Entwurf zum Heliosgelände von Sarah Gräfer im Auftrag der Ratsgruppe "Deine Freunde". Bild: Sarah Gräfer Architektur
Entwurf zum Heliosgelände von Sarah Gräfer im Auftrag der Ratsgruppe "Deine Freunde". Bild: Sarah Gräfer Architektur

Der Stand der Planung rund um die Heliosschule

Erwartungsvolle Stille stellt sich schon um kurz vor sieben im weißen Kubus des Haus der Architektur ein – die Anwesenden wollen mehr wissen über den aktuellen Planungsstand in Sachen Heliosgelände. „Die Schule ist gesetzt!“ werden die Leiterin des Stadtplanungsamts Anne Luise Müller und der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges im weiteren Verlauf des Abends mehrfach und sogar im Chor bekräftigen. Die Umgebung der geplanten Inklusiven Universitätsschule, für die Schilling Architekten im letzten Juli den Wettbewerb gewonnen hatte, ist aber noch in der städtebaulichen Rahmenplanung.

Kritikpunkte der Ratsgruppe "Deine Freunde" am Bebauungsplan-Vorentwurf. Bild: "Deine Freunde"

Kritikpunkte der Ratsgruppe „Deine Freunde“ am Bebauungsplan-Vorentwurf. Bild: „Deine Freunde“

 

Alternativplanung zum Vorentwurf 

Der von der Verwaltung überarbeitete Rahmenplan wurde von Bezirksvertretung und Stadtentwicklungsausschuss abgelehnt – oder wie Anne Luise Müller präzisiert: Mit dem Auftrag der Überarbeitung an die Verwaltung zurückgegeben. Darauf wollte die Ratsgruppe „Deine Freunde“ nicht warten – sie haben sechs Hauptpunkte ausgemacht, in denen die derzeitige Planung von den Ergebnissen des Bürgerbeteiligungsverfahrens abweicht und die Architektin Sarah Gräfer beauftragt, eine Alternativplanung zu entwickeln, die diese wieder stärker einbezieht. So hat sie den Hauptzugang näher an die Venloer Straße gelegt um eine Sichtachse auf die Fassade der Rheinlandhalle zu schaffen. Die Einzelhandelsfronten im Erdgeschoss wurden zurückgesetzt um am Ehrenfeldgürtel den Fußgängerweg zu verbreitern und die Höfe der Wohnhäuser wurden wieder geöffnet, um die Grünflächen zugänglich zu machen.

Lageplan des Alternativentwurfs zum Heliosgelände. Bild: Sarah Gräfer Architektur

Lageplan des Alternativentwurfs zum Heliosgelände. Bild: Sarah Gräfer Architektur

 

Wie viel Nutzfläche darf es sein? 

Auf einhellige Zustimmung bei den Zuhörern stößt die Idee, die Anlieferung der Rheinlandhalle zu verändern. Im derzeitigen Plan ist eine Umfahrung der Halle vorgesehen – am Schulhof entlang. Gräfer nutzt einen der Plätze als Wendefläche und kann so den Schulhof grüner gestalten und intensiver für den eigentlichen Zweck nutzen. Wesentlich stärker diskutiert werden die Geschosshöhen im Kulturbereich und die Höhe der Wohngebäude – und damit die geplanten Nutzflächen. Im Vorentwurf des Bebauungsplans waren diese deutlich höher, als die im kooperativen Gutachterverfahren ermittelten Werte. Die nun vorgestellte Alternative will vermitteln, und liegt dabei immer noch 3.000 qm über dem Wettbewerb. Dies sei schon eine Dichte von 2,7, betont Architektin Sarah Gräfer, und damit absolut angemessen für die Lage. In innerstädtischen Lagen sei eine höhere Ausnutzung tolerabel und entspreche den Anforderungen, hält Anne Luise Müller dagegen, es werde zukünftig eine noch stärkere Verdichtung in der Stadt geben.

Massenmodell des Heliosgeländes nach dem Bebauungsplan-Vorentwurf der Stadt. Bild: Sarah Gräfer Architektur

Massenmodell des Heliosgeländes nach dem Bebauungsplan-Vorentwurf der Stadt. Bild: Sarah Gräfer Architektur

 

Am Bürger vorbei? 

Die Dichte sei ein wichtiger Punkt, wirft Moderator Burkard Dewey ein, denn sie habe immer auch mit der Finanzierung zu tun. Wenn man von Wohnungsentwicklung spreche, dann auch von Dichte in der Stadt. Dies würde wohl keiner der Anwesenden bestreiten. Unklar bleibt hingegen, warum und wie es zu den erheblichen Änderungen im Entwurf der Verwaltung gegenüber dem Ergebnis des Beteiligungsverfahrens gekommen ist. „Als Bürger fühlt man sich nicht ernst genommen, wenn sich dann Verwaltung und Investoren wieder zurückziehen und etwas untereinander ausmachen“, lautet ein Vorwurf aus dem Publikum. Von einem Affront ist die Rede, es würde der Eindruck entstehen „die machen doch eh was sie wollen“. Und dieser Eindruck kann im Laufe des Abends auch nicht ausgeräumt werden. Geholfen hätte sicher, wenn ein Vertreter des Investors Zeit gefunden hätte, wie geplant anwesend zu sein. So ist die Verwaltung in Person von Anne Luise Müller gezwungen, auch dessen Interessen zu verteidigen – und betont immer wieder, dass Planung ein Prozess sei. Die Anregungen aus der Alternativplanung und aus dem Abend würden aufgenommen, im März gebe es ohnehin noch einmal einen Workshop mit den Beteiligten und man würde halt gerade den Plan überarbeiten. In jedem Fall reichte „Eine Stunde Baukultur“ im Haus der Architektur nicht aus, um alle Zweifel auszuräumen, dass Bürgerwille und Planungsrealität dann doch wieder auseinanderlaufen.

Vera Lisakowski 

 

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