Die Hallen Kalk werden zu gemeinschaftlichen und öffentlichen Räumen – so zumindest die Absicht im Siegerentwurf des Teams um BeL Sozietät für Architektur. @Dewey Muller Partnerschaft mbB Architekten Stadtplaner

BeL gewinnt das Werkstattverfahren Hallen Kalk.

Das Werkstattverfahren Hallen Kalk ist zum Abschluss gekommen. Das Begleitgremium, besetzt mit Vertretern aus Politik und Planung, entschied sich für die Arbeit des Teams 1 aus BeL Sozietät für Architektur, Studio Vulkan, dem Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen und Prof. Dr. Guido Spars. Sie setzten sich durch gegen Trint + Kreuder (mit Lill + Sparla, der CG-Gruppe und Brenner Bernhard Ingenieure) und gegen De Zwarte Hond (mit Topotek 1, der Beos AG und der Isaplan Ingenieur GmbH).

Gemeinschaftliche und öffentliche Räume für den Stadtteil sollen entstehen.

Es war ein hartes Ringen um die größtenteils denkmalgeschützten, ehemaligen KHD Hallen im Kalker Süden. Zwei der Hallen, durch einen jahrelangen Sanierungsstau von der Stadt dem planmäßigen Verfall preisgegeben, sollten 2015 bereits abgerissen werden. Doch eine Bürgerinitiative kämpfte zäh und mit Erfolg um ihren Erhalt. Ende März dieses Jahres fiel der politische Beschluss, ein Werkstattverfahren einzuleiten. Dieses ist nun abgeschlossen, am 8. Juli fand das Finale statt, erst jetzt liegt die Dokumentation vor.

Synergetische Entwicklung: Die genossenschaftliche Nutzung wird durch frei finanzierte Objekte querfinanziert. @BeL + Studio Vulkan + Guido Spars + SVK

 

BeL und die Genossenschaft Hallen Kalk

„Als besondere Stärke wird das Zusammendenken von gebautem Raum, Akteuren und Prozessen hervorgehoben. Die vorgeschlagene partizipatorische Entwicklung durch eine Genossenschaft wird begrüßt,“ lobt die Jury. Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser von BeL stellen sich die Projektentwicklung als kooperatives Modell vor, das über einen langen Zeitraum gedacht und doch sofort startbereit ist – mit Zwischennutzungen, für die die Gebäude mit einfachen Maßnahmen ertüchtigt werden können. Mit im Team ist Prof. Dr. Guido Spars, der in Wuppertal zum Thema Projektentwicklung forscht und hier als unabhängiger Entwickler am kooperativen Ansatz mitgewirkt hat.

Cash cows zur Querfinanzierung der Gemeinschaftseinrichtungen: Büronutzung in Weiß, Wohnnutzung in Blau, Entwurf BeL @Dewey Muller Partnerschaft mbB Architekten Stadtplaner

Akteure im Quartier wie Stadtraum 5und4, die Pflanzstelle, die Bürgerinitiative Hallen Kalk und die Drogenhilfe sollen die Gründung einer Genossenschaft initiieren, die Grundstücke von der Stadt günstig kaufen oder pachten kann. Schul-, Fest-, Atelier-, Tanz- und Handwerkerhallen können kurzfristig entstehen und die vorhandenen Abenteuerhalle und Schauspielhalle ergänzen.

„Die Stadt macht ja deutlich, dass sie schnell voran gehen möchte und schon Ende 2018 möglicherweise die ersten Grundstücke freigibt,“ sagt Anne-Julchen Bernhardt. Damit sich dieses Modell finanzieren lässt, sollen 30.000 qm Geschossfläche an private Investoren verkauft werden. So wird es einen Büroturm geben, einen Turm mit Miniappartements, einen mit großen Wohnungen, einen Produktionshochhaus und einen Maisonette-Riegel.

Grünzonen erhöhen die Durchlässigkeit des Quartiers. „Die fußläufige gemischte Stadt geht dann bis an die Dillenburger Straße“, so der Entwurf des Planungsteams um BeL. @BeL + Studio Vulkan + Guido Spars + SVK

 

Grüne Durchgänge

Am Siegerentwurf positiv bewertet wird auch, dass viele der ehemals unzugänglichen industriellen Räume im Humboldtareal öffentlich genutzt werden sollen und dass eine große Grünfläche Verbindungen im Quartier und in den Stadtteil schafft. Der Park wird zum Bindeglied zwischen dem ehemaligen Kalker Friedhof, dem Platz zwischen Kapellen- und Franklinstraße sowie dem Kalker Stadtgarten. Die nördlichen Stirnseiten der Hallen werden durch den Park besonders hervorgehoben.

Hallenschule und Freiraumhalle

„Die große Frage ist, wie gelingt es, die beiden großen, zentralen Hallen, 70 und 71, öffentlich zugänglich zu machen.“ Das ist im Moment die große Sorge von Anne-Julchen Bernhardt von BeL bei der weiteren Planung des Projektes. Hier sollte eine neue, vierzügige Gesamtschule einziehen, so die Idee. Die Halle 70 wird durch das Entfernen der Oberlichtverglasung zur großen Freiraumhalle, in der sich der Schulhof, Sportflächen, ein Kindergarten, die Pflanzstelle und ein Gewächshaus unterbringen ließen, außerdem eine Mensa, die außerhalb der Schulstunden Anlaufstelle für das gesamte Quartier werden soll. Die eigentlichen Klassenräume entstehen in der Halle 71 entlang des Schulhofs oder besser gesagt, der Schulstrasse.

Halle 60, Innenansicht @Dewey Muller Partnerschaft mbB Architekten Stadtplaner

 

 

Die Zügel gelockert

Franz Josef Höing formuliert in der Einleitung zur Werkstattdokumentation stolze Worte: „Wir haben in Kalk ein Experiment gewagt – und wurden reich belohnt. Wir haben uns von Altbekanntem gelöst, die Zügel gelockert und im Werkstattverfahren Hallen Kalk hervorragende Ergebnisse erzielt.“ Das Gelände in städtischem Besitz gestattet „planungsbezogene Freiheiten“, so Höing, und die Stadt wagt hier ein experimentelleres Vorgehen bei der Stadtplanung.

Ein vielversprechender Ansatz, doch leider wird sie dabei von ihren eigenen Organen sabotiert. Eine schulische Nutzung der Bestandsgebäude hat das Schulamt ausgeschlossen und beharrt auf einen Neubau. Plan B der Architekten wäre eine kleinteiligere Nutzung der großen Hallen mit Werkstätten und Technikbetrieben, diese aber würde dem öffentlichen Raum nur wenig zutragen. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren, die Erzdiözese denkt über eine integrative, überkonfessionelle Schule im Rechtsrheinischen nach. Die Fertigstellung des Konzeptes ist für die erste Jahreshälfte 2018 vorgesehen. Die Zügel sind gelockert – hoffentlich lässt sich das Erzbistum auf den Galopp ein.

Henriette Reker präsentiert in der Kaiserin-Theophanu-Schule die Ergebnisse der Teams in Werkstatt 3. @Dewey Muller Partnerschaft mbB Architekten Stadtplaner

Die drei Konzepte sind mit den entsprechenden Modellen im Bezirksrathaus Kalk, Kalker Hauptstraße 247-273, in 51103 Köln, bis zum 20. Oktober 2017 ausgestellt.

Ira Scheibe

Die ausführliche Dokumentation des Verfahrens auf www.hallen-kalk.de

 

 

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