Neues von der BAN

Baustellenbesuch in der Bildungslandschaft von gernot schulz : architektur kurz vor fertig: es wird bunt – auch innen!

Vor gut einem Jahr haben wir zuletzt von der Bildungslandschaft Altstadt Nord (gernot schulz : architektur) berichtet. Damals hieß es noch, der Schulbetrieb werde nach den Sommerferien beginnen. Doch auch in diesem Jahr treffen wir in der BAN noch keine Kinder und Jugendlichen an, sondern vereinzelte Handwerker. Und das ist in diesem Fall nicht coronabedingt. Vorischtig spekuliert man nun wieder auf einen Schulbeginn nach den Sommerferien.

Und trotz der Verzögerung hat sich vieles hier getan, so dass das, was lange nur These oder Theorie war, nun schon deutlich ablesbar ist.

Ansicht von der Kyotostraße, links die Erweiterung der Grundschule, rechts der Eingang ins Studienhaus © Foto Uta Winterhager

Die hohe Dichte des Kernbereichs und die aus unregelmäßigen Fünfecken zusammengesetzen Grundrisse der Neubauten erzeugen ein städtisches Gefüge ohne Enge. Die Gebäude erscheinen einander zugewandt, dazwischen gibt es immer wieder überraschende Perspektiven und Blickachsen.

Durchblicke und Einblicke gehören zum Prgramm der BAN © Foto: Uta Winterhager

Zwischen den Häusern wurden nach Planungen von Topotek1 japanische Schnurbäume geplanzt, der Wilde Wein an den Fassaden macht den Wechsel der Jahreszeiten sichtbar, Grün im Sommer, Rot im September, im Winter sind die Ästchen auf dem Klinker fast unsichtbar, das Wieder-Auftauchen im nächsten Frühjahr ist aber sicher.

Heute ist der Asphalt im Kerngebiet noch einheitlich dunkel, geplant ist, die öffentlichen Bereiche mit einer hellen Sand-Beschichtung zu kennzeichnen. Die den Schulen zugewiesenen, nach Außen orientierten Bereiche werden dunkel bleiben.

Die charakteristischen Elemente der Fassade wiederholen sich in variabler Ordnung an den Neubauten. Der warm-graue Klinker erzeugt in der Fläche ein homogenes aber lebendiges Bild. Auffällig sind die Lüftungs-Fenster mit den Holzflügeln, in denen nur ein kleiner Glaseinsatz sitzt. Die großen quadratischen Fenster sitzen dort, wo sie im Inneren gebraucht werden, so entsteht eine zwanglose Ordnung in der Ansicht. Die farbigen Sonnenschutzrollos geben erste HInweise auf die farbige Gestaltung der Innenräume.

Die Kita Fröbelbande

Die Kita wird über den Gereonswall erschlossen. Eine Kette aus fünf hintereinandergestellten Fünfecken bildet den Grundriss des zweigeschossigen Gebäudes, das die dem Park zugewandte Spielfläche wie eine Spange fasst. Als Erweiterung der Freiflächen wurden die Dächer der eingeschossigen Kopfbauten zu Spielterrassen ausgebaut, von denen eine Teppe direkt in den Garten führt. Zum Schutz der Kinder trennt ein Zaun die Freiflächen der Kita vom Park, eine Sichtbeziehung besteht dennoch.

Auch die vier Gruppenbereiche hier sind als dynamische Raumfolgen konzipiert, rechte Winkel gibt es nur dort, wo Bäder, WCs oder Aufzüge eingestellt wurden. Verstehen muss man den Plan nicht, wer den Weg zurück in die Gruppe sucht, folgt ihrer Farbe.

Viele durchdachte Details sind schon eingebaut, die niedrige Kinderküche in den zentralen Raum, um den sich jeweils eine Gruppe organisiert. Oder die aus dem Schrank herausziehbare Treppe, über die dei Kinder selbst zum Abduschen auf die Arbeitsplatte steigen können.

Célestin-Freinet Grundschule

Die Grundschule wird über den Altbau erschlossen © Foto: Uta Winterhager

Karl Hell, Architekt des denkmalgeschützten Grundschulgebäudes, hatte schon Ende der Fünfziger Jahre mit einer an den Kindern orientierten Maßstäblichkeit, Materialwahl und Detaillierung reformierten Schulbau betrieben, so dass sich die multifunktionale Aula/Eingangshalle und der schmetterlingsflügelartig angeschlossene Klassentrakt überraschend leicht den Ansprüchen der pädagogischen Architektur der Célestin-Freinet-Grundschule anpassen und mit einer fünfeckigen Erweiterung fortschreiben ließen.

Die Schulen des Verbands haben den Frontalunterricht im Klassenverband weitgehend durch aktives und selbständiges Lernen im Cluster ersetzt. Die dadurch erzeugte Dynamik erfordert flexible Raumkonstellationen und verschleift die Grenzen zwischen Unterrichts- und Aufenthaltsbereichen.

Während die Außenwände Innen Sichtbeton und hölzerne Fesnterrahmen zeigen, wurden alle Trockenbauwände, die daran sitzenden Einbaumöbel und Fensterrahmen farbig gestrichen. Sechs Faben haben die Architekten für die Gestaltung der Innenräume ausgewählt und haben sich dabei an der Farbklaviatur von Le Corbusier orientiert. Die beiden von ihnen bestimmten Blautöne fanden sich zur Freude der Denkmalpflege auch unter mehreren Farbschichten im Altbau wieder. Hellgrün und Dunkelgrün, sowie Orange und Brombeer kamen neu hinzu.

Der großzügige und durch die Glastür einsehbare Flurbereich wird in den Unterricht miteinbezogen. So wie die Räume nie nur eine Möglichkeit der Nutzung bieten, dienen auch die Schranktüren mit ihrer Oberfläche dem Schallschutz, gleichzeitig können sie als Pinnwände zum Beispiel zum Aufhängen von Bildern aus dem Kunstunterricht genutzt werden. Im Altbau der Grundschule konnte der originale Holzfußboden erhalten werden. Wo einmal Wände standen und nun Glastüren zwei Räume koppeln, wurde passgenau ergänzt. Die überall in den Gebäuden angebrachten schwarzen Fußleisten dienen der Orientierung im Sinne der Barrierefreiheit. Wie die schwarzen Raumnummern erleichter der größtmögliche Konstrast zur Hintergrundfarbe die Lesbarkeit.

Realschule am Rhein

Die viergeschossige Realschule am Rhein besteht im Plan aus drei Fünfecken, die das große Volumen kleinteiliger erscheinen lassen. Der mittlere Baukörper öffnet sich sowohl auf den Campus als auch auf den Klingelpützpark, der Raum dazwischen macht als Pausenhalle/Auditorium mit einer breiten Treppe viele Nutzungen denkbar.

In den Etagen darüber sind die Lern- und Unterrichtsräume jahrgangsweise zu einer (farblich) identifizierbaren Einheit zusammenfasst. Sämtliche räumlichen Voraussetzungen für die unterschiedlichen Lernformen werden darin erfüllt. Besondere Cluster werden jeweils für Musik, Kunst oder Naturwissenschaften gebildet. Die Lehrküche im Erdgeschoss wird außerhalb der Schulzeit möglichweise auch von Externen für Kursangebote nutzbar sein.

Studienhaus

Die BAN versteht sich als Lebensraum, in dem die Schüler sich frei bewegen, Anlaufstellen für alle sind Mensa an der nordwestlichen Ecke des Parks und das zentral platzierte Studienhaus, dessen fünf Fronten im dichten Gefüge immer wieder einen point de vue bilden. Im EG und im 1. OG liegt die zentrale Bibliothek mit Selbstlernzentrum, die Bücher und Digitales anbietet und mit vielfältigen offenen Bereichen zum Recherchieren, Studieren und Debattieren ausgestaltet ist. Eine großzügige Treppe mit hölzernen Sitzstufen verbindet die beiden Etagen, die darunter liegende fünfeckige Sitznische schafft einen eigenen offenen Bereich für die kleineren Kinder.

2. Obergeschoss im Studienhaus © Foto: Uta Winterhager

Das 2. Obergeschoss kann im Ganzen genutzt oder temporär in Seminar- und Prüfungsräume unterteilt werden. Es überrascht, wie großzügig die Räume, wie vielfältig die möglichen Nutzungen sind, und wie wenig Wände es brauchte, um sie zu gliedern.

Es sind die Perspektiven, die Ein- und Ausblicke, die die Konstallation der Gebäude so reizvoll machen. Jeder hat jeden im Blick. © Foto: Uta Winterhager

Diese Fotostecke ist nur als Dokumentation eines Zwischenstandes zu verstehen. Wir freuen uns schon darauf, wenn wir über die fertige Bildungslandschaft berichten können – wir bleiben dran!

Uta Winterhager

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