Parador de Aiguablava, die Stützen gestaltete der Künstler José Luis Sánchez. © Foto: Uta Winterhager

Eine Nacht im Hotel - das neue Heft der moderneREGIONAL

Es ist Mitte Febraur, der Karneval ist vorbei und nur selten trifft man noch jemanden, der nicht schnieft – kurz gesagt, es gibtg bessere Jahreszeiten. Sehr gelegen kommt uns da das soeben erschienene Heft der moderneREGIONAL, das uns zu einer Nacht im Hotel einlädt. (Hier geht es zum Heft). Genau genommen sind es gleich mehrere Nächte im Hotel, über die die Autorinnen und Autoren berichten. Sie übernachteten in Portugal, in Pjönjang, an der Costa Brava, in Jerusalem, Wien, Erfurt und Marl. Was in dieser Nennung so klingen mag wie eine krude Mischung belibiger Ziele folt inhaltich dem roten Faden der Moderne, denn dem haben sich Karin Berkemann und Daniel Bartetzko mit diesem Projekt gewidmet.

Jeder Reisebericht erzählt eine außergewöhnliche Geschichte, denn jedes der besuchten Häuser blickt auf eine nicht immer gradlinig und planmäßig verlaufene Vergangenheit zurück. Da kommt durchaus Reiselust auf. So könnte man, wenn man nicht allzuweit reisen möchte, wie der Autor Heiko Haberle in der brutalistischen Hauptschule von Günther Marschall in Marl übernachten. Wer weiter weg möchte, würde C. Julius Reinsberg nach Nord Korea folgen und im Ryugyŏng-Hotel einchecken – sollte es bis dahin eröffnet sein. Immerhin wurde der Bau schon 1987 mit größtem sozialistischen Ehrgeiz begonnen.

Sicher ist dagegen eine Buchung im Wiener Hotel Daniel, wo Daniel (kein Zufall) Bartetzko gepflegtes Hipstertum und viel Repro-Retro entdeckte. Immerhin fand damit der von Georg Lippert (1908-92) entworfene Produktions- und Verwaltungssitz des Schweizer Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche eine neue Identität (und sicherlich auch so mancher Gast).

Ob ich eine Nacht im Parador de Aiguablava wirklich empfehlen kann – ich bin mir nicht sicher. Das Haus war etwas Besonderes, doch als Gast ist man immer ein bisschen hin- und hergerissen zwischen dem was die Moderne war und dem was davon bleibt. Ein fragiles System und ob es die angekündigte Sanierung überstehen wird, weiß nicht nicht. Immerhin ging es für das Hotel ums Überleben und der Kampf um die Sterne ist hart.

Hier findet ihr spannede Reiselektüre, die das Warten auf den nächsten Urlaub mit Sicherheit unterhaltsam verkürzt.

Uta Winterhager

Artikel teilen

Ihre Meinung zählt

Eine Reaktion auf “Urlaubsreif”

  1. Vanessa von Sukhi

    Spannende Hotels von denen Sie berichten! Vorstellen könnte ich mir eine Übernachtung im Parador de Aiguablava auf jeden Fall – es wirkt so sonderbar und verlassen. Muss eine interessante Erfahrung sein!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.