Viel Geld, viel Platz, viel Visionen – und viel Beton: Einkaufszentrum Marler Stern, 1971-74; @ Tania Reinicke

Als die Zukunft gebaut wurde – Ein Projekt von StadtBauKultur NRW und TU Dortmund

Einkaufszentren, Großkliniken, Wohnsilos und Massenunis: Als die Zukunft gebaut wurde in den Boomjahren der Nachkriegszeit bis zur Ölkrise 1973 hieß die Devise „nicht kleckern, sondern klotzen“. Es war Geld da, es war Platz da, und Bedarf sowieso. Was einst als innovative und gesellschaftlich verantwortungsvolle Architektur entstand, um den Visionen für eine moderne, demokratische Gesellschaft Raum zu geben, wird heute von einer breiten Öffentlichkeit abgelehnt; von Betonmonstern oder –klötzen, Wohnmaschinen und Bunkerarchitektur ist die Rede.

 

Big is beautiful? RUB Ruhr-Universität Bochum von Helmut Hentrich, 1962-65, Foto: @Tania Reinicke

 

In der Fachwelt setzt sich langsam ein neuer Blick auf die gewagten Konstruktion und Großprojekte der Boomjahre durch. Mit dem Gemeinschaftsprojekt der Landesinitiative StadtBauKultur NRW und der TU Dortmund, Fakultät Raumplanung, sollen noch mehr Augen geöffnet werden für die sympathischen Seiten der Big Beautiful Buildings im Ruhrgebiet, denn BBB konzentriert sich zunächst auf das Ruhrgebiet, das wie kaum eine andere Region durch Bauwerke und Siedlungsstrukturen der Nachkriegszeit geprägt ist. Umfasst werden besondere Gebäude, die nicht im Geist des Wiederaufbaus, sondern der Neuausrichtung zwischen 1950 bis in den Anfang der 70er Jahre entstanden sind. Eine lobenswerte Initiative – doch hätte man nicht den Rahmen enger setzen sollen? Wie ist es Laien zu vermitteln, was etwa die Johanniskirche von Hans Scharoun in Bochum mit der „Lernindustrie“ RUB zu tun hat? Und hat sie das?

Bauen für soziale Zwecke, traditionsvergessen, es ging um Neuausrichtung und nicht um „Wiederaufbau“: Feierabendhaus in Hürth-Knappsack, 1957 von Karl Hell Foto: @ CEphoto, Uwe Aranas (via Wikimedia Commons)

 

Ein Festival für neue Ansichten

„Das zentrale Vorhaben unseres Beitrags ist das Festival zur Jahresmitte. Wir werden fünf Leuchtturmprojekte mit künstlerischen Interventionen inszenieren“, sagt Christoph Kremerskothen von StadtBauKultur NRW. Welche das sind, verrät er allerdings noch nicht. Es wird über das Jahr auch weitere kleine Veranstaltungsformate geben, zum Beispiel Lesungen und Diskussionen. Außerdem ist geplant, ausgewählte Gebäude mit einem BBB-Label auszuzeichnen.

„Viel hilft viel“ galt natürlich auch außerhalb des Ruhrgebiets und allerorten: Gottfried Böhm, Rathaus Bensberg, 1963-69, Foto: ©(via Wikimedia Commons)

 

Sharing Heritage – das Erbe teilen

Im Januar fand der Auftakt zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 statt. Unter dem Motto „Sharing Heritage“ fördert das Staatsministerium für Kultur und Medien 34 Projekte in Deutschland, Big Beautiful Buildings ist eins davon. In diesem Zusammenhang ist ein internationaler Kongress im Herbst 2018 geplant, und eine Ausstellung, die vom Ruhrgebiet ausgehend durch Europa reisen wird.

Paul Schneider-Esleben, Terminal 1 am Flughafen Köln Bonn, eröffnet 1970 Foto: ©Raimond Spekking (via Wikimedia Commons)

 

Köln ist die südlichste Stadt des Ruhrgebiets

Details zum Projektinhalt sind noch „in Mache“. Die Initiatoren von Big Beautiful Buildings streben auch nach deutschlandweiter Vernetzung, und natürlich hat auch Köln zum Thema „groß und sperrig“ Einiges beizutragen. Die Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters, und weiß man um die guten Absichten dessen, was man betrachtet, ist man vielleicht eher geneigt, darin auch Schönheit zu entdecken. In letzter Zeit gab es eine Reihe von Schönheits-Ops, die aber den „Patienten“ kaum oder gar nicht mehr wieder erkennen lassen: das betrifft das Bettenhaus der Uni, die ehemalige Lufthansa und das BDI Gebäude am Rheinufer, das Philosophikum und diese Reihe ließe sich ziemlich lange fortsetzen. Auch wir von koelnarchitektur.de werden uns das Jahr über den BBB unserer Stadt widmen, damit zumindest die gelungensten unter ihnen in ihrer Authentizität stehen bleiben dürfen.

 

Ira Scheibe

Weitere Infos

Zur Internetseite der Initiative StadtBauKultur NRW

BBB versteht sich als Netzwerk, das Initiativen und Aktivitäten zusammenbringt. Die Initiative StadtBauKultur NRW unterstütz deshalb bei der Konzeption und Umsetzung weiterer Projekte.

SHARING HERITAGE Europäisches Kulturerbejahr 2018

 

 

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