Riphahns Erben

Ausrufung eines europaweiten Wettbewerbs zum Opernquartier beschlossen

Am 8. November beschloss der Rat der Stadt Köln, zur Neuplanung des Opernquartiers einen europaweiten, beschränkten Realisierungswettbewerb auszurufen. Daran sollen insgesamt 40 Architekturbüros teilnehmen: 25 werden in einem vorgeschalteten Bewerbungsverfahren ermittelt, die übrigen 15 wurden bereits namentlich bestimmt und werden derzeit angefragt. Auswahlkriterium für Letztere war nicht zuletzt deren „internationale Reputation“.

Nachfrage und Angebot

Der endgültige Wettbewerb wird anonym sein. Das Vorgehen, einen Teil der Kandidaten im Vorfeld zu bestimmen, kann im besten Fall zu einer gleichberechtigten Konkurrenz auf hohem Niveau führen. Schlechtenfalls droht jedoch eine Parteinahme zu emblematischen Entwürfen, die nicht zwingend Rücksicht auf ihr historisches Umfeld nehmen.

Die Auslese der Wettbewerbsteilnehmer und damit auch des späteren Entwurfsumsetzers entwächst dann einer Logik, die dem derzeitigen Wettstreit der Städte um Hotspots folgt: Nur, wer eine ausreichende Anzahl von (wahlweise rekonstruierten) „Stararchitekturen“ auf sein Stadtgebiet vereinen kann, darf Hoffnungen auf einen zumindest nicht rückläufigen touristischen Zuspruch hegen. Die jüngsten Kölner Wegmarken dieser Stadtmarketing-Strategie sind mit Renzo Pianos Weltstadthaus und Peter Zumthors unlängst eröffneter Kolumba in direkter Nachbarschaft zum zukünftigen Planungsgebiet am Offenbachplatz zu besichtigen.

Dabei muss sich die Stadt Köln mit ihrer oft verschmähten Architektur der Nachkriegszeit nicht verstecken. Gerade die von Wilhelm Riphahn geplante Oper belegt dies: In guter alter Architekturfotografie-Tradition neben dem Symbol des deutschen Wirtschaftswunders – dem VW Käfer – abgelichtet und damit unmissverständlich im Kontext dieses Phänomens verortet, stand das 1957 eingeweihte Gebäude als Streckenpunkt einer Rückkehr zur Normalität. Die Stadt, noch immer von Kriegseinwirkungen perforiert, atmete wieder die Luft kultureller Bedeutung.

Erbteilung

Das Opernhaus selbst steht nun unter Denkmalschutz und soll im Rahmen der Neuplanungen saniert werden. Anders wird es den beiden weiteren, ebenfalls denkmalgeschützten Gebäuden des Quartiers, dem Schauspielhaus und dem Operncafé, ergehen: Diese Bauten Riphahns werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Dies verwundert, denn die Studie des Dezernats für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Stadtplanung zur Zukunft der Kölner Bühnen aus dem Jahr 2005 rät zu einer Sanierung des gesamten städtebaulichen Theaterkomplexes aus den fünfziger Jahren: „Ein Abbruch wäre unter denkmalpflegerischen Aspekten nicht zu begründen.“

Auch der Entwurfsverfasser begriff den Bereich des Offenbachplatzes als aufeinander bezügliche Gesamtkonzeption. Riphahn wollte die Oper nicht als Solitär verstanden wissen, sondern vielmehr als Teil, der sich mit seiner Funktion ins logische Gefüge der Stadt einordnet. Er hatte die Gelegenheit, mit mehreren Geschäftshäusern das städtebauliche Umfeld der Oper und des Schauspielhauses selbst zu gestalten. Dieses Ensemble war notwendig: „Man kann einen Bau wie die Oper nicht allein planen“, so der Architekt. „Man muss ihn im Rahmen einer großen städtebaulichen Konzeption sehen … denn nicht nur von den einzelnen Gebäuden, sondern vielmehr von größeren räumlichen Zusammenhängen werden die Gesichter unserer Stadt geprägt.“

Bleibt zu hoffen, dass die Wettbewerbsteilnehmer diesen Gedanken beherzigen und zu einer angemessenen städtebaulichen Lösung finden. Ein autarkes Emblem, das in Konkurrenz zur historischen Bausubstanz tritt, kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Rainer Schützeichel

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4 Kommentare

man darf gespannt sein…
doch trotz berechtigter skepsis, freue ich mich auf diese grosse chance für köln. man darf nur hoffen, daß die stadt es nicht, wie so oft, verkackt.

Der alte VW vor der Oper ist bezeichnend.
Immer wenn das Amt für Stadt(nicht)entwicklung ins Spiel kommt heißt es -vorwärts wir müssen zurück.

Ganz ehrlich. Was ist an diesem monumentalen, einem sozialistischen Plattenbau ähnlichen Opernhaus so erhaltenswert? Zusammen mit dem Offenbachplatz ist dieses Gebäude ein ästethischer Totalausfall und ich kann auch nicht erkennen, wie sich dieser Bau in sein „städtebauliches Umfeld“ harmonisch einordnet.

Ein offener Wettbewerb mit internationaler hochkarätiger Jury aus Städtebauern,Architekten garantiert Transparenz und Qualitaet die Koeln verdient. Kein neuer Messehallenskandal! Alle 15 eingeladenen Büros schnellstens bekanntgeben und die weiteren Teilnehmer zeitnah! auswählen, Wettbewerbsgleichheit!

Wo ist der überfällige Wettbewerb fuer die archäologischen Zone?

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