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Gratwanderung | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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14.11.2008 Köln bekommt ein Geschenk: Den Anbau für das Stadtmuseum. Die Art und Weise wie hier geschenkt wird, ist umstritten. koelnarchitektur.de beleuchtet die Hintergründe. Ich mag meine beste Freundin wirklich sehr. Deshalb schenke ich ihr – einfach so – ein sehr teures Buch, das sie seit langem schon haben möchte. Meinen Namen hab ich reingeschrieben, damit sie immer daran erinnert wird, dass ich ihr dieses großzügige Geschenk gemacht habe. Zusätzlich möchte ich aber, dass sie sich noch ein Regal extra für das Buch kauft. Ich habe es schon ausgesucht, es ist weiß und ein bisschen teuer. Vielleicht passt es auch nicht so ganz zu ihren Naturholzmöbeln, aber wenn ich ihr dieses Geschenk schon mache, kann sie auch etwas dafür tun. Zugegeben, dieser Vergleich ist ein bisschen weit hergeholt, aber im Kern trifft er das, was zwischen einem noch anonymen Stifterehepaar und der Stadt Köln abläuft. Ich jedenfalls würde mich nicht wundern, wenn meine Freundin das Geschenk ablehnen würde. Die Stadt Köln wird das Geschenk annehmen. Es ist der Anbau für das Kölnische Stadtmuseum im Wert von mindestens fünf Millionen Euro. Die Stadt aber muss mindestens sechs Millionen Euro zusätzlich investieren. Fertiges Haus für die Stadt Hier wird jedoch nicht einfach nur das Geld für das Gebäude gespendet, die Stifter haben einen fertigen Entwurf von Hanspeter Kottmair, nach dem gebaut werden soll. Auch wer den Bauauftrag bekommt, ist schon klar. Warum das Stifterehepaar dem großzügigen Geschenk den Beigeschmack des Kölner Klüngels gibt, können wohl nur sie beantworten. Es ist ja gar nicht gesagt, dass sie bestimmten Personen über den Umweg der Schenkung ein Großprojekt vermitteln möchten. Vielleicht wollten sie den Neubau einfach nur beschleunigen, vielleicht möchten sie wissen, was genau mit dem Geld passiert, das sie stiften. So wie Bauprojekte in Köln manchmal laufen, ist dieser Wunsch auch durchaus berechtigt. Öffentliche Ausschreibung oder privater Auftrag? Aber hier geht es nicht nur um möglichen Klüngel, sondern um juristische Fakten. Nämlich um die Frage: Müsste dieses Projekt nicht öffentlich ausgeschrieben werden? Die Stadt ist hier nicht der Auftraggeber, deshalb ist eine öffentliche Ausschreibung nicht notwendig, private Bauherren sind dazu nicht verpflichtet. Nachdem aber in den 1990er Jahren der Bau öffentlicher Gebäude über private Investoren Überhand nahm, wurde in der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) der §32a zum Thema Baukonzessionen eingeführt. Wenn ein öffentlicher Bauherr indirekt ein Gebäude errichtet, also inhaltliche Vorgaben macht, vielleicht das Grundstück zur Verfügung stellt oder Personal- und Sachkosten investiert, ist auch der private Bauherr zur Ausschreibung nach der Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) verpflichtet. Von verschiedenen Gerichten wurde dieser Paragraph inzwischen sehr eng ausgelegt, so dass selbst der Bau eines Einkaufszentrums aufgrund der städtebaulichen Komponente schon ausschreibungspflichtig sein kann. Aber all dies ist natürlich Auslegungssache, so hat die Stadt Köln bereits zwei juristische Gutachten, die die Rechtmäßigkeit des geplanten Verfahrens bescheinigen. Und so lange sich niemand die Mühe macht, das Gegenteil zu beweisen, wird auch so verfahren. Eine Chance im Verhandlungsverfahren? Wenn aber der Auftrag öffentlich ausgeschrieben würde, hätte der Architekt Hanspeter Kottmair überhaupt eine Chance? Die VOF hält die Bedingungen für die Teilnahme am Verhandlungsverfahren sehr allgemein, grundsätzlich muss der Auftragnehmer fachlich kompetent, zuverlässig und wirtschaftlich leistungsfähig sein. Es ist davon auszugehen, dass das Architekturbüro Kottmair diese Anforderungen erfüllt. Nach §16 der VOF wird dann genauer abgefragt, welche Kriterien für die Entscheidung zur Auftragserteilung berücksichtigt werden. Für Aufträge an Architekten, besonders bei einem Kulturgebäude, ist aber der Entwurf das wichtigste Kriterium. Da beim Verhandlungsverfahren – im Gegensatz zum Wettbewerb – keine Entwürfe eingereicht werden, kann nur anhand von früheren Projekten des Architekten geurteilt werden. Ein Museum befindet sich nicht darunter, auch kein anderes Ausstellungsgebäude oder ein Kulturbau, das Büro Kottmair hat bislang hauptsächlich Büro- und Gewerbegebäude geplant. Baumärkte als Referenzobjekte für das Kölnische Stadtmuseum? Unter geschätzten 200 Teilnehmern an einem öffentlich ausgeschriebenen Verhandlungsverfahren würden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit andere, ähnlich leistungsfähige Büros befinden, die Erfahrungen mit Museumsgebäuden vorweisen können. Wettbewerb die bessere Alternative Besser als ein reines Verhandlungsverfahren wäre aber für ein solches Gebäude in jedem Fall ein Wettbewerb, woran sich das Büro Kottmair durchaus beteiligen könnte. Hier wäre der Entwurf die direkte Vergabegrundlage, nur so kann sichergestellt werden, die optimale Lösung zu finden, von der der bisherige Kottmair-Entwurf weit entfernt ist. Einen Wettbewerb aber lehnen die Stifter ab. Laut Schenkungsvertrag soll allerdings die jetzige Vorplanung "gestalterisch optimiert" werden, auch unter Beteiligung anderer Architekten. Eine Lösung, die sicher allen Beteiligten schadet, zuvorderst dem Architekten, der öffentlich korrigiert wird, aber auch der Stadt und ihren Bürgern, die wieder einmal eine suboptimale Lösung bekommen werden. Vera Lisakowski Lesen Sie auch zum Thema Stadtgeschichte 23.04.2008 Zur geplanten Erweiterung des Kölnischen Stadtmuseums Stellungnahme des BDA Köln zur aktuellen Situation 19.09.2008 Erweiterung des Kölnischen Stadtmuseums Wortprotokoll der 44. Sitzung des Rats der Stadt Köln (PDF, S. 15-28) Homepage des Architekturbüros Kottmair |
![]() [+] Die Planung für den Anbau des Stadtmuseums: Zur Burgmauer hin kragt der Neubau über die erhaltene Stadtmauer aus. Bild: Kottmair/Kölnisches Stadtmuseum ![]() [+] Der Parkplatz des Regierungspräsidiums ist der Bauplatz für den Anbau. Foto: Vera Lisakowski ![]() [+] Blick von der Zeughausstraße auf den Erweiterungsbau des Architekten Hanspeter Kottmair. Bild: Kottmair/Kölnisches Stadtmuseum ![]() [+] Blick auf das Zeughaus. Foto: Vera Lisakowski ![]() [+] Der Weg nach oben: Sympathisches Treppenhaus oder Kaufhauscharme? Bild: Kottmair/Kölnisches Stadtmuseum |
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