Besucher bestaunen die rätselhafte Installation von Susanna Schoenberg © Nathalie Gozdziak

Die Kunststation St. Peter zeigt eine Ausstellung der Medienkünstlerin Susanna Schoenberg.

Aus der Sakristei ist ein unregelmäßiges Klicken zu hören. Leichtes Unbehagen wird in mir ausgelöst, denn es erinnert mich an kalte, unpersönliche Messinstrumente und irgendwie macht es mich nervös. Vielleicht ist der Grund, dass ich schon beim Betreten der Kunststation St. Peter weiß welche Untersuchungen der Künstlerin Susanna Schoenberg zugrunde liegen als ich die Eröffnung ihrer Ausstellung besuche.
Kuratorin Anne Mager, Dr. Guido Schlimbach und Pater Stephan Kessler eröffnen feierlich gleich drei künstlerische Arbeiten an einem kalten Sonntagabend in der Kunststation St. Peter, eine Installation und eine Videoarbeit von Susanna Schoenberg und eine Skulptur aus Cortenstahl von James Reineking.
Von der Geräuschkulisse magisch angezogen betrachte ich die Installation als Erstes. Beim Betreten der Installation, die einige Stufen tiefer liegt als der Kirchenraum, fällt mir zunächst das schlichte und doch imposante Taufbecken auf. Erst auf den zweiten Blick entdecke ich Spiegel mit kryptischen Linien, die eingraviert sind. Alles sehr mysteriös und weil ich es nicht direkt verstehe, umso reizvoller. Was ist das Geheimnis hinter dieser Arbeit?

 

Feine Linien und leises Klicken deuten eine unsichtbare Grenze auf dem Meer an. © Nathalie Gozdziak

 

Die Installation in der Sakristei von Schoenberg mit dem Titel ‚Monitoring Outlines‘ ist eine Aufarbeitung ihrer Untersuchungen, die sie 2014 im Rahmen einer Begleitung der Küstenwache im Mittelmeerraum gesammelt hat. Das unregelmäßige, hörbare Klicken basiert auf Daten von nichtautorisierten Grenzübertritten im Bereich der europäischen Seegrenzen bei Spanien, Italien und Griechenland. Jedes Klicken ein Grenzübertritt. Ob es eine politische Arbeit sei, die sich mit der Flüchtlingskrise in Europa auseinandersetzt? ‚Mit Flüchtlingen hat das nichts zu tun. Ich liefere ein Bild von einer Sache, die man nicht sehen kann. Wo ist die Grenze im Meer zwischen Afrika und Europa? Diese Grenze ist nicht ohne Weiteres sichtbar.’ Auf die Frage einer Besucherin was die Künstlerin mit ihrer Ausstellung sagen möchte, stellt Schoenberg klar: ‚Mir geht es in meiner Arbeit nicht darum etwas zu sagen, sondern auf etwas zu zeigen, ein Bild zu erzeugen.‘ Einen Zeitraum von acht Monaten von Januar bis August 2018 hat die Künstlerin auf einen Zeitraum von knapp einer Stunde komprimiert. Das Klicken im Januar sei spärlich, zum Sommer hin verdichten sich die akustischen Signale. Die Konturen, die auf den Spiegeln eingraviert sind, streben eine Visualisierung des Grenzverlaufs in verschiedenen Regionen Südeuropas an. Jeder Spiegel repräsentiert eine Region.

 

 

Parallel dazu wird eine konkreter werdende Videoarbeit der Medienkünstlerin mit dem Titel ‚Monitoring Seaborders’ gezeigt, die Einblicke in die Arbeit eines Kontrollraums der spanischen Küstenwache gewährt. Zu sehen sind abwechselnd zwei Monitore, auf denen über Radar und Satellit der Grenzraum im Mittelmeer kontrolliert wird und der Blick aus dem Fenster eines Grenzpatrouillenschiffs. Stimmen im Hintergrund kommunizieren und tauschen sich aus. Die Übersetzungen irritieren – reden die Stimmen über Objekte oder Menschen?. Die in Faenza gebürtige Künstlerin, die heute in Köln lebt und arbeitet, erläutert ihre Intention einer maximal formalen Wiedergabe dessen, was sie dokumentieren durfte. ‚Das Schöne an ihrer Arbeit ist, dass sie nicht bewertet, nicht romantisiert und nicht dramatisiert. Der Betrachter kann sich selbst ein Bild zum Thema der Grenze machen und was er in diesen Begriff hinein interpretieren möchte.’ lobt Kuratorin Anne Mager die Ausstellung.

 

Pater Stephan Kessler und die Skulptur ‚Double Mass Displacement‘ von James Reineking © Nathalie Gozdziak

 

Und die geometrische Skulptur aus Kortenstahl auf dem Boden der St. Peter Kunststation? Auch hierzu gibt es eine Vorgeschichte. Stammbesuchern der Kunststation dürfte aufgefallen sein, dass der Altar von Eduardo Chillida fehlt. Als Leihgabe wurde der Altar dem Museum Wiesbaden für eine Ausstellung über den bedeutendsten Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Verfügung gestellt. Kein Sorge also, der Altar kommt zurück. ‚Ich habe mir nicht nehmen lassen zu fragen, was wir als Kirche denn im Gegenzug zu der Leihgabe vom Museum Wiesbaden bekommen würden.‘ Pater Stephan Kessler grinst verschmitzt und deutet auf die Skulptur mit dem Titel ‚Double Mass Displacement‘ von James Reineking. Die beiden Teile stellen jeweils ein Segment eines Kreises dar, der insgesamt im Durchmesser 2 Meter misst. Durch die Anordnung der beiden Teile vervollständigt sich das Bild eines Quaders und eines Kreises in der Vorstellungskraft des Betrachters.

 

Videoarbeit ‚Monitoring Seaborders‘ © Nathalie Gozdziak

 

 

Eins ist deutlich sichtbar: die Kunststation St. Peter hat für alle drei Projekte wunderbar geeignete Räume. Zwar seien aus Sicht der Künstler Kirchen auf Grund ihrer sakralen Aura manchmal etwas schwierig, doch die Räume in St. Peter bieten heterogene Raumsituationen. Ob weite, hohe Räume, dunkle Kammern für Filme oder den beckenartigen Raum der Sakristei – es gibt viele Möglichkeiten die Flächen zu bespielen.

Die Ausstellung von Susanne Schoenberg ist noch bis zum 6. Januar 2019 zu sehen und die Skulptur von James Reinking kann man noch bis zum 24. Februar 2019 auf sich wirken lassen.

Wer außerdem neugierig ist, was es sonst noch in der Kunststation zu sehen und vor allem zu hören gibt, dem sei der Veranstaltungskalender der Kunststation St. Peter empfohlen. Für Freunde der neuen Musik oder Neugierige empfehle ich die wöchentlichen Lunch-Konzerte Samstags um 13 Uhr – eine kulturelle Abwechslung zum Konsumtempel am Neumarkt ist es allemal und der Eintritt ist kostenlos, um Spende wird gebeten.

 

von Nathalie Gozdziak

 

Die Ausstellung ‚Monitoring Outlines‘ der Medienkünstlerin Susanna Schoenberg ist vom 25. November 2018 — 6. Januar 2019, 

die Skulptur ‚Double Mass Displacement‘ von James Reineking ist vom 25. November 2018 – 24. Februar 2019 in der Kunststation Sankt Peter Köln zu sehen. 

 

Programm zur Ausstellung

So, 16. Dezember 2018 // 13.15 Uhr // Werkgespräch
mit Guido Schlimbach

So, 6. Januar 2019 // 13.15 Uhr // Finissage
mit Künstlergespräch von P. Stephan C. Kessler mit Susanna Schoenberg

 

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