Macht Architektur glücklich?

In den JUNG architecture talks Podcasts sprechen Architektinnen über Beruf und Berufung

Architektur, die / Substantiv / feminin: Der deutschen Sprache nach ist die Architektur weiblich. Aber wie stark prägen Frauen das internationale Bauwesen tatsächlich? Gibt es eine speziell weibliche Architektur? Setzen Architektinnen und Innenarchitektinnen einen anderen Fokus als ihre männlichen Kollegen? Architektur und Bauwesen verändern sich in bislang nie dagewesenem Tempo. Neben dem technischen Fortschritt sind für diesen Wandel insbesondere auch die Veränderungen in unserer Gesellschaft verantwortlich. Neue Arbeits- und Familienformen ermöglichen eine zunehmende Flexibilität und Mobilität, so dass daraus neue Anforderungen an Bauten und urbane Gefüge entstehen. Aber auch an diejenigen, die diese bauliche Umwelt maßgeblich mitgestalten. Im Rahmen der JUNG architecture talks Podcast-Reihe sprechen mit Architekturschaffenden über ihre Motivation und ihren Antrieb gesprochen, darunter auch viele starke Frauen, die in Führungspositionen und eigenen Büros internationale Projekte realisieren.

„What Makes People Happy?“, fragt Benedetta Tagliabue, Mitgründerin des internationalen Architekturstudios Miralles Tagliabue EMBT mit Sitz in Barcelona und Shanghai. Im JUNG Podcast spricht sie darüber, wie Architektur die Gesellschaft und den einzelnen Menschen beeinflussen kann. Ihr geht es darum, als Planerin soziale Verantwortung zu übernehmen und durch ihre Architektur der Gesellschaft etwas zu geben. Eines ihrer Herzensprojekte ist die Fundació Kālida, ein Maggie’s Centre für Frauen mit Brustkrebserkrankung in Barcelona, das in Kooperation mit der befreundeten Innenarchitektin Patricia Urquiola realisiert wurde. Ein besonderes Projekt von Frauen für Frauen.

Barbara Schott ist Projektleiterin Bauen im Gesundheitswesen bei Heinle, Wischer und Partner. Auch sie spricht in ihrem Podcast „Bauen für die Gesundheit“ über ihre Leidenschaft, durch positive Architektur den Genesungsprozess der Menschen zu beschleunigen. Das Besondere an ihrer Arbeit ist für sie das Bauen in verschiedenen Maßstäben, vom urbanen Kontext bis zum kleinsten Detail. Dabei geht es ihr immer darum, zu verstehen, was die Sorgen und Nöte der Nutzer sind. Und diese Situationen dann durch eine möglichst gute Gestaltung zu verbessern.

Binke Lenhardt überschreitet Grenzen. Die Architektin leitet das Büro Crossboundaries in Peking und muss in jeglicher Hinsicht grenzüberschreitende Visionen in ihrer Architektur vereinen. Die Auseinandersetzung mit dem lokalen Kontext und seinen Traditionen ermöglicht es ihr, die Basis für das Experimentieren mit neuen technischen Verfahren und Materialien zu bereiten. Ressourcenfreundlichkeit und Nachhaltigkeit hat die Architektin dabei ebenso im Fokus wie die Qualität für die Nutzer. Binke Lenhardt geht es um weit mehr als interkulturelle Beziehungen.

„Beziehungen bauen“ ist auch das Thema von Monika Lepel von Lepel & Lepel – besonders in Zeiten sozialer und physischer Distanz. Im Podcast spricht die Innenarchitektin über die Herausforderung für Architekturschaffende, Abstand zu halten, ohne die menschliche Nähe zu verlieren. Wie viel Nähe und wie viel Distanz braucht der Mensch? Diese Auseinandersetzung fließt in ihre tägliche Arbeit bei der Gestaltung von Büroumgebungen, aber auch von Sakralbauten ein. Monika Lepel ist eine von 21 ausgewählten Architektinnen, deren Arbeit im Rahmen der Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf“ im letzten Jahr in Düsseldorf präsentiert wurde.

Shirin Brückner von Atelier Brückner spricht über Inspiration: „Der Input fehlt!“, bringt die Architektin die aktuelle Situation der Kreativszene in Zeiten der Pandemie auf den Punkt und stellt die berechtigte Frage, woher bei sozialer Isolation, geschlossenen Museen und mangelnden Reisemöglichkeiten die Inspiration für die tägliche Kreativleistung kommt. In ihrem Podcast „Zufälligkeit ist am inspirierendsten“ spricht sie sich für das Unerwartete, die Überraschung und das Momentum eines Augenblicks zufälliger Begegnungen aus. Wie könnenneue Formate und digitale Tools das Repertoire abseits der bekannten Wege bereichern? Shirin Brückner hinterfragt den Statusquo und sucht nach neuen Wegen und Businessmodellen.

Mehr Inspiration für Architektinnen –  und natürlich auch Architekten: Vom 21. April bis 18. Juli 2021 ist im Stadtmuseum Düsseldorf die Ausstellung Düsseldorferinnen bauen geplant. In Kooperation mit dem BDA Düsseldorf werden ortsansässige Architektinnen im Architekturzentrum ihre Arbeiten präsentieren. Darunter auch die Innenarchitektin Andrea Weitz von Raumkontor, die für JUNG das innovative Ausstellungskonzept Chromatic entwickelt hat. Inspiration verspricht ebenso vom 1. Juni bis 1. Juli 2021 das Festival Women in Architecture Berlin. JUNG freut sich, als Unterstützer des Festivals dazu beitragen zu können, dass der Einfluss von Architektinnen wahrgenommen wird und nicht beim Gendersternchen aufhört.

1 Kommentar

Als Dipl.-Ing.(FH) Architektur Hochbau aus NRW im öffentlichen Dienst in Bayern wurde und werde ich permanent am Aufstieg gehindert, unterbezahlt, unter Qualifikation eingesetzt und diskrimminiert auf Grund meiner Herkunft und meiner „kreativen, denn anderen Sichtweise“. Aber auch in NRW als Mitarbeiterin in Planungsbüros war die Akzeptanz meiner Person und Frau fatal und alles andere als existenzsichernd. Nachdem mein Sohn geboren wurde ging die Karriere leider vollends „den Bach runter“.
Fachliche Ambitionen durch Selbstbehauptung und Engagement die gebaute Umwelt durch qualitätvolle und kreative Arbeit positiv zu verändern vermögen jedem noch so empathischen Menschen in dieser Situation nicht sinnstiftend und vor allem lebensnotwendig. Im Gegenteil häufig werden Frauen seitens des Personalmanagement gezielt gegeneinander ausgespielt, womit jegliche Solidarität und Motivation verloren geht.
Da gilt es die ganz eigene persönliche Situation zu beleuchten, berufliche Ziele neu zu definieren und Konsequenzen zu ziehen. Wertschätzung der Person von beruflichen Zielen abzukoppeln.
Zukunft ist überschaubau. Ohne Vergangenheit keine Zukunft.

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