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Die Ausstellung „70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland“ zeigt, wie sich mit dem kleinen Anteil an der Bausumme ein großer Mehrwert schaffen ließ

Seit 70 Jahren bereichert staatlich beauftragte Kunst unser Leben und unseren Alltag. In nahezu allen Einrichtungen des Bundes gibt es Kunst am Bau, gleichwohl sind nur die wenigsten Arbeiten allgemein bekannt. Mit der zum Jubiläum entwickelten Wanderausstellung „70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland“ soll sich dies nun ändern. Die Ausstellung präsentiert rund 60 Kunstwerke in ihrem räumlichen und institutionellen Kontext aus dem gesamten Bundesgebiet, die die historische und politische Entwicklung Deutschlands widerspiegeln.

Kunst am Bau hat in Deutschland eine lange Tradition, die bis in die 1920er Jahre zurückreicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Förderung der Kunst in beiden deutschen Staaten zur Kulturpolitik der ersten Stunde, so dass 1950 sowohl der Deutsche Bundestag als auch die Volkskammer der DDR beschlossen, bildende Künstler bei staatlichen Baumaßnahmen zu beteiligen und einen Anteil der Bausumme bei Neubauten und Wiederinstandsetzungen von Staatsbauten für Kunst vorzusehen.

Vorbild für den Plakat ist der Aufsteigende Phönix von Hannes Schulze-Trattenpach unter dem Vordach des Deutschen Bundestages in Bonn von 1952, Preisträger eines Wettbewerbs mit 333 Einsendungen. Mehr dazu hier: Museum der 1000 Orte © Foto Uta Winterhager

Nahezu alle bedeutenden Künstlerinnen und Künstler Deutschlands haben seither Kunst am Bau in staatlichem Auftrag realisiert und mehr als 8.000 Kunstwerke geschaffen. Viele dieser Arbeiten sind wiewohl von hervorragender Qualität kaum allgemein bekannt, da ihre Standorte in der Regel nicht öffentlich zugänglich sind.

Erstmalig werden nun in einer gemeinsamen Zusammenschau Kunst-am-Bau-Werke gezeigt, die in Zeiten der Teilung Deutschlands und seit der Wiedervereinigung für staatliche Institutionen im In- und Ausland entstanden sind. Die rund 60 ausgewählten Werke in der Ausstellung geben einen repräsentativen Überblick über Qualität und Vielfalt der geschaffenen Kunst. Sie umfassen dabei nicht nur sämtliche Ausdrucksformen der Kunst, sondern auch alle Varianten inhaltlicher und formaler Bezüge zu Standort, Funktion und Architektur von Bauwerken, die in sieben Jahrzehnten für so unterschiedliche Nutzer wie Regierungs- und Verfassungsorgane, Botschaften und Behörden, Polizei und Bundeswehr, sowie Bildungs-, Forschungs- und Wissenschaftsinstitutionen errichtet wurden.

Die Ausstellung gliedert sich in zehn Kapitel: Drei Kapitel folgen einer chronologischen Dramaturgie, um die Kunst am Bau aus der Gründungsphase der beiden deutschen Staaten vorzustellen sowie die im Rahmen der Ausdifferenzierung des Staatswesens in West und Ost und des Ausbaus der gemeinsamen Hauptstadt Berlin nach der Wiedervereinigung entstandene Kunst zu beleuchten. Die übrigen Kapitel sind in sich geschlossene Komplexe, die spezifische Aspekte des Genres fokussieren, wie zum Beispiel Kunst am Bau an Botschaften und Auslandniederlassungen oder Kunst am Bau beim Militär. Andere thematisieren die Vielfalt der Institutionen des Bundes oder vermitteln Kunst als inhaltlichen Kommentar zur Neuprogrammierung von historisch belasteten Gebäuden. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Entstehung von Kunst am Bau, indem der Weg vom Wettbewerb bis zur Fertigstellung nachgezeichnet wird, ein anderes behandelt Pflege- und Unterhaltsfragen sowie den Verlust von Kunstwerken. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine Medienstation, auf der Filmbeiträge und Interviews mit Kunst-am-Bau-Akteurinnen und -Akteuren zur Entstehung von Kunstwerken gezeigt werden.

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der über die in der Ausstellung präsentierten Projekte und Texte hinaus die baugebundenen Kunstwerke in die historische und politische Entwicklung Deutschlands einbettet und übergreifende Beiträge zur Kunst am Bau im Kontext der Kunstgeschichte und des deutsch-deutschen Austausches beinhaltet. Der reich bebilderte Katalog ist im Deutschen Kunstverlag in Deutsch und Englisch erschienen und umfasst Beiträge von Horst Bredekamp, Sigrid Hofer, Beate Hückelheim-Kaune, Anna-Sophie Laug, Constanze von Marlin, Horst Seehofer und Martin Seidel.

Die Ausstellung „70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland“ wurde im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Zusammenarbeit mit dem Büro schmedding.vonmarlin und Studio Krimm erarbeitet. Sie tourt in den Jahren 2021 und 2022 als Wanderausstellung durch Deutschland.

Stationen der Ausstellung im Jahr 2021

06.05.–27.06. Musiktheater im Revier Gelsenkirchen (pandemiebedingt verschoben, neuer Termin wird schnellstmöglich bekanntgegeben)
01.07.–01.08. Rathaushalle Rostock
05.08.–12.09. Händelhaus Halle
18.09.–31.10. Bremen (Ort wird bekanntgegeben)

Dr. Ute Chibidziura, Referentin für Kunst am Bau
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

ÜBRIGENS: Baukultur NRW hat eine digitale Kunst-und-Bau-Sammlung aufgebaut, die derzeit mehr als 40 Projekte in NRW umfasst und kontinuierlich erweitert werden soll.

Und Kunst am Bau im Auftrag des Bundes seit 1950 findet man hier im Museum der 1.000 Orte mit inzwischen 200 Einträgen.

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