Länge läuft am Luftschiffplatz

Einer der letzten Bausteine auf Clouth ist ein Wohnhaus von Stefan Forster Architekten

Wer sich mit Alltagsarchitektur profilieren möchte, muss sich gewaltig anstrengen und die richtigen Bauherren finden. Das Büro Stefan Forster Architekten aus Frankfurt widmet sich seit gut 30 Jahren den Räumen, in denen wir die meiste Zeit verbringen, den Wohnräumen. Mit großer Expertise entstand so ein Portfolio, das das Wohnen in der Stadt zelebriert und den sonst oft verpönten Geschosswohnungsbau adelt. Stefan Forster versteht sich als Vertreter des klassischen Bauhandwerks, seine Entwürfe zeichnet der Einsatz wertiger Materialien und handwerklicher Details aus, ebenso wie intelligente Grundrisslösungen und ein ausgewogenes Verhältnis des Öffentlichen zum Privaten.

Der L-förmige Baukörper bildet im Verbund mit den gegenüberliegneden Gebäuden die Figur eines aufgelösten Blockrands © Grafik Stefan Forster Architekten

In der für das Projekt „Wohnhaus am Luftschiffplatz“ von moderne stadt ausgelobten Mehrfachbeauftragung überzeugte das Frankfurter Büro die Jury einstimmig. Realisiert wurde ein L-förmiger Baukörper mit 77 Mietwohnungen, der im Verbund mit den gegenüberliegenden Gebäuden der GAG die Figur eines aufgelösten Blockrands beschreibt. Der grüne Hof im Blockinnenraum wird als einheitlicher Freiraum gestaltet und steht allen Bewohnern und Bewohnerinnen als Treffpunkt, zum Spielen und Vergnügen zur Verfügung. Großen Wert legte moderne stadt als Entwicklerin hier – wie im gesamten Quartier – darauf, keine Grenzen zu ziehen, die soziale Unterschiede manifestieren würden.

Vom Großen ins Kleine

Leben am Luftschiffplatz, Ansicht über den Innenhof © Foto: Lisa Farkas

Es ist Stefan Forsters erstes Projekt in Köln, zugleich ist es einer der letzten Bausteine im Clouth-Quartier. Als es Anfang 2021 fertig gestellt wurde, war demzufolge direkt ersichtlich, ob und wie der Neubau sich an der Westflanke des Quartiersplatzes in seine Nachbarschaft einfügt. Antipode über die volle Länge des Platzes ist die Halle 17, der nicht nur wegen ihrer zentralen Lage, sondern auch wegen der geplanten Wiederbelebung ihrer historischen Hülle mit Wohnungen sowie sozialen und gastronomischen Nutzungen eine besondere Rolle zugedacht wurde.

Stefan Forster bezeichnete es als großes Glück in dieser privilegierten Lage am Luftschiffplatz bauen zu können, da der Neubau dort in seiner gesamten Länge wahrgenommen werden kann. In der Fernwirkung erscheint das fünfgeschossige Haus zunächst als Wand, die den Platz markiert, ihn fasst. Doch bei Verringerung des Betrachtungsabstands lösen der Rhythmus der Vor- und Rücksprünge, Loggien und Terrassen und die Regelmäßigkeit, mit der die Eingänge markiert werden, das große Volumen auf und lassen es als eine Addition einzelner Häuser erscheinen. Die gewünschte Urbanität wird hier also mit einer gewissen Kleinteiligkeit des Großen erzeugt.

Durch die Vor- und Rücksprünge wirkt die 110 Meter lange Ansicht weniger als Wand und mehr als Addition einzelner Häuser. © Foto: Lisa Farkas

Am liebsten baut Stefan Forster mit rotem Klinker, für das Clouth Quartier wählte er dennoch einen warm-grau changierenden Farbton aus, der sich harmonisch in das bunte Bild der jungen Nachbarschaft einfügt. Die Fassade gewinnt durch den Kontrast aus Flächen mit einem feinen Relief horizontaler Linien und den weiter zurückliegenden glatt verklinkerten Bereichen. Um die Wirkung dieser aufwändigen handwerklichen Gestaltung vorab zu testen, ließ moderne stadt eine Musterwand im Maßstab 1:1 errichten, ein grade im Wohnungsbau ungewöhnliches, da kostspieliges Vorgehen.

Handwerkliche Details an Fassaden sind selten geworden, hier werden sie zu einem besonderen Merkmal des Gebäudes © Foto: Lisa Farkas

Die hellen Fensterrahmen bilden einen schönen Kontrast zum Klinker. Wobei hier auch festgehalten werden sollte, dass aus Kostengründen nur im Erdgeschoss Vollklinker verbaut wurden und die Fensterrahmen aus Kunststoff mit Folie in Holzdekor sind. Geschickt gelöst ist die natürliche Belüftung der Müllräume durch Filtermauerwerk.

Schnitt mit Blick nach Süden © Grafik Stefan Forster Architekten

Auf gute Nachbarschaft

Stefan Forster Architekten planen Wohnräume mit der Haltung, dass eine harmonische Nachbarschaft nur in Abstufungen gut funktioniert und Öffentliches und Privates sorgsam gegeneinander abzuwägen sind. Die Wohnung wird als Rückzugsbereich betrachtet, dessen Privatheit es zu erhalten gilt.

Die Wohnungen im Stafgelgeschoss verfügen über eine teilüberdachte Dachterrasse © Foto: Lisa Farkas

Jede der Drei- und Vierzimmerwohnungen ist durchgesteckt, hat Ausblicke auf den Platz und in den mit den rückwärtigen Nachbarn gemeinsam genutzten Hof, die Zweizimmerwohnungen sind ins Quartier orientiert. In den Regelgeschossen bilden Loggien an der Schnittstelle vom Privaten ins Öffentliche einen wertvollen kleinen Schutzraum aus. In den im Staffelgeschoss liegenden Wohnungen gibt es beidseitig Dachterrassen. Die Hausgemeinschaft entsteht erst im halböffentlichen Raum, im gemeinsamen Hof, so sieht es das Konzept der Architekten vor. Die Quartiergemeinschaft trifft sich schließlich auf dem Platz – und den hat man ja aus dem Forster-Bau immer gut im Blick.

Uta Winterhager

1 Kommentar

Erinnert doch stark an den Siedlungsbau der 20ger Jahre – und das ist gut so. Ein paar schöne , handwerkliche Details und schon lebt so ein Bau. Wetten, der ist auch in 50 Jahren noch lebenswert ?!

Schreibe einen Kommentar