Skulptur von Wolf Vostell am Hohenzollernring © Barbara Schlei

Die Künstler Uschi Huber und Boris Sieverts thematisieren das Betonauto von Vostell

Im Rahmen der Initiative ‚StadtLabor‘ nahmen sich die beiden Künstler der Kölner Ringe an und stellten im Rahmen einer städtischen Intervention vergangenen Samstag die Skulptur von Wolf Vostell aus dem Jahr 1969 in den Mittelpunkt: ein einbetonierter Opel Kapitän, der seit Jahren eine Verkehrsinsel auf dem Hohenzollernring ziert und allmählich eine nie endende Diskussion entfacht: wieviel darf Kunst, wieviel darf sie kosten und was muss eine Stadt für Kunst in Kauf nehmen?

Der Betonklotz besetzte 1969 zwei Parkplätze in der Domstraße, doch nach kurzer Zeit machte das Ordnungsamt der Stadt Köln einen Strich durch die Rechnung von Künstler Vostell. Viele Jahre stand es vor dem Josef- Haubrich-Forum und wurde als Plakatwand genutzt, bis es dem Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums weichen musste. Seitdem kamen viele Standorte für die Skulptur ins Gespräch. 50 Jahre ist dies mittlerweile her. Angesichts der Debatten um Dieselfahrverbote, Tempolimits, Pilotprojekten mit Fahrradspuren in Köln und einer drohenden Klimakatastrophe ist es erstaunlich wie weitsichtig Vostell bereits Ende der autoaffinen 60er-Jahre seine Intervention gewählt hat – und welchen schmerzlichen Nerv er getroffen hat.

Live-Übertragung der unterschiedlichen Standorte im Durchgang des Museum Ludwig © Nathalie Gozdziak

Die beiden Künstler Sieverts und Huber haben im Auftrag der vom Kunstbeirat und Kulturdezernat 2012 ins Leben gerufenen Initiative StadtLabor eine ganze Reihe von künstlerischen Beiträgen geschaffen, um auf das Kunstwerk und die darum rankende Debatte aufmerksam zu machen. Die verschiedenen Orte, die zu seiner Zeit als Standort zur Debatte standen, wurden mittels Video-Liveschaltung in die öffentlich zugängliche Passage des Museum Ludwig übertragen. Die Dokumente, Schriftstücke und Briefe, die die Künstler aus dem Archiv des Museums herausgesucht haben, wurden beim Umblättern und Vorlesen gefilmt. An den unterschiedlichen Standorten lasen Schauspieler vor Publikum Passagen aus dem Archiv vor. Bei Sekt und Orangensaft konnte man sich die Zitate auf der Zunge zergehen lassen.

Die Künstler Uschi Huber und Boris Sieverts © Nathalie Gozdziak

„Für Vostell war es wichtig, dass der ruhende Verkehr auf einem Parkplatz steht. Das sehen wir genau so. Wir haben das aus Gesprächen rausgehört, dass viele Menschen nicht mehr wissen, was das eigentlich ist, weil dieser Betonklotz auf einer Verkehrsinsel steht und gar nicht wie ein Auto aussieht. Die Skulptur als Blockade geht völlig verloren. Es ist ein Automobil und soll als Kunst einen öffentlichen Raum besetzen, der eigentlich ein Funktionsraum ist.“ erläutert Künstlerin Uschi Huber die Intention des Künstlers. Ob die Kunst auf Gegenwind stoße, sobald sie die gut behüteten vier Wände des Museums verlässt? „Es gibt in Köln einen guten Willen für Kunstwerke im öffentlichen Raum, aber die Prioritäten liegen zum Teil falsch. Es gibt in Köln intern verschiedene Ebenen, das Ordnungsamt und die Bezirksvertretung und die müssen besser koordiniert werden. Laut Kulturplan der Stadt Köln soll Kunst im öffentlichen Raum nun einen höheren Stellenwert bekommen.“

Live Übertragung ins Museum © Foto Nathalie Gozdziak

Stellt man sich an den Hohenzollernring und betrachtet das betonierte Auto, so muss man Uschi Huber Recht geben. So wie sich das Kunstwerk aktuell präsentiert, ist es kaum erkennbar, denn die Menschen laufen daran vorbei ohne Notiz zu nehmen. Die provozierende Funktion der Blockade geht verloren und selbst versierte Kunstliebhaber und Liebhaber der Stadt Köln kennen das Kunstwerk nicht einmal. Nicht mal ein Schild oder eine Beschriftung deuten auf den Hintergrund des Betonblocks hin.
Aber was wäre der ideale Parkplatz für die Skulptur? „Der ideale Parkplatz wäre einer, der bewirtschaftet wird und für den man somit bezahlen muss, denn so war das Kunstwerk gedacht. Es soll stören und das war auch von Anfang an die Idee. Offensichtlich stört ein betonüberzogenes Auto die Leute viel mehr als ein Blechauto, von denen wir Tausende in der Stadt haben.“ plädiert Rita Kersting.

Stellvertretende Museumsdirektorin des Museums Ludwig Rita Kerstin © Nathalie Gozdziak

Das Aufeinandertreffen von Kunst und Öffentlichkeit, Künstlern und Unorten scheint in Köln Konjunktur zu haben. Bereits Ende vergangenen Jahres wurde ein mehrtägiger Workshop von der Künstlergruppe BOUTIQUE zum Ebertplatz veranstaltet. Die Scheinwerfer richten sich immer häufiger auf die städtebaulichen Außenseiter und wer weiß, welche Visionen und Ideen dies in Zukunft noch aufwerfen wird – endlich mal ruhender Verkehr wäre ein guter Anfang.

von Nathalie Gozdziak

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