Vorbilder für die gestalterische Mischung sind im COBE Entwurf der Ellmühlenumgebung entlehnt. Aus der DNA des Areals entwickeln sich Gebäudetypologien für einen bunt gemischten Block mit ganz verschiedenen Gebäudeformen und -größen. © COBE, Kopenhagen

Das BDA Montagsgespräch diskutiert den Masterplan des Deutzer Hafens.

Passender könnte eine Auftaktveranstaltung zur diesjährigen Veranstaltungsreihe „Die Mischung macht’s“ des BDA NRW, die Peter Berner als Landesvorsitzender eröffnete, kaum sein: der BDA Köln lotete in einem Montagsgespräch die „Grenzen der Mischbarkeit“ bei der Entwicklung eines neues Stadtquartiers aus. Es ging nicht nur um Nutzungsmischung und soziale Mischung, auch gestalterische, typologische und wirtschaftliche Aspekte eines gemischten Quartiers und vor allem planungsrechtliche Grenzen und Möglichkeiten wurden an diesem Abend untersucht.

 

Beispielhafte Nutzungsmischung im Deutzer Hafen © COBE Kopenhagen

 

Exemplarisch für die Entwicklung neuer Stadtquartiere wurde die Umnutzung des Deutzer Hafens gewählt: ein aktuelles und innovatives Projekt, dass die Stadt Köln mit der stadteigenen Entwicklungsgesellschaft modernen stadt“ in den nächsten Jahren umsetzten wird. Der Masterplan für das Gelände kommt aus dem Büro COBE Kopenhagen, die in ihrem Vortrag einmal mehr die positive Problemlösungsmentalität unserer Nachbarländer verdeutlichen konnten und viel Erfahrung in der Entwicklung von gemischten Quartieren zum Wohnen und Arbeiten in das Projekt Deutzer Hafen einbringen können.

 

Höhere Gebäude am südlichen Ende des Hafenbeckens könnten als Lärmpuffer zur Südbrücke für die Wohnbebauung wirken. © COBE, Kopenhagen

 

Schnell wird an diesem spannenden, von Prof. Andreas Fritzen (Vorstand BDA Köln) moderierten Vortragsabend klar, dass Mischung auf ganz verschiedenen Ebenen stattfinden kann und muss, damit ein lebendiges und vielseitiges neues Stadtquartier entsteht. So konnte der Projektentwickler Andreas Röhrig beispielweise für einen wichtigen und großen Gewerbebaustein auf dem Areal die REWE Group gewinnen. Sie möchte eine neue Firmenzentrale und weitere auch innovative Nutzungen in Deutz anbieten. Als Standort bietet sich das südliche Ende des Hafenbeckens an, denn so kann der zwingend vorgegebene „Gewerberiegel“ als Lärmpuffer zur Südbrücke für die Wohnbebauung wirken.

Podium v.l.: Andreas Fritzen, Jörn Walter, Andreas Röhrig, Caroline Nagel, Peter Berner Foto: © Barbara Schlei

 

Dass die Entwickler sich dennoch nicht zu einer „REWE City“ im Deutzer Hafen hinreißen lassen, bleibt trotz der attraktiven Projektpartnerschaft ein wichtiges Ziel, um eine Mischung für die anderen der insgesamt 6000 neuen Arbeitsplätze offen zu halten. Auch für die rund 3000 Wohnungen muss in der Kalkulation fleißig gemischt werden: Seit 2013 schreibt die Stadt Köln im sogenannten „kooperativen Baulandmodell“ 30% öffentlich geförderten Wohnraum vor. Unterschiedliche Mietniveaus können so durch ein Art „Umlagemodell“ realisiert werden, teure und hochwertige Lagen finanzieren einen Teil diese Mischung mit.

Für Caroline Nagel von COBE standen in der Konzeption auch ganz andere Mischungsthemen im Vordergrund: sie nahmen beispielweise für ihre Gebäudetypologien die Geschichte der Ellmühle als Vorbild und entwickelten daraus einen bunt gemischten Block mit ganz verschiedenen Gebäudeformen und -größen.

Lebendiger Urbanität ist für die dänischen Architekten gleichbedeutet mit der Mischung von Gebäuden, öffentlichem Raum und erholsamer Landschaft. © COBE, Kopenhagen

 

Aber auch die Mischung von Gebäuden und öffentlichem Raum, erholsamer Landschaft und lebendiger Urbanität ist für die dänischen Architekten eine wichtige Aufgabe, die es immer wieder abzuwägen gilt. Bis schließlich zu der Frage, wie sich wohl unterschiedliche Materialien für die Gebäude, Fassaden und Oberflächen mischen lassen, um einerseits die Vielfalt im Quartier zu zeigen, andererseits aber den Zusammenhang einer guten und durchgängigen Gestaltung nicht zu verlieren.

Großes Interesse an der Zukunft der rechtsrheinischen Entwicklung Kölns. Foto: © Barbara Schlei

Der abschließende Blick des erfahrenen Stadtplaners Prof. Jörn Walter zeigt noch einige klare Grenzen in solch einem Stadtentwicklungsprojekt auf. Unser veraltetes Baurecht versucht noch, Mischung eher zu verhindern als zu fördern. Immerhin kommen wir mit der nun geschaffenen gesetzlichen Grundlage des sogenannten „Urbanen Gebietes“ möglichen Mischungen aus Wohnen und Gewerbe schon etwas näher. Wir sind also im Deutzer Hafen auf die „Grenzen der Mischbarkeit“ bei der Realisierung sehr gespannt. Hoffen wir, dass sich viele Projekte der Stadtplanung in Zukunft bis an diese Grenze wagen.

Ragnhild Klußmann

Der Text erschien zuerst auf der Internetseite des BDA NRW

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