Ohne Zugverkehr: die Hohenzollernbrücke als Park mit Radwegtrasse © Grafik Paul Böhm

Paul Böhm hat eine Vision für Köln und will Großes bewegen, zum Beispiel den Hauptbahnhof

Die Düsseldorfer Kollegen Ingenhoven und RKW+ haben es vorgemacht und sind mit mutigen Vorschlägen zum Umbau ihrere Heimatstadt an die Öffentlichkeit gegangen. Vor wenigen Tagen stellte nun Paul Böhm den Kölner Spitzen aus Politik und Wirtschaft seine Vision für “Die Neue Mitte Köln 2030” vor und stieß auf großes Interesse – natürlich auch bei den überregionalen Medien. Aus unserer eigenen Kölner Perspektive erscheint die Idee absurd, an eine mögliche praktische Umsetzung ist gar nicht zu denken. Allerdings ist es wichtig, dass wir unserer Städte weiterplanen, um sie zukunftsfähig zu machen. Daher freuen wir uns über die sachliche Berichterstattung der Berliner BauNetz-Redakteurin Sophie Jung, deren Beitrag wir hier veröffentlichen dürfen.

Der Kölner Hauptbahnhof stößt an seine Kapazitätsgrenzen: 280.000 Reisende täglich und nur elf Gleise unter dem Dach einer 1859 eingeweihten Halle. Auch partielle Erweiterungen, wie sie in den letzten Jahren immer wieder stattgefunden haben, lösen das Problem nicht: Der Kölner Hauptbahnhof, mitten in der dichten historischen Innenstadt und direkt neben dem Dom gelegen, wird dem Nah- und Fernverkehrsaufkommen in Zukunft nicht mehr standhalten können. Architekt Paul Böhm (Köln) hat diesen Missstand zum Anlass genommen, die Stadt Köln und ihre Bahnhöfe neu zu denken. Mit seinem Perspektivwechsel – den Böhm in einer freien Konzeptidee einnimmt – spricht er eine ganze Reihe von Problemen des Wohnraums, der Dichte und der urbanen Lebenswertigkeit an.

Die nich tmehr länger benötigten Bahntrassen und Bahnhofsareale sollen zu Grünflächen umgestaltet werden. © Grafik Paul Böhm

Sein einfacher Ansatz: Der Hauptbahnhof soll nicht mehr Hauptbahnhof, sondern nur noch Regionalbahnhof sein. Der Fernverkehr soll gänzlich auf den Bahnhof Deutz verlegt werden, der dem jetzigen Hauptbahnhof auf der anderen Seite des Rheins gegenüberliegt. Die alte Bahnhofshalle mit ihrem Anbau aus Nachkriegszeiten soll ein zentraler sozialer Knotenpunkt der Stadt bleiben – etwa als Einkaufszentrum oder Museum. „Das Quai d’orsay in Paris oder der Hamburger Bahnhof in Berlin sind auch alte Bahnhöfe, die als Kulturbauten heute sehr gut funktionieren”, betont Böhm im Gespräch mit BauNetz.

Entlang Parks an der Stelle der alten Bahntrassen werden Flächen für den Wohnungsbau frei. © Grafik Paul Böhm

Entscheidend ist bei seinen Überlegungen, dass die Ost-West-Verbindung mitten durch die Innenstadt unter die Erde verlegt werden müsste. Nach diesen Plänen würde der jetzige Hauptbahnhof verkehrstechnisch zu einem Untergrundbahnhof für Stadt- und Regionalzüge. Oberirdisch würde das ungenutzte Gleisfeld viel Raum freigeben. Die innerstädtische Ost-West-Linie stellt sich Böhm als eine Art Kölnische High Line vor. Wie Diller Scofidio+Renfro es für eine stillgelegte Hochbahntrasse in New York bereits umsetzten, könnte auch am Rhein ein öffentlicher Park angelegt werden. Die stadtbildprägende Hohenzollernbrücke zwischen Deutz und linksrheinischer Altstadt würde dann zu einem begrünten Fahrradweg mit Parkbänken werden.

Die Parkstadt Nord, ein neues Quartier zwischen Mediapark und Agnesviertel, das heute fast vollständig von Gleissträngen durchzogen ist © Grafik Paul Böhm

Entlang der so entstehenden Grünstreifen sieht Böhm Verdichtungspotential und überlegt, Wohnhäuser direkt an den stillgelegten Hochbahntrassen zu bauen. Im Westen, kurz bevor die Ost-West-Strecke  wieder oberirdisch verlaufen würde, generierte sein Konzept in einem jetzigen Gleisdreieck ein großes bebaubares Gelände. Ähnlich wie bei der gerade entstehenden Mitte Altona könnte auf dem Areal ein Neubaugebiet, vor allem für Wohnungen entstehen. 

High-Line-Park am Hansaring © Grafik Paul Böhm

Paul Böhm, der den städtebaulichen Entwurf mit einem verlegten Fernbahnhof und einer unterirdischen Ost-West Strecke auf eigene Initiative lanciert hat, stellte sein Konzept bereits der Oberbürgermeisterin Henriette Reker und einigen Parteien im Kölner Rat vor. „Alle begrüßen bislang meinen Vorschlag”, meint Böhm: „Der nächste Schritt ist nun, konkret zu untersuchen, ob so ein Konzept auch realisierbar ist.” Eine Machbarkeitsstudie ist in Planung. Und sollte diese positiv ausfallen, vielleicht wird dann Paul Böhm selbst an einem nachfolgenden städtebaulichen Wettbewerb teilnehmen.

Sophie Jung

Dieser Beitag erschien zunächst im BauNetz, wir dürfen ihn hier mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen.

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