Beim Montagsgespräch konnte sich der BDA Köln nachvollziehbar für die Wichtigkeit des Architekten als Kommunikator innerhalb städtischer Planungsprozesse positionieren.

Das BDA-Montagsgespräch widmete sich am 26. Januar der Frage nach der Zukunft des Bereichs nördlich des Kölner Hauptbahnhofs: volksmündlich gerne als „Breslauer Platz“ bezeichnet, fragte auch der BDA „Breslauer Platz: Wie geht es weiter nach dem Workshop?“ Der Vorsitzende des BDA-Kölns Stefan Schmitz führte mit einer Rückschau auf die Planungsgeschichte dieses Ortes in den Abend ein. Einiges ist hier schon geschehen – schließlich ist das Areal seit 1992 Planungsgegenstand. Städtebauliche Wettbewerbe, von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudien, Zwischenlösungen und Ende letzten Jahres also ein kooperatives Werkstattverfahren.

Nach diesem historischen Abriss stellte die Leiterin des Stadtplanungsamts Köln Anne Luise Müller einige Entwürfe der Büros vor, die im Rahmen des Workshops in die engere Auswahl gekommen sind. Siebe Büros waren zu diesem Verfahren geladen: Büder + Menzel Architekten, JSWD Architekten, Kister Scheithauer Gross, Königs Architekten, Ortner & Ortner Baukunst, Pfeiffer Ellermann Preckel und Thiess Architekten – jeweils mit einem Verkehrsplaner ihres Vertrauens. In die engere Wahl kamen Büder + Menzel Architekten, JSWD Architekten sowie Ortner & Ortner Baukunst. Nach der Empfehlung der Beurteilungskommission soll auf Grundlage des Entwurfs von Büder + Menzel ein bindender Bebauungsplan erstellt werden, wenn gleich selbige Empfehlung einige Veränderungen und Anpassungen des Entwurfs anmahnt (koelnarchitektur berichtete).

So gilt es unter anderem das Höhenkonzept der Stadt mit der Topografie des Orts und den geplanten Gebäudekörpern übereinzubringen, den großen Baublock, der den künftigen Busbahnhof aufnehmen soll in Nord/Süd-Richtung durchlässiger zu gestalten und zum Eigentümer der Kommerzhotels Kontakt aufzunehmen, um über eine mögliche Umgestaltung dieses kontroversen Baus zu beratschlagen.

Podium ohne Architekten

Im Anschluss an die beiden einleitenden Kurzvorträge fanden sich neben Müller und Schmitz der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses Karl-Jürgen Klipper, Roger Riewe als Mitglied der Jury zum Workshop „Breslauer Platz“ und Olaf Geist von der Aurelis Real Estate auf dem Podium ein. Auf diesem Podium ging es nun vor allem darum, wie das weitere Vorgehen an dieser städtisch so wichtigen Stelle ist. Nur am Rande wurde behandelt, warum sich der gesamte Prozess nun schon seit 16 Jahren in die Länge zieht. Das CDU-Fraktionsmitglied Klipper sagte hierzu, dass man den Platz dringend für die Großbaustelle der Nord-Süd-U-Bahn gebraucht hätte – wurden doch von hier wichtige Materialien und die Tunnelbohrmaschine eingesetzt. Auch Riewe betonte, dass es durchaus positiv zu werten ist, dass sich die Stadt hier gegönnt hat ein weiteres Planungsverfahren anzustreben und nicht auf Schnellschüsse sondern auf profunde Planung gesetzt hat.

So war sich das Podium einig, dass das Areal zwischen dem eigentlichen Breslauer Platz – selber nicht Gegenstand der Planungen – und der Rheinuferstraße auf einem sehr guten Wege ist. Auch Olaf Geist betonte, seine Firma stünde all den Entwicklungen nicht im Weg, da sie einzig daran interessiert sei, ihr Grundstück „in Wert zu setzen“, sprich Baurecht zu erzielen. Sobald dies geschehen sei, solle das Gelände zwischen der Goldgasse, Konrad-Adenauer-Ufer und dem Alten Ufer veräußert werden. Roger Riewe ergänzte, dass jenes Konzept zur weiteren Planung vorgeschlagen wurde, das innerhalb eines sehr kleinen Spielraums die größten „Möglichkeitsräume offen lässt.“ Anne Luise Müller und Karl-Jürgen Klipper assistierten, dass das städtebauliche Konzept von Büder + Menzel durch den geforderten „Kulturbaustein“ in Kombination mit dem integrierten Busbahnhof viele Freiheiten für die Zukunft ließe und doch Sorge dafür getragen werde, dass das Areal nicht zu einer Bürostadt verkomme. Müller und Klipper gaben auch klar die Marschroute für die nächsten Jahre vor: In 24 bis 30 Monaten soll Baubeginn sein.

Hüter des Gedankens

Roger Riewe sah eine massive Verantwortung auf Seiten der Stadt. Die ist für ihn heutzutage Managerin vielfältiger Prozesse. An dieser Stelle gelte es nun sorgfältig und Schritt für Schritt zu planen. Köln brauche in direkter Nähe zu Dom, Museen und Hohenzollernbrücke keine Spektakelarchitektur aus dem Dunstkreise des Bilbao-Effekts. Stattdessen gelte es, das aktuelle städtebauliche Konzept angemessen in die Realität zu übertragen. Müller ergänzte, dass dieses Vorhaben ohne die Ausschreibung von Architektenwettbewerben für die einzelnen Blöcke nicht vorstellbar sei.

Bei all dieser Einigkeit auf dem Podium blieb einzig die Frage offen, wie die Architekten, die als „Sieger“ aus dem Werkstattverfahren in die weiteren Planungen eingebunden werden sollen. Auf dem Podium waren sie nicht vertreten. In Teilen nachvollziehbar, ging es doch an diesem Abend in erster Linie um die Sicht der Offiziellen, lässt es doch schlimmes für die Zukunft befürchten. Und so sprach es Stefan Schmitz klar an, als er forderte, die Architekten als „Hüter des Gedankens“ auch weiterhin maßgeblich in die Planungen einzubinden. Zu sehr können Pläne, Modelle und Renderings von anderer Seite umgedeutet werden. Die Wichtigkeit die Väter des Entwurfs an Bord zu haben ist immens. Erst recht bei einem Projekt wie diesem: Das Terrain ist auf Grund seiner vielfachen Anforderungen äußerst schwierig. Und so bleibt als Final festzuhalten, dass der BDA Köln durch das erneute unterstreichen dieser Forderung an diesem Abend seiner Rolle als Mahner und Warner gerecht wurde.

David Kasparek

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Weiterführende Links

  • Protokoll der Jurysitzung als PDF- Dokument.
  • Zur Website der Architekten Büder + Menzel
  • b+m1 grundriss eg

    Im Erdgeschoss des südlichen Blocks (links) soll der Busbahnhof untergebracht werden.

    b+m1 aufsicht

    Die Aufsicht auf die Planung: Das Kommerzhotel (am oberen Bildrand) soll erhalten bleiben, aber umgebaut werden. Ist hier ein Fassadenwettbewerb möglich?

    b+m2 kennedyufer

    Noch handelt es sich um ein rein städtebauliches Konzept – eine architektonische Aussage wird in diesem Stadium noch nicht getroffen.

    b+m3 blick in den boulevard

    So könnte sich der Blick vom Breslauer-Platz in Richtung Rhein in einigen Jahren darstellen. Ein Boulevard soll das Areal an das Flußufer anbinden.

    b+m4 blick vom lvr-turm

    Zwischen der Gleisanlage des Hauptbahnhofs und den zwei nördlichen Blöcken soll der große Block sowohl Busbahnhof, wie auch den ‘Kulturbaustein’ aufnehmen. Ob Musical oder etwas anderes ist dabei noch völlig offen.

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