Neue Zeiten brechen an: Die Universität hat einen Masterplan vorgelegt

Das Thema des letzten BdA-Montagsgesprächs am 27. Februar kam recht unscheinbar daher, und doch verbirgt sich hierin, von der breiten Öffentlichkeit bisher noch nicht recht wahrgenommen, ein enormes Entwicklungspotenzial für die Stadt und die Hochschule gleichermaßen.

Der Hochschulmasterplan soll für die nächsten 15 Jahren für optimierte Immobilien, eine zukunftssichere universitäre Infrastruktur und die Einordnung in den städtebaulichen Kontext sorgen. Er lehnt sich an den Speerschen Masterplan für Köln an, der parallel zum Grüngürtel einen Wissenschaftsgürtel vorschlägt.

Ein glücklicher Umstand ist die „Exemption“, die Köln errungen hat: die baulichen Vorgänge werden nicht mehr vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW gesteuert, sondern von der Universität selbst. Damit sind kürzere Reaktionszeiten möglich, und die Lehranstalt kann eigene Prioritäten setzen. Die „autistische“ Phase, wie eine Stimme aus dem Publikum nannte, im Bauverhalten der Universität geht damit wohl zu Ende.

Markus Greitemann, Dezernent für Gebäude- und Liegenschaftsmanagement der Universität zu Köln, und Peter Berner von ASTOC Architects & Planners Köln stellten den Masterplan vor, zur Podiumsdiskussion gesellte sich Bernd Streitberger zu ihnen.

Exzellenzinitiative

Das Streben der Uni Köln nach dem Status als „Elitehochschule“ ist ein wichtiger Motor für die jüngere bauliche Entwicklung des Universitätsgeländes. Der Exzellenzcluster CECAD (dt. Cluster zur zellulären Stressantwort bei altersassoziierten Erkrankungen) und die Graduiertenschule Bonn-Köln in Physik und Astronomie sind bereits in die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern aufgenommen. Mit drei Anträgen steht die Universität nun in der nächsten Runde, über die der Bewilligungsausschuss Mitte 2012 entscheiden wird. Die CECAD Gebäude auf dem Klinikgelände befinden sich bereits im Bau.

Weitere Raumbedarfe werden etwa durch den Hochschulpakt II (doppelte Abiturjahrgänge) und die Einwerbung von Drittmitteln entstehen. Aktuell (01.01.2011) war ein Defizit von 44.000 qm Hauptnutzfläche ausgewiesen. Bedarf für die nächsten 15 Jahre sind allerdings genauso schwierig zu prognostizieren wie die Forschungsentwicklungen, die ihnen zugrunde liegen.

Masterplan-Prozess

Im Masterplan wird das Gelände in fünf Interventionsgebiete unterteilt, in denen insgesamt etwa 280.000 qm Bruttogeschoßfläche zusätzlich aus Verdichtung gewonnen werden können. Wie diese allerdings genutzt werden – als Institute, Studentenwohnheime, Freiflächen oder für andere städtische Zwecke – ist immer angesichts der aktuellen Bedarfsermittlung zu entscheiden: Beide Vortragende betonten mehrfach, der Masterplan sei als Prozess zu verstehen.

Bei einem Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro und einem Budget von 110 Millionen Euro in diesem Jahr werden etwa 90% der Finanzierung vom Land getragen. Momentan fließt das Geld größtenteils in die Gebäudeinstandsetzung, um den Sanierungsstau von 400 Millionen Euro abzutragen.

Bilder im Kopf

Was wird sich konkret verändern? Einige Projekte sind bereits abgeschlossen, etwa das neue Seminargebäude von Paul Böhm, viele andere laufen, so zum Beispiel der Neubau der Studierenden-Service-Centers an der Universitätsstraße und die Sanierung der Gebäude rund um den Albertus-Magnus-Platz. Greitemann nannte den grünen Containerbau an der Ecke Universitätsstraße / Bachemer Straße als Beispiel dafür, was der Masterplan in Zukunft verhindern soll: in aller Eile Gebäude hochzuziehen, etwa um das Abwandern von Fördermitteln zu verhindern.

Konkret kann man sich z.B. vorstellen, „dass die Zentralmensa in 15 Jahren so nicht mehr da steht.“ Bezüglich der Verkehrsströme etwa gibt es den Anstoß, die Berrenrather und Bachemer Straße auszubauen und andererseits für die Zülpicher Straße eine Geschwindigkeit vorzusehen, „die den Autofahrern keinen Spaß mehr macht.“ Brisant ist die Idee, den heutigen Sportplatz hinter der Zentralmensa zu bebauen und ein Gebäudeband entlang des Grüngürtels bis zum geplanten Stadtarchiv zu schaffen. „Universität wird Stadt“, lautet das Motto des Masterplans. Das wurde auch Zeit, und die Stadt sollte dazu doch Einiges zu sagen zu haben.

Ira Scheibe

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Foto. Heiko Heinemann

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Die fein austarierte Kombination von Holz, Beton und Metall bewirkt einen formellen und doch gleichzeitig behaglichen Charakter.

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