Auch im Nordwesten für die Komödienstrasse mit ihren Dönerbuden und dröhnenden Reisebussen ist Rettung in Sicht, auch wenn sie nicht direkt dem Betrachtungsraum Via Culturalis eingegliedert ist: Die Verwaltung ist beauftragt, ein Gestaltungskonzept für diesen Bereich zu entwickeln.

Historische Perle in neuer Fassung: Vom Gürzenich bis zum Heumarkt wird einheitlicher Grauwacke-Belag verlegt. © RMP / M. Grobe, werk3

Um die Via Culturalis schließlich als “Marke” zu etablieren, wird das Projekt mit einem umfassenden Kommunikationskonzept begleitet inklusive Logo, Webseite, Newsletter und Audioguide. Die Stadt Köln wird also nicht nur endlich ihr Tafelsilber putzen, sondern auch dafür sorgen, dass es geschätzt und geachtet wird und sauber bleibt.

Ira Scheibe

Die Projekte der Via Culturalis im Überblick

Mit der Neugestaltung des Kurt-Hackenberg-Platzes nach Entwürfen des Züricher Landschaftsarchitekten Günther Vogt haben die Arbeiten zur Konturbildung der Kulturmeile Anfang dieses Jahres bereits begonnen. Beschlossen wurden nun auch die Entwürfe zum Umbau zweier weiterer prägnanter Räume an der Via Culturalis: der Gürzenichstraße und dem Tunnel Johannisstraße. Die MIQUA ist im Bau, wann die Erweiterung des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud und die Historische Mitte starten ist noch ungewiss.

Kulturelle und kirchliche Bausteine 

St. Andreas Erzbistum Köln, Hohe Domkirche, Römisch Germanisches Museum, Museum Ludwig & Philharmonie, Rathaus Spanischer Bau, Historisches Rathaus, Wallraf-Richartz Museum & Fondation Corboud, Alt St. Alban, Gürzenich, Klein St. Martin und St. Maria im Kapitol.

Die Via Culturalis in der Zeitleiste

2001 BDA Montagsgespräch  
Prof. O.M. Ungers stellt seine Idee der Via Culturalis vor: Kultur sichtbar machen und die Kultur dem Kommerz bewusst entgegenstellen!

2003 Rundgänge mit Stadtkonservator Dr. Ulrich Kring

2007 Masterplan Erste Schritte waren damit getan, dass das Vorhaben mit dem Namen Via Culturalis greifbar und im Masterplan Innenstadt als kurzfristig realisierbares Projekt benannt wurde.

2013 Werkstattverfahren In einem interdisziplinären Gutachterverfahren haben drei Planerteams die Situation analysiert und Maßnahmenkataloge mit einer Vielzahl kleiner und größerer Projekte entwickelt, mit denen die Kulturachse im Stadtraum sichtbar und begreifbar gemacht werden kann. Sie dienen auch als Basis für die weitere Formulierung von Aufträgen zur Gestaltung der Via Culturalis.  

RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten aus Bonn entwarfen die Neugestaltung für den Gesamtraum Via Culturalis. Ein einheitliches Erscheinungsbild von Straßen und Plätzen soll den Erlebnisraum zusammenbinden.

2017 Der Kulturpfad durch Kölns historische Mitte nimmt auch digital Gestalt an. Ein Logo und ein regelmäßig erscheinender Newsletter werden entwickelt.

2018 Auftaktveranstaltung: Die Fördermaßnahmen der Via Culturalis werden öffentlich vorgestellt.

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