1. Preis der Profi-Liga: Christian Wendling fotografierte "Kolumba, das fast leere Haus" © Foto Christian Wendling

Die Preistäger unseres Weihnachtsfotowettbewerbs "Schenkt uns Licht"

Wir sind erhellt, begeistert und freuen uns, heute die 3 Preisträger des Weihnachtsfotowettbewerbs vorzustellen. Vergeben haben wir einen 1. Preis in der Profiliga und zwei Preise unter den begabten Amateuren.

Es war nicht einfach, denn es gab viele tolle Einsendungen mit ganz unterschiedlichen Qualitäten. Und doch haben alle das Licht auf ganz individuelle Weise erst gesehen und dann mit der Kamera eingefangen. Mal romantisch weichgezeichnet, mal in harten Kontrasten, mal extrem ästhetisch, mal auf typisch kölsche Weise eher ruppig, mal zufällig erwischt oder sogsam inszeniert. Hier sehen und lesen Sie, wer die Jury (Christoph Seelbach, Gert Lorber, Barbara Schlei und Uta Winterhager) überzeugen konnte und wen wir deshalb hoffentlich noch vor Weihnachten mit einer der drei Little Suns erfreuen können.

© Foto Christian Wendling

 

Christian Wendling: Motiv: Licht und Schatten in der verlassenen Halle 76 in Köln-Kalk, aufgenommen beim Rundgang anlässlich des Städtebaulichen Werkstattverfahrens „Hallen Kalk“. Architektur: Ehemalige Halle von Klöckner-Humboldt-Deutz (Werk Kalk), Baujahr 1906 Aufnahmedatum: 13.05.2017

BS: Hier bedingt die Lichtkomposition Ordnung und Schönheit der wenigen Bildelemente. Der Hocker erhält durch das Licht fast so etwas wie ein Heiligenschein und es ist absolut großartig, wie es Fotograf und Kamera gelingt nahezu jedes Staubkorn einzufangen und festzuhalten.

 

© Foto Christian Wendling

 

18 Punkte

Christian Wendling: Motiv: Das Kolumba Kunstmuseum feierte mit „10 Jahre Kolumba – Das (fast) leere Haus“ drei Tage lang sein 10-jähriges Bestehen. Bis auf einige temporäre Installationen waren die Ausstellungsräume von Exponaten befreit und somit auf Wand – Boden -Decke der eigentlichen Architektur reduziert. Architekt: Peter Zumthor (Baubeginn 2003, Eröffnung 2007) Aufnahmedatum: 19.08.2017 Christian Wendling

UW: Es klingt unglaublich pathetisch, aber in beiden Aufnahmen von Christian Wendling sehe ich die Stille. Es ist nicht nur die Stille des Raumes und des Moments in dem sie aufgenommen wurden, sondern die der Spannung, die die Perfektion dieser Bilder erzeugt. Es ist die Komposition aus Hell und Dunkel und vielen Schattierungen dazwischen, die Inszenierung der Protagonisten, eines Hockers und einer Schattengestalt, die nicht nur an der genau richtigen Stelle im Bild, sondern auch genau im richtigen Ausschnitt des Lichts sitzen. Ehrlich gesagt wünsche ich mir, ich hätte diese Fotos gemacht …

CS: P1b: Ein spannendes Foto in zweierlei Hinsicht. Zum einen kommt es tatsächlich so gut wie nie vor, dass man das Museum Kolumba in diesem puristischen Zustand zu sehen bekommt. Zum anderen ist es ein Bild, an dem der Blick hängen bleibt, das Fragen aufwirft. Für Nichtkölner könnte das auch irgendein Raum sein, nicht genau zu benennen. Ein Parkhaus vielleicht oder ein Foyer? Sehr groß aber nur spärlich beleuchtet. Der spiegelnde Boden irritiert etwas. Kein Parkhaus. Und dann diese Figur, man kann nicht genau erkennen ob sie aus dem Licht ins Dunkle tritt oder umgekehrt. Es entstehen Geschichten im Kopf. Spannend.

 

Kulturkirche Buchforst © Foto Chris Franken

11 Punkte

Chris Franken: Kulturkirche-Ost in Buchforst.„Das Licht wird hier durch die Architektur geformt und die Architekur lebt ganz aus diesem Licht.  Selten sieht man eine so enge Beziehung dieser beiden Elemente wie wenn das Licht durch die Decke der Kulturwoche-Ost strömt und dann die Wände herunterrieselt.“ Chris Franken

UW: Die Magie dieser kleinen Kirche liegt darin, dass ich bewegtes Licht sehe aber kein Fenster. Ein schönes Motiv des Glaubens. Und genau das hat der Fotograf hier sehr direkt eingefangen.

CS: P3: Ein wirklich sehr schönes Beispiel, wie Architekten mit Licht und sehr einfachen Mitteln gestalten können. Der Fotograf oder die Fotografin nimmt konsequent die Symmetrie der Kirche in die Bildkomposition mit auf. Die reduzierte Farbigkeit der Fotografie und der hohe Kontrast geben dem Foto eine starke grafische Wirkung.

 

© Foto: Axel Hartmann und Amelie Soyka

11 Punkte

Axel Hartmann und Amelie Soyka: Aktuell als Brennpunkt im Fokus der Aufmerksamkeit und schon seit Jahren immer wieder mit Umgestaltungsplänen konfrontiert, wird die Ebertplatzpassage in diesem Bild in ein anderes Licht gerückt: Anlässlich der Ausstellung „Passing Places“ von Daniel Burkhardt in der Galerie BRUCH & DALLAS im Jahr 2015 offenbart dieser Kölner (Nicht-)Ort sein Potenzial genau in der Verbindung von Unter- und Oberwelt, künstlichem und natürlichem Licht, städtebaulicher Zumutung und subkultureller Rückeroberung. Schön wäre, wenn dieser „Angstraum“ nicht der Kapitulation der Stadtverwaltung zum Opfer fiele, sondern ein angstfrei begehbarer „Passing Place“ für alle werden könnte …
/// Axel Hartmann

UW: Der Ebertplatz im Dunkeln. In diesem Fall kein Schreckensszenario, sondern tatsächlich ein städtischer Raum, der durch die Beleuchtung aus verschiedenen Quellen etwas heimeliges bekommt. Doch, wer sind die Leute da links, doch irgendwie unheimlich? In jedem Fall ist dies ein tolles Reportagefoto, inhaltlich heute ein wichtiges Statement.

 

© Foto: Lothar Alker

5 Punkte

Lothar Alker: Architektur-Lichter
In meiner Fotoserie Architektur-Lichter präsentiert sich die Kölner City von einer unsichtbaren
Seite in dynamischen Lichtbildern. Aufgenommen im irrealen Licht der „Blauen Stunde“ fährt
der Betrachter durch die Lichtarchitektur der quirligen Großstadt Köln, die sich in einem
faszinierenden Zusammenspiel von Licht, Form und Farbe zeigt. Die entstehenden Fotos von
Architektur und Bewegung machen eine veränderte Realität sichtbar. Lothar Alker

CS: P4: Lichter einer Großstadt. Ein wunderbar dynamisches und doch gleichzeitig auch stilles Fototableau, das einen in das Zwielicht der Stadt mitnimmt. Sehr harmonisch fügen sich die einzelnen Bilder zu einem Gesamteindruck zusammen und lassen weitere Assoziationen beim Betrachter entstehen.

 

© Foto: Stephan Tschapp

5 Punkte

Stephan Tschapp: „cubistic bicycle“ – Als ich unterwegs war um den Neubau des Studierenden Service Centers der Uni Köln (Schuster  Architekten,  Düsseldorf)  zu  fotografieren erweckte dieses Licht/Schatten-Motiv mein Interesse. Stephan Tschapp

UW: Das Studierenden Service Center der Uni Köln ist eines der hässlichsten Gebäude, das in den letzten Jahren in Köln gebaut wurden. Unfassbar – und das in dieser Nachbarschaft. Aber dennoch (oder gerade deshalb!) ist das ein Foto, das einen Punkt verdient hat. Spannend der Kontrast aus angestrahlten Flächen und Schattenseiten. Das Fahrrad erscheint als zersetzter Barcode auf dem Gitter, die Überwachungskamera als perfektes Gegengewicht dazu.

 

 

1. Preis der Nicht-Profis: Peter Brüggen „time is on my side“

© Foto Peter Brüggen

14 Punkte

Peter Brüggen: Das Bild zeigt die regennasse Domplatte, in der sich die Lichter des Hauptbahnhofs spiegeln. Ich mag die Wärme, die von dem Licht ausgeht und den vertrauten Anblick an sich. Da steckt einfach soviel Köln drin …

UW: Die Domplatte war in diesem Jahr eines meiner großen Themen, das macht mich für dieses Motiv vielleicht so empfänglich. Es ist durch die Unschärfe ein ziemlich abstraktes Bild und doch erkennt man den hell erleuchteten Hauptbahnhof sofort. Großartig, wie die Figuren die charakteristische Uhr rahmen, ihre Schatten, die länger sind als sie selbst, bleiben immer noch im Bild, während die Figuren ganz vorne schon in die Tiefe hinabsteigen. Allerdings überlege ich, ob das Bild in SW vielleicht noch schöner wäre … aber Geschmackssache.

CS: Mein absolutes Lieblingsbild. Wegen der reduzierten und stark in den Vordergrund verlagerten Schärfe und dem warmen und weichen Licht, dazu das kontrastierende Blau der Uhr und die dunklen Silhouetten der Menschen. Eine sehr ruhig wirkende Szene, die man an einem solch hektischen Ort wohl nicht vermutet.

BS: Hier genügt ein kleiner Hinweis – die Uhr des Hauptbahnhofes – und jedem ist klar, wo dieses Bild entstanden ist. Die Lichtstimmung, die Spiegelungen des warmen Lichtet und die verlängerten Silhouetten der Menschen – ein perfekter Moment.

 

Ein 2. Preis: Joris Görling

© Foto: Joris Görling

11 Punkte

Joris Görling: Ich musste direkt an die beiden Fotos denken, die ich kürzlich abends in K Mühlheim gemacht habe. Die Bilder zeigen den Eingang in das Parkhaus vor der Stadthalle. Und warum sind es die schönsten Lichtbilder? Weil sie zeigen, dass Licht einen profanen Bau in etwas Besonderes verwandeln kann.

UW: #vielfilter #instastyle. Aber das tut diesem intergalaktischen Parkhausabgang extrem gut. Ich frage mich gerade, ob der Fotograf diese perfekte Pfütze selbst dort hingegossen hat, ein paar Blätter noch, damit es nicht so gekünstelt aussieht … wunderbar! Und was wir nicht sehen wollen, verschwindet im Dunkel.

CS: 04: Eine fast futuristisch anmutende Szenerie. Toll die Spiegelung in der Pfütze mit in die Komposition eingebaut. Und genau den richtigen Zeitpunkt abgewartet oder erwischt: der Himmel hat noch einen Rest von Tageslicht, so dass sich die Silhouetten der Bäume davor noch abheben und nicht alles schwarz absäuft. Vielleicht werden die Wolken auch einfach nur durch das Licht der Stadt beleuchtet. Jedenfalls ergibt sich dadurch eine starke Dramatik, die mir gefällt. Und das im Gegensatz zum Himmel farbneutrale Licht des Parkhauseingangs läßt diesen wie auf einer großen Bühne im Scheinwerferlicht erstrahlen.

 

Seminargebäude von Paul Böhm © Foto: Hubert Ringwald

9 Punkte

Hubert Ringwald: Das Foto ist am 25. November 2017 bei einem Instawalk der Instagram-Gruppe „Koelscheecken“ zum Thema Brutalismus entstanden. Es zeigt Paul Böhms Seminargebäude der Universität Köln, ein Blick nach oben am Haupteingang. Mir gefällt, wie das Licht als helles Band von links einfällt und den Raum und seine Linien scharf konturiert. Außerdem gefällt mir, dass im Fluchtpunkt des Bildes die stilisierte Form eines Hauses zu sehen ist, die aus dem Innen und Außen gebildet wird.

UW: Ein klassisches Architektenfoto, würde ich sagen. Nicht nur, weil es SW ist, sondern auch weil es so scharf gezeichnet ist und so zeichnerisch korrekt fluchtet. Aber trotz seiner in der Symmetrie begründeten Unbewegtheit erzeugt der Fotograf in diesem Bild etwas krass Dynamisches, das fast konstruiert wirkt. Sowas muss man erstmal fotografieren (und bauen!).

CS: Ein sehr schön grafisches und verwirrendes Foto, das man erstmal entschlüsseln muss. Aber gerade das macht seinen Reiz aus.

BS: Ein eigenwillig inszeniertes Foto bei dem ich mehrfach hinsehen musste, zeigt es vielleicht doch ein Modell? Wo endet der Innenraum und wo beginnt der Außenraum? Die perfekte Komposition in Struktur und Perspektive und doch sehe ich die Aufnahme im Gesamtranking nicht ganz weit vorne, dazu ist sie mir dann doch zu unterkühlt.

 

© Foto: Natascha Rohde

9 Punkte

Natascha Rohde: Das Bild ist an einem Augusttag in der beeindruckenden Tunnelanlage unterhalb des Gremberger Güterbahnhofs im Verlauf der Rather Straße entstanden. Dunkelheit und Helligkeit wechselten sich unzählige Male ab und am Ende der Tunnelanlage wartete gleißendes Licht… Eine Ecke Kölns, die vielleicht nicht so bekannt, aber für Überraschungen immer gut ist.

 

BS: Das Sonnenlicht strukturiert diesen langen Tunnel, dabei verdeutlicht das Foto auf ganz eindringliche Weise, was Licht mit uns und unserer Wahrnehmung macht. In der Nacht sicherlich ein Ort, den ich nicht gerne alleine begehen möchte. Doch an einem gleisenden Augusttag versprechen die Schattensegmente der hellen lichten Röhre wohltuende Abkühlung und Erholung fürs Auge.

 

© Foto Thomas Robbin

7 Punkte

Thomas Robbin: Als ich im Newsletter von dem Wettbewerbsthema las, kam mir ein Bild wieder in den Sinn. Es ist schon älter – von 2013 – und doch noch ganz aktuell: Das Riphansche Gerippe. Was ist auf dem Bild zu sehen? Eine Fabrik? Eine Raketenbasis? Noch mehr als beim fertigen Gebäude stellt sich die Frage nach der Funktion. An ein Opernhaus würde wohl kaum jemand denken, dem das Haus unbekannt ist. Und dennoch leuchtet es verlockend aus den winzigen Löchern. Blinzelt eines der Fenster dem Betrachter etwa zu – wer oder was mag sich dahinter verbergen? Oder ist es doch nur eine Baustelle? Aber was für eine! Wann wurde ein Beton-Silo mit solcher Präzision in die Mittelachse eines Bauwerks eingepasst, als hätte es nie woanders hingehört. Vielleicht jetzt nichts mehr verändern und die Zeit einfrieren… Ach so, ist schon passiert.

UW: Ein wenig schmunzeln musste ich, als ich die Mail mit diesem Foto geöffnet habe. Sorry, aber das ist eine sehr phallische Konstruktion im Bildaufbau! Kein Fehler, denn auch dieses Bild überzeugt mit der (zufälligen) Symmetrie der fotografierten Objekte. Eine Inszenierung wider Willen, die durch den Einsatz verschiedenster Lichter sogar noch an Festlichkeit gewinnt.

CS: 03: Den Beschreibungen des Autors kann ich kaum noch etwas hinzufügen. Ich bin eigentlich kein Freund von vollkommen schwarzen und zeichnungslosen Himmeln. Aber in diesem Fall sorgt er dafür, dass die Oper wie freigestellt in den Mittelpunkt gerückt wird. Eine Kulisse auf großer Bühne. Schön gesehen.

BS: Ganz unabhängig von Licht und Schatten zeigt das Foto auf schmerzliche Weise den Verlust, der von Riphahn so sorgfältig geplanten Fuge zwischen den Werkstatttürmen.

 

© Foto: Jürgen Minkus

4 Punkte

BS: Ist das Köln? Oder doch eine maurische Stadt, irgendwo im Süden, wäre da nicht der Dom……

 

© Foto: Iris Ammann

3 Punkte

 

© Foto: Gisbert Knopp

1 Punkt

UW: Alles muss leuchten, blinken, auf sich aufmerksam machen. Dieses Fenster, hinter dem sich das Schwimmbad verbirgt, in dem ich schwimmen gelernt habe, stammt aus einer ganz anderen Zeit. Die bunte Geysirlandschaft ist ein leuchtendes Kunstwerk gigantischen Ausmaßes, das sich im Stadtraum nicht aufdrängt, sondern nur den Raum mit Licht und Bild erfüllt, für den des gemacht wurde. Doch so richtig sicher ist die Zukunft noch nicht, für ein Objekt dieser Art, muss nun, da das Schwimmbad trocken liegt, Nutzung und Kontext neu gefunden werden. Und genau das zeigt das Foto auf sehr direkte Weise.

 

© Foto: Brigitta von Bülow

1 Punkt

 

Weitere Teilnehmer:

 

Ein großer Dank geht an unsere externen Juroren Gert Lorber und Christoph Seelbach für Zeit und Muße, die sie uns hier gewidmet haben!

Loswerden möchten wir aber auch ein kleines Dankeschön: Bei Ihnen, unseren langjährigen Leserinnen und Lesern, und allen die uns im letzten Jahr begleitet und auf unterschiedlichste Art und Weise unterstützt haben – den Kooperationspartnern, allen Förderern und Sponsoren und nicht zuletzt unseren Autoren!

Wir wünschen Ihnen allen ein schönes Weihnachtsfest und ein ebenso glückliches wie schaffensfreudiges Neues Jahr! Bis zum 9. Januar 2018 verabschiedet sich die Redaktion in die Weihnachtsferien. Danach sind wir wieder da und versorgen Sie jede Woche mit Interessantem und Neuem über Köln, Architektur und Stadtplanung.

Uta Winterhager und Barbara Schlei

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