Böhm und DITIB wollen es noch einmal miteinander versuchen

Richtig zufrieden wirkte nur Fritz Schramma, als er am Freitag, dem 2. März 2012 den Frie-densschluss zwischen der DITIB und dem Büro Böhm vor der Presse verkündete. Das von ihm geleitete Schlichtungsverfahren sei ergebnisoffen angegangen worden und habe vier Sitzungen gebraucht, bis beide Parteien nach einer freien Willensentscheidung bereit waren, es noch einmal miteinander zu versuchen. Konkret heißt das, dass das Büro Böhm ab Montag die Arbeit an dem Projekt wieder aufnehmen wird – dies allerdings nur als Berater und nicht als Bauleiter.

Bei der Mediation sei es vor allem darum gegangen, so Schramma, das Vertrauen auf beiden Seiten wieder aufzubauen und Vernunft walten zu lassen. Die Inhalte, über die gesprochen worden sei, unterliegen jedoch der Verschwiegenheit, und waren den Beteiligten von der Presse auch durch hartnäckiges Nachbohren nicht zu entlocken.

Teil der Einigung ist, dass die von der DITIB im Oktober beanstandeten Mängel in der Ausführung des Baus und der damit begründeten Kündigung des Architektenvertrages, von einem unabhängigen Gutachter in einem selbständigen Beweisverfahren geklärt werden sollen. Paul Böhm bemüht sich, dem gelassen entgegen zu sehen, bei Projekten dieser Größenordnung gebe es immer einen Rest ungeklärter Fragen. Er wünscht sich jedoch, dass das Gutachterverfahren nicht vor Gericht enden wird. Die derzeitige Situation bezeichnete Böhm als „ein sehr zartes Pflänzchen“.

Der Vorsitzende der DITIB, Ali Dere sagte, „er wolle seine Freude über den Friedensschluss kundtun“. Der Grundgedanke einer modernen, transparenten Moschee solle beibehalten werden und spätestens ab Juli oder August dieses Jahres – also nur zwei Monate später als geplant – mit Leben gefüllt werden. Mehr wollte er dazu eigentlich nicht sagen, betonte stattdessen immer wieder, den Blick nur in die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit rich-ten zu wollen.

Doch die Tatsache, dass Böhm nur noch beratend an der Fertigstellung der Moschee beteiligt sein wird, schürte die Befürchtungen, dass die zeitgemäße und offene Architektur nun doch eine traditionelle ornamentale Ausschmückung erhalten könnte, die so nicht gewollt und nicht geplant war. Dazu sagte Dere „es ist ein Projekt von Böhm und soll es bleiben“, und in charmanter, aber orientalisch-unkonkreter Weise „Wir schätzen Herrn Böhm und vollenden jetzt sein Konzept.“

Keine Beichtstunde

Über gestalterische Änderungen, die sich im Herbst als sehr streitbar gezeigt hatten, gaben die Beteiligten nur zögerlich Auskunft. Die Farbe und Beschaffenheit der Betonoberfläche werde nicht grundsätzlich in Frage gestellt, schadhafte Stellen sollen saniert werden. Für die ornamentale Ausschmückung der Innenräume wurden gemeinsame Konzepte entwickelt, durch die das Gebäude, so Böhm, eine moderne und spannende Bereicherung erfahren wird.

Das war eigentlich schon mehr als Schramma, Böhm und Dere sagen wollten, doch die zahlreich erschienenen Journalisten fragten weiter nach den Fehlern und Vorwürfen, die im Ok-tober zu dem Zerwürfnis geführt hatten. Während Böhm sich sichtlich in die Enge getrieben fühlte und quasi gezwungenermaßen zugab, „den Kontakt nicht genug gepflegt zu haben“, blieb Dere stoisch und ließ sich kein Zugeständnis zu entlocken. Auch ging er nicht darauf ein, als ein Pressevertreter ihm fast schon in den Mund legt, dass er Böhm immer noch als „Bau-meister-Versager“ stehen lasse, wenn er die vielzitierten Vorwürfe nicht widerrufe. Dere betonte immer wieder, den Blick nur in die Zukunft richten zu wollen.

Beendet hat schließlich Schramma, der Schlichter, die unangenehmen Fragerei, „man sei schließlich nicht zur Beichtstunde hier“. Abschließend sagte Dere, dass das Bauverfahren schneller laufe, als dass sie Spenden sammeln könnten. So wird sich die DITIB wohl doch ver-schulden müssen, was sie eigentlich vermeiden wollte. Dere ist jedoch sicher, dass die Kölner die Gemeinde nicht im Stich lassen werden. Doch dazu wollen nicht nur die Kölner, sondern ganz Deutschland, das die Moscheebaustelle sehr wachsam begleitet, Zeichen sehen. Und dazu gehört ganz sicher auch mal ein selbstkritischer Blick zurück.

Uta Winterhager

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