Beverly, Carlton & Co

Eine Ausstellung über ‚Ettore Sottsass & Associati‘ im Museum für Angewandte Kunst.

Mit Valentine, der knallroten Reiseschreibmaschine, die Ettore Sottsass 1968 für Olivetti entwarf gelang ihm ein Designklassiker und gleichzeitig das poppig, emotionale Statement eines neuen Designverständnisses. Seither löst er Gestaltungsfragen mit Ironie und Emotion jenseits des funktionalistischen Dogmas und bemächtigt sich dabei virtuos aller Sparten der Formgebung.

Das dem Einfallsreichtum des Italieners dabei keine Grenzen gesetzt sind, zeigt die Ausstellung „Ettore Sottsass & Associati“ im Kölner Museum für Angewandte Kunst. Sie verschafft einen Überblick über 50 Jahre Entwurfs- und Gestaltungstätigkeit. Ettore Sottsass gehört zu den einflussreichsten Protagonisten des italienischen Design im 20. Jahrhundert. Nach einer erfolgreichen Karriere als Industriedesigner für die legendäre Gruppe Memphis gründete er 1980 das Studio Sottsass Associati, dessen Arbeitsfelder vom Interior Design über das Industriedesign bis hin zum Kommunikationsdesign und zur Architektur reichen.

Mit 26 bekannten und unbekannten Architekturprojekten, vorgestellt in Modellen, Fotografien und Zeichnungen, bespielt der thematische Rundgang das Haus von Rudolf Schwarz. Daneben sind Prototypen früherer Fiberglasmöbel von Poltronova aus dem Jahr 1970 und produktreife Möbel aus den Alchimia- und Memphis-Kollektionen zu sehen. Zahlreiche Objekte aus den vergangenen zehn Jahren und Originalzeichnungen aus dem Archiv des Designers runden das Bild ab. Dazwischen verdeutlichen Portraits der Mitarbeiter, unter ihnen Namen wie Mendini, de Lucchi, oder Thun, sowohl in privaten wie auch in geschäftlichen Situationen, die menschliche Dimension eines international tätigen Designbüros.

Im Foyer begrüßt eine Vitrine mit „barilla“ Produkten, der Hauptsponsor der Ausstellung, den Besucher und symbolisiert damit den Grundstein der Designphilosophie von Ettore Sottzass. Die Suche nach dem Sinn der „emotionalen Funktion der Dinge“, ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Schau zieht. …“für mich ist Design eine Art und Weise das Leben zu diskutieren, soziale Beziehungen, die Politik, das Essen und sogar das Design selbst.“ (Sottsass über Memphis)

Vom einfachen Ferienhaus bis zur multifunktionalen „Central Court“ einer shoppingmall, vom japanischen Einfamilienhaus bis zur Moskauer Möbelfabrik fast immer in grellbunter Farb- und Formenwahl, wird der Bogen über Kulturen und Stile hinweg gespannt. Anders als bei den Objektentwürfen vermisst man bei den meisten seiner Architekturentwürfe jedoch die Dreidimensionalität. Ansichten komponiert wie ein Gemälde bleiben im gebauten Maßstab 1:1 seltsam plakativ. Trotz der unverkennbar italienischen Zeichensprache eines Giorgio Grassis oder Aldo Rossis.

Von weitreichenderer Eigenständigkeit zeugen die Möbel und Objektentwürfe. Wie etwa das bekannte Regal „Carlton“, mehr Objekt als Gebrauchsgegenstand oder die „Mobili Grigi“, die grauen Möbel, bei denen Sottsass zum ersten Mal Fieberglas einsetzte und mit grellfarbigen leuchtenden Neonröhren kombinierte. Hier wird die Abkehr des Dogmas der Funktionalität, in der Verwendung von Form- und Materialmix, ebenso sichtbar wie die neu erlangte Verbindung zur Popkultur. Jedoch auch mit dem Ziel der Provokation stellten Gruppen wie Alchima oder Memphis den Funktionalismus generell in Frage. Mit nach Herzenslust dekorierten und applizierten Formen und Oberflächen wurde in den achtziger Jahren die Tür des europäischen Postmodernismus aufgestoßen. Entstanden sind Objekte ganz fest in dieser Zeit verankert. Insofern markiert die Ausstellung auch das Ende einer langen Diskussion. bs

Die Ausstellung „Ettore Sottsass & Associati“ läuft noch bis zum 25. Mai im Museum für Angewandte Kunst in Köln

(An der Rechtschule, 50667 Köln, 0221-22 12/67 14)

Parallel zur Ausstellung zeigt das Istituto Italiano di Cultura 45 s/w-Fotos von Ettore Sottsass, bis 14 März 2003. Sottsass dokumentiert anhand seiner Fotos architektonische Details, Innenräume, Porträts und Szenen aus dem täglichen Leben im Süden Italiens, den Äolischen Inseln, Sizilien, Neapel und auch aus anderen Ländern des Mittelmeeres wie Griechenland und der Türkei.

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