Neues Informationszentrum für Baukultur

Mit dem Neubau für die Architektenkammer NRW präsentiert sich die Architektur gewissermaßen selbst.

Das „Haus der Architekten“, als neues Domizil der Architektenkammer NRW, präsentiert sich selbst als „open house“ mit Doppelfunktionen: als Kommunikations- und Administrationgebäude konzipiert, soll es nach außen und nach innen Architektur vermitteln. Der zu Jahresbeginn fertig gestellte und bereits bezogene siebengeschossige Solitär ist ein Entwurf des Darmstädter Architektenteams werk.um.

Im nördlichen Eingangsbereich zum Düsseldorfer Medienhafen schließt es eine der letzten Lücken, der eine besondere stadtgestalterische Bedeutung zukam. Im allgemeinen Spektakel des Hafenareals hielten sich die Darmstädter werk.um Architekten mit dem äußeren Erscheinungsbilds des „Haus der Architekten“ angenehm zurück. Im Preisgericht als „Wankelmotor“ bezeichnet, nehmen die Fassaden Bezug auf die asymmetrische Grundrissform, die nur auf den ersten Blick ein gleichseitiges Dreieck bildet. Es begnügt sich mit nach außen konkav geschwungenen, klar strukturierten Ganzglasfassaden und wirkt damit wie der Bug eines Ozeandampfers, angesichts der Flusssituation keine abwegige Assoziation.

Eingetauscht wurde das gläsern-transparente neue Verwaltungsgebäude in der Aufbruchatmosphäre des Medienhafens gegen eine Gründerzeitvilla in ruhiger Lage des Hofgartens. – So gesehen ist der Umzug mehr als das – es könnte ein Schritt nach „draußen“ sein, eine Zeitwende in der Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit der AKNW. Es soll so Hartmut Miksch in seiner Eröffnungsansprache „ein Gebäude sein, das jederzeit für alle Architektur-Interessierten wie für die Mitglieder offen steht. Das „Haus der Architekten“ wird aktiv bespielt, es wird regelmäßig den Rahmen für Veranstaltungen liefern, die für Gesprächsstoff in Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus sorgen werden!“ Mit diesem Anspruch spielt das neue Gebäude auch eine wichtige Rolle für die Landesinitiative „StadtBauKultur NRW“. So wurden die Eröffnungsfestivitäten zum Anlass genommen erneut auf das Vorzeigeprojekt „StadtBauKultur“ aufmerksam zu machen.

Der Kern des Hauses ist sein Konzept

Dass sich das neue Haus der Architektenkammer als „Informations- und Kommunikationszentrum“ versteht und verstanden werden will, als „open house“ der Architektur, lässt sich vor allem an der Aufteilung des Inneren ablesen, das auf sieben Geschossen (26 m Höhe) eine Nutzfläche von 2.550 qm bietet. Entsprechend den Nutzungen ist das Raumprogramm dreigeteilt. Der Kern des Hauses ist gleichzeitig sein Konzept. Hier sollen Ausstellungen, Empfänge und Diskussionsveranstaltungen stattfinden. Ein zentrales Atrium, im Erdgeschoss als Foyer genutzt, das sich über sieben Etagen erstreckt, verbindet die Geschosse funktional und visuell miteinander. Nach oben wird das Atrium durch eine filigrane, räumlich unterspannte Stahl-Glas-Konstruktion abgeschlossen.

Das Erdgeschoss und die erste Etage sind öffentlich und für den Meinungsaustausch konzipiert. Hierzu gehört auch ein extern zugängliches Cafe. In den oberen Geschossen gruppieren sich Büroräume um das offene Foyer. Darüber hinaus verfügt das Gebäude über zwei Veranstaltungsräume, in denen ab Mitte dieses Monats die Seminare und Fortbildungsveranstaltungen der Akademie der Architektenkammer durchgeführt werden können.

Glanzlichter im Medienhafen

Erklärte Zielsetzung sowohl der Architekten, wie des Bauherrn, war die Reduktion der Form. Unterstrichen wird dies durch die in regelmäßige Streifen eingeteilten Fensterbänder und Brüstungen und die einheitliche Fassadenrasterung. Der dadurch fast streng wirkende Kubus muss im Potpourri des ehemals industriell genutzten Hafenareals als wohltuende Erscheinung bewertet werden. Anders als bei der Kölner Lösung, setzte man in Düsseldorf für den Strukturwandel des Hafens auf renommierte Namen und lokale Größen – Chipperfield, Gehry, Ingenhoven/Overdiek, Petzinka – und verzichtete auf einen eindeutigen städtebaulichen Bebauungsplan. Die so entstehende Varianz lässt den in der Stadtstruktur wieder entdeckten Hafen, in großer, nicht immer geglückter Bandbreite, neu entstehen.

Die städtebauliche Einordnung des Solitärs geht auf den 1997 ausgeloben, offenen Architektenwettbewerb für das neue AKNW-Gebäude zurück. Das Verfahren, an dem 297 Architekturbüros teilnahmen, hat überzeugende Ergebnisse gebracht. Atmosphärische Störungen mit den ersten Preisträgern Kohne/Merrill, Frankfurt führten dazu, dass der zweitplazierte Entwurf von werk.um zur Ausführung kam. Auch das der Solitär entgegen der viergeschossigen Wettbewerbsforderung nun sieben Geschosse zählt, ist allzu richtig. Nur so kann sich das Haus der Architekten gegenüber den mächtigen Nachbarn behaupten.

Entstanden ist ein Haus „mit Einblicken und Ausblicken auf die Architektur“ (werk.um) „das die Ziele der NRW-Architektinnen und -Architekten öffentlich präsentiert und zu Architekturthemen Stellung beziehen kann.“. Darüber hinaus könnte sich die Nähe zu den politischen Schaltstellen, der Landtag NRW und die Staatskanzlei mit Sitz im Stadttor liegen in Sichtweite, ebenfalls positiv auf die berufspolitische Arbeit, die fest im architektonischen Selbstverständnis des Bauherrn verankert ist, auswirken. bs

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