Maria Schwarz an ihrem 95. Geburtstag im Oktober 2016 © Foto Barbara Schlei

Zum Tod der Architektin Maria Schwarz

Am 15. Februar starb die Kölner Architektin Maria Schwarz im Alter von 96 Jahren. Als Maria Lang wurde sie 1921 geboren, das Interesse an der Architektur hatte ihr Vater, ein Bauunternehmer, schon früh geweckt. Doch als sie 1941 ihr Architekturstudium in Aachen aufnahm, war dies für eine Frau sehr ungewöhnlich. Zugute kam ihr hier nicht nur ihr eigenes Beharren, sondern auch der Kriegsdienst, der die jungen Männer an der Front verpflichtete, sodass die Fakultäten, um den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten, auch Frauen in den Ingenieurwissenschaften zuließen. Nach dem Studium arbeitete Maria Schwarz im Lehrstuhl und später im Büro von Hans Schwippert. Aus ihrer Studienzeit ist wenig erhalten, doch schon damals zeichnete sich an dem Entwurf eines Hauses für eine kinderreiche Familie mit Möbeln und Spielgeräten ab, wie gut sich die junge Studentin die Bedürfnisse anderer einfühlen konnte. Das hatte wohl auch Schwippert erkannt, in dessen Büro sie zunächst an Einraumwohnungen arbeitete, die mit sehr einfachen, kompakten und sogar zerlegbaren Möbeln eingerichtet werden sollten.

Als Maria und Rudolf Schwarz sich kennenlernten, war er ihr Vorgesetzter. Er war etabliert und renommiert, leitete die Wiederaufbau GmbH in Köln, während sie – 24 Jahre jünger – eben erst ihr Studium abgeschlossen hatte.  Sie war begeistert von seiner Architektur, von dieser klaren Sprache, die sie aus ihrem Studium so nicht kannte. Rudolf Schwarz war sicher kein einfacher Mensch, aber Maria Schwarz hatte ihm schon damals mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Kompetenz etwas entgegenzusetzen, was ihn wiederum angezogen hat. So gelang es, ihr aus dem kriegszerstörten Kölner Gürzenich mit einer geschwungenen Treppenanlage ein tanzendes Haus zu machen, eine Geste, die für die Stadt von großer Bedeutung war.

 

Frau Schwarz

1951 heirateten Maria und Rudolf Schwarz. Bis zu seinem Tod erlebten sie zehn Jahre intensiver und produktiver Arbeit, in denen im Büro Schwarz rund 30 Kirchenbauten geplant und realisiert wurden. Doch es waren die Fünfziger Jahre in denen die Ehe die Frau üblicherweise zur Hausfrau machte und unweigerlich stellt man sich heute die Frage, wie das Ehepaar Schwarz gearbeitet hat. Kaum überraschend scheint es da zu sein, dass Rudolf Schwarz schnelle Skizzen anfertigte, die eher Baugedanken als Gebäuden glichen, für die seine Mitarbeiter eine architektonische Form finden sollten, hunderte von Zeichnungen von Maria Schwarz, von Karl Wimmenauer, Günter Kleinjohann und anderen belegen dies. Wer seiner Idee am nächsten gekommen war, den ließ Rudolf Schwarz, seinen Entwurf ausarbeiten. So waren im Büro Schwarz durchaus unterschiedliche Handschriften erlaubt, doch der erste, grundlegende Gedanke stammte in der Regel immer von Rudolf Schwarz.

Kinder bekam das Ehepaar Schwarz nicht, sodass Maria Schwarz sich ganz ihrer Arbeit widmete. Der Kunsthistorikerin Annette Krapp gegenüber sagte sie einmal „Unsere Bauten sind unsere Kinder.“ Und das glaubte man ihr gerne, wenn man sie auch im hohen Alter noch voller Leidenschaft darüber sprechen hörte.

 

Die Kirchenbauerin

Nach dem Tod ihres Mannes 1961 übernahm Maria Schwarz die Leitung der Büros in Köln und Frankfurt, um gemeinsam mit den weiteren Mitarbeitern die Bauten zu vollenden. Obschon dieser Schritt bürointern als selbstverständlich betrachtet wurde, taten sich wohl viele der Bauherren zunächst schwer die junge Frau in dieser Rolle zu akzeptieren. Mit dem Bau von St. Franziskus in Osnabrück (1965) und der Liebfrauenkirche in Oberursel (1964) vollendete sie schließlich auch das Lebenswerk ihres Mannes. Auch wenn vieles – so auch das Buch „Vom Bau der Kirche“ aussieht als sei es alleine das Werk von Rudolf Schwarz, sind viele Ideen und Bauten jedoch in intensiver Zusammenarbeit des Ehepaares entstanden. So ist es wenig verwunderlich, dass sie auch nach dem Tod ihres Mannes in diesem seinem Sinne, den sie mit erdacht und vollkommen verinnerlicht hatte, weiterarbeitete.

Auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten beschäftigte sie sich als Architektin und zunehmend auch als Bildhauerin mit dem Sakralbau, mit Modernisierungen (St. Mechtern in Köln Ehrenfeld 1966/84) und mit dem Entwurf von Orgelprospekten (Maria im Kapitol, Köln). Als die Paulskirche, die von einer Planungsgemeinschaft, der auch Rudolf Schwarz angehörte, nach dem Zweiten Weltkrieg im Sinne des „interpretierenden Wiederaufbaus“ aufgebaut wurde, in den 1980-er Jahren rehistorisiert werden sollte, wehrte sich Maria Schwarz dagegen. Daraufhin übertrug man ihr die künstlerische Leitung für eine Restaurierung, die den Bau des Wiederaufbaus erhalten hat. Von 1996 bis 2008 war sie Lehrbeauftragte für Sakralbau an der Technischen Universität München.

 

Es ist so schön, wie du in allen meinen Gedanken drin bist und sie mit mir lebst, schrieb Rudolf Schwarz seiner Frau 1953. So ist es durchaus verständlich, dass sich Maria Schwarz immer strikt dagegen gewehrt hat, wenn es daran ging nachzuweisen, wer genau wo seine Finger im Spiel gehabt hat. Sicher spielte auch die Befürchtung eine Rolle, dass durch die Beschäftigung mit ihr vielleicht das Licht ihres Mannes ein wenig heller leuchtet. Doch wichtiger war ihr zu betonen, dass erst das gemeinsame Gestalten Dinge hervorgebracht hat, die einer alleine so nie hätte entwickeln können.

 

Uta Winterhager

 

Dieser Text entstand auf der Grundlage eines Gesprächs mit Annette Krapp, die am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn bei Professor Hiltrud Kier eine Dissertation über Maria Schwarz geschrieben hat. Ihr Buch mit DVD Die Architektin Maria Schwarz – Ein Leben für den Kirchenbau ist im Verlag Schnell + Steiner in der Serie Bild Raum Feier, Studien zu Kunst und Kirche erschienen.

 

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