Ansicht Halle 17 vom Quartiersplatz © Visualisierung HHVISION

Was tut die Halle 17 für das Clouth-Quartier?

Wenn Maßnahmen anstehen, die Stadtteile und Quartiere nachhaltig transformieren, verändert das den Blick auf den Bestand. Was Jahre oder Jahrzehnte kaum beachtet oder gar übersehen wurde, wird plötzlich zum Bedeutungsträger, zum Symbol und zum Identitätsstifter. Gerade bei den großen Konversionsflächen, bei denen gleich hektarweise neue Stadt gebaut wird, ist der Erhalt der Industriedenkmäler immer ein wichtiger Aspekt im öffentlichen Diskurs. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt des Denkmals, um die Identität, die der Ort aus seiner Geschichte gewinnt, sondern auch um die Spielräume, die die Nachnutzung dieser unkonventionellen Räume eröffnet. Oft sind es einige Tausend Quadratmeter, die neu bespielt werden können, wenn ehemalige Industriehallen in die Konzepte integriert werden. Als Folge von sehr beliebten und einzigartigen Zwischennutzungen ist der Wunsch groß, die Hallen dauerhaft mit einer kulturellen Nutzung zu bespielen und das Denkmal als öffentlich städtisches Erbe zu definieren.

 

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Halle 17 vor der Sanierung. Foto: Stefan Zeltwanger

 

 

„Sofern wirtschaftlich machbar“ ist derzeit die offizielle Formulierung, wenn über den Erhalt der alten Güterhalle auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Ehrenfeld gesprochen wird, eine Entscheidung gibt es noch nicht. Oft erscheint ein Abriss zunächst kostengünstiger, da Sanierungen im Industriehallenmaßstab teuer und aufwendig sind und neue, ungeprobte Ansätze fordern. Doch eine Welle der Entrüstung ging im Sommer 2015 durch Köln und brachte den Kulturausschuss des Rates schließlich dazu den Abriss der KHD-Hallen 76 und 77 kurzfristig zu stoppen. Ideen für deren Nachnutzung gibt es genug (ein Tanzhaus, eine Kunsthalle oder eine Markthalle so Boris Sieverts), laut der Kulturdezernentin müssten jedoch etwa neun Millionen Euro in die Sanierung investiert werden.

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Innenansicht der Halle17 vor der Konversion im Mai 2015 © Foto: Christian Wendling

 

 

Halle 17

Auch bei der Konversion des Geländes der ehemaligen Clouth Gummiwarenfabrik spielte der Erhalt der Denkmäler in der öffentlichen Diskussion eine große Rolle. Nicht zuletzt auch wegen der Künstler, die darin Ateliers eingerichtet hatten. Künstler und Industriedenkmäler machen sich immer gut als Garant für ein urbanes Quartier, denn groß ist die Angst vor leblosen tabula-rasa-Planungen. Die Künstler müssen das Clouth-Quartier nun verlassen, doch die Halle 17, die nicht nur wegen ihrer Lage in der geografischen Mitte des Areals immer als Herzstück bezeichnet wurde, ist dort zu einem wesentlichen Baustein geworden. Der eindrucksvolle Bau aus dem Jahr 1928 ist ca. 125 lang und 35 Meter breit, charakteristisch ist seine Backsteinfassade mit den großen Fensterflächen, sowie die Fachwerkträger, die heute ohne Dachflächen die gesamte Breite der Halle überspannen.

 

Industriedenkmal mit Denkmalschutz Afa: Ansicht Halle 17 vom Quartiersplatz © Visualisierung HHVISION

 

2013 lobte moderne stadt, die das ehemalige Werksgelände mit den Bestandsbauten erworben hatte, einen Investorenwettbewerb aus, um verschiedene Möglichkeiten durchspielen zu lassen „die Halle mit neuen Konzepten zu einem attraktiven Mittelpunkt des Quartiers zu entwickeln“. Nach dem sehr positiv aufgenommenen Entscheid des Wettbewerbs für die Freiflächen, den KLA kiparlandschaftsarchitekten aus Duisburg zusammen mit dem Aachener Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier gewannen, hofften viele darauf, dass die Halle 17, die direkt an dem über 7000 Quadratmeter großen grünen Quartiersplatz liegt, mit Nutzungen bespielt wird, die den „Herzstück-Charakter“ fortschreiben. Gewonnen hat das Inverstorenverfahren der Essener Projektentwickler formart mit einem Entwurf des Kölner Büros Jürgensen & Jürgensen.

 

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Die Erschließung der 47 zwischen 55 und 168 Quadratmeter großen Wohnungen erfolgt über den hofartig gestalteten offenen Innenraum © Visualisierung HHVISION

 

Bis Sommer 2018 werden in der bis auf die Backsteinfassade zurückgebauten Halle 17 siebenundvierzig Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, darunter auch Maisonetten und Penthouses, entstehen, die über einen halböffenltichen Wohnhof in der Längsachse des Gebäudes von innen heraus erschlossen werden. So orientieren sich auch die Ergeschosswohnungen, die zwar eine Loggia auf den Quartiersplatz haben, hauptsächlich in den Innenraum. Zwei zentrale Fensterachsen sind als Portale in die Halle geöffnet, können jedoch nachts geschlossen werden. Der dreigeschossige Neubau sitzt wie ein Implantat in der historischen Hülle, deren Gliederung und Materialität auf diese Weise zwar erhalten werden konnte, das Denkmal selbst aber zur Industrieflair-Tapete degradiert wird. Schade ist hier wirklich, dass der großen Herausforderung, die dieses außergewöhnliche Bauwerk im Zentrum eines neuen Quartiers den Entwicklern stellt, eine derart konventionelle Lösung folgt. So ist die Zukunft der Halle 17 nie kommuniziert worden.

Fraglich ist derzeit auch noch, ob die so dringend gewünschte Nutzungsmischung realisiert werden kann. Abhängig ist dies davon, ob sich der Verein Kölner Spielewerkstatt den Erwerb von rund einem Sechstel der Erdgeschossfläche wird leisten können. Denn geplant ist dort auf 500 Quadratmetern die Einrichtung eines Kulturhauses, in dem die gemeinnützige Initiative ein Atelier mit Mal- und Werkraum, einen großen Veranstaltungssaal und einer großen Küche einrichten möchte, um ihr bereits in Nippes etabliertes Angebot ausweiten zu können. Die Entscheidung soll noch im März fallen.

 

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Neubau in Industriekulisse, Halle 17 © Visualisierung HHVISION

 

Auf den Visualisierungen ist eine Außengastronomie dargestellt, dies entspricht zumindest in Teilen dem Wunsch von vielen Clouth-Bewohnern der zukünftig rund 1100 Wohneinheiten, die ihren täglichen Bedarf über die vorhandene Infrastruktur in Nippes decken müssen. Mit einem Café und einem  Kinderkulturprogramm, das von einem gemeinnützigen Verein getragen wird, ließe sich vielleicht doch noch ein Teil der Herstückidee im Clouth-Quartier umsetzen.

 

(red./ka)

 

Lesen Sie hierzu auch: Neue Puzzlesteine für Clouth

 

Zum Thema: Eine schöne Zwischennutzung gibt es seit Oktober 2015 mit der Boulehalle Köln (Hafenstraße 3, Rheinboulevard Mülheim).

 

 

 

 

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