v. links oben n. rechts unten: Peter Berner ©ASTOC/C.Lachenmaier, Almut Skrivers ©Nicole Compère, Dr. Hanna Hinrichs ©Sebastian Becker und Andreas Röhrig ©moderne stadt

Das Architektur Forum Rheinland schaut zurück auf 2018

Peter Berner hat keine leichte Aufgabe. Der Architekt und Vorsitzende des Architektur Forums Rheinland AFR hat eine halbe Stunde Zeit das vergangene Jahr, in dem das das Forum regelmäßige Vortragsabende zum Thema der Bürgerstadt veranstaltet hat, Revue passieren zu lassen. Wie begegnet man sozialer und gestalterischer Beliebigkeit, wie erhält sich eine Stadt ihre Identität und wie können Entwicklungsmöglichkeiten einer Stadt von einer breiten Gemeinde getragen werden?

Die Baubranche sei – entgegen der landläufigen Annahme – weitaus kräftiger und voluminöser als die Automobilbranche. Bauen im Bestand werde die Zukunft der Stadt bestimmen. Gesunde Mischungen der Nutzer und Bauformen sei erstrebenswert. Lebendige Quartiere würden großes Potenzial für Vielfalt bieten. Es sind zahlreiche Thesen, die während der vielen interessanten Vorträge von den unterschiedlichen Rednern im Jahr 2018 aufgestellt wurden. 

Werkzeuge der Vielfalt

Im Anschluss des Resumés lud Jürgen Keimer, Kurator des AFR Köln, zu einer Podiumsdiskussion ein, die mit der Frage startete, ob es Werkzeuge für die Erzeugung von Vielfalt vor der Vergabe gäbe. Almut Skriver vom Haus der Architektur Köln betonte, dass der Umgang mit dem Bestand und ungewohnte Umnutzungen ein hohes Potenzial für Identitätsstiftung und Vielfalt bieten. Andreas Röhrig, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft ‚moderne stadt‘, kritisierte gleich zu Beginn die Entwicklungen im Mülheimer Süden, wo ein Höchstpreisverfahren an die Bieter nur sehr bedingt eine Mischung hervorbringen könne. Eine gewinnbringende Alternative zum Bieterverfahren sei die Konzeptvergabe, bei der anhand einer Bewertungsmatrix Grundstücke an Bewerber vergeben werden.

Eine gesunde Mischung

Doch wie steht es um die Sicherung einer gesunden Mischung und Balance, wie Röhrig sie sich wünscht? Peter Berner empfindet das Planen für mehrere Nutzer statt für einen großen Investor als anstrengender, aber deutlich gewinnbringender. Natürlich biete die Bündelung von Infrastrukturen planerisch eine höhere Effizienz und Vereinfachung, aber die Entstehung einer groben Stadtkörnung sei gefährlich.

Der Deutzer Hafen wurde zum Angelpunkt der Diskussion hinsichtlich Steuerung der Nutzung und Mischung. Die ‚moderne stadt’ als Besitzer der Grundstücke erlaubt ein Verbleiben der aktuellen Nutzer bis Ende 2020, anschließend folgen Konzeptvergaben mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Gute Beispiele seien der Hamburger Hafen, ein weniger gutes Bespiel der Düsseldorfer Medienhafen.

Neuplanung als Chance

Ob die Parkstadt Süd auch von ‚moderne stadt’ gemanagt werden wird? Auf diese Frage konnte Markus Greitemann, Dezernent für Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt Köln, leider noch keine offizielle Antwort geben, aber er persönlich würde dies sehr begrüßen. Sein Auftritt war gekennzeichnet von Diplomatie und Bescheidenheit und ein breitspuriges Auftreten scheint ihm fern zu sein. Viel lieber betonte er die gründliche und noch andauernde Einarbeitung in sein Amt als neuer Baudezernent Kölns.

Dr. Hanna Hinrichs, Geschäftsführerin der StadtBauKultur NRW, betonte hinsichtlich des Projekt Deutzer Hafen das enorme Potenzial, den ein neu zu planendes Gebiet hinsichtlich der Erdgeschossnutzung habe, denn eine Beeinflussung im Bestand wie es im Ruhrgebiet häufig der Fall ist sei wesentlich schwieriger. 

Ausblick in die Zukunft

Hoffnung schöpfen die Podiumsbeteiligten aus dem im Mai 2018 vom Rat beschlossenen Vorverkaufsrecht der Stadt Köln bei Grundstücksverkäufen. Nach einem Jahresrückblick 2018 blickt Greitemann zuversichtlich in die Zukunft, denn er visiert Ende 2019 einen Masterplan zur Stadtstrategie für die ganze Stadt Köln an, bei dem Klima und Verkehr eine wichtige Rolle spielen sollen. Das Projekt findet im Rahmen der Kölner Perspektiven 2030 statt, die von Oberbürgermeisterin Henriette Reker ins Leben gerufen wurden.

 

von Nathalie Gozdziak

 

Logo AFR © Architektur Forum Rheinland e.V.

 

 

 

 

 

 

 

Veranstaltungen des AFR 2019

04. Februar 2019, 19.30 Uhr Domforum – Henne oder Ei? Koch oder Kellner?

11. März 2019, 19.30 Uhr Domforum – Wo der Handel endet

01. April 2019, 19.30 Uhr Domforum – Regeln und Konzepte für Handel und Stadt

6. Mai 2019, 19.30 Uhr Domforum – Einkaufscenter und Stadt

 

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