Bemühen um die Mühlen

Kompromiss für Denkmalschutz und Gestaltungsspielräume im Deutzer Hafen

Die ersten Baufelder, die im Deutzer Hafen vergeben werden, sollen die der Mühlen sein, ein entsprechendes Konzeptausschreibungsverfahren ist in Vorbereitung. Das Mühlengelände nimmt im Entwicklungsprozess des Hafens aber eine Sonderstellung ein, da es das einzige Grundstück mit zu erhaltenden Bestandsgebäuden ist, doch bisher war noch nicht final abgestimmt, in welchem Umfang Denkmalschutzauflagen für die Mühlen zum Tragen kommen. Nach einer Klage von moderne stadt gegen die Eintragung der Mühlen als Denkmal haben sich die Stadtentwicklungsgesellschaft und der Stadtkonservator der Stadt Köln Dr. Thomas Werner zur Revitalisierung der Mühlen im Deutzer Hafen auf einen Kompromiss verständigt: Die Interessen des Denkmalschutzes am Erhalt der schützenswerten Bausubstanz und der für eine wirtschaftliche Nutzung der Immobilien erforderliche Gestaltungsspielraum wurden in Einklang gebracht. Auf Grundlage einer gemeinsamen Vereinbarung hat moderne stadt ihre im Jahr 2019 beim Verwaltungsgericht Köln eingereichte Klage gegen die vorangegangene Unterschutzstellung eines Großteils der Gebäudesubstanz zurücknehmen können. Der Stadtkonservator bestätigt: „Die denkmalrechtliche Zusicherung mit Blick auf den zukünftigen baulichen Umgang mit dem Mühlenensemble bietet eine verlässliche und konstruktive Grundlage für die kommenden Projektentwicklung.“  Durch die Rücknahme der Klage durch moderne stadt ist die Eintragung der Mühle als Denkmal rechtswirksam.

„Es war stets unser gemeinsames Ziel, die städtebauliche Figur und den Charakter des Gesamtensembles der Mühlen zu bewahren“, erklärt Andreas Röhrig, Geschäftsführer der moderne stadt. „Allerdings müssen wir auch wirtschaftlich zumutbare Rahmenbedingungen schaffen, um Investoren für die langfristige Realisierung des Projektes zu gewinnen.“

Die stadtbildprägenden Gebäude und Getreidesilos von Ell- und Auermühle bilden das Herz des Entwicklungsprojektes Deutzer Hafen Köln. Ihre zwischen 1910 und den Sechzigerjahren errichteten großen Baukörper bestimmen den maritim-industriellen Charakter des künftigen Quartiers am Hafen. Nachdem zunächst 90 Prozent des Mühlenareals – darunter zahlreiche Silos – unter Denkmalschutz gestellt worden waren, schien die geplante Nutzung der Bauten, unter anderem für neue Wohnungen, gefährdet. Im Rahmen der außergerichtlichen Einigung hat die untere Denkmalbehörde nun anerkannt, dass sechs der Silos umgenutzt werden müssen, um eine sinnvolle Aufteilung zu ermöglichen. Bis auf denkmalrelevante Bauteile dürfen die Gebäude im Inneren neu beplant werden. Auch Öffnungen in der Außenhaut werden für erlaubnisfähig gehalten. Maßgeblich ist jedoch der Erhalt oder die Wiederherstellung des größtmöglichen Teils der Fassaden, um das markante Erscheinungsbild des Komplexes sichtbar zu erhalten. auch das Aurora Logo erhalten bleiben. Der in den 50er und 60er Jahren entstandene Mitteltrakt wird abgerissen, so dass es wieder eine „weiße“ und eine „rote“ Mühle geben wird.

red|uw

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