"Lommi" Foto: Elmar Lixenfeld, Abbildung aus Monumente Band 13, Köln

Essays und Bilder von Angela Pfotenhauer und Elmar Lixenfeld

In der MONUMENTE Edition, herausgegeben von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist in diesem Sommer als 13. Band „Köln“ erschienen.

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Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz

In 53 Essays, die mit zahlreichen Farbfotografien bebildert sind, schildern die Autorin Angela Pfotenhauer und der Fotograf Elmar Lixenfeld wie praktische Denkmalpflege in Köln funktioniert. Sie zeigen nicht nur wie reich Köln an Baudenkmälern von der römischen Zeit bis zur Nachkriegsmoderne ist, sondern lesen die Zeichen der Vergangenheit in ihrem gegenwärtigen Kontext. Vieles, das als baukulturell wertvoll betrachtete wird, ist vollkommen in den Alltag der Stadt integriert, wird bewohnt und benutzt und geht manchmal fast darin unter. So wie das echte Leben keine Samthandschuhe für den Umgang mit Baudenkmälern bereithält, zeigt Elmar Lixenfeld die ausgewählten Objekte: keine prätentiöse und bereinigte Architekturfotografie, sondern situative Aufnahmen, die das Unperfekte zulassen: Straßenmaler, Fahrradfahrer, Mülltonnen, Schulklassen und immer wieder Passanten. Dies ist kein Architekturbuch, eher ein Magazin für Kölner und Kölnbesucher, das das Triviale auf durchaus unterhaltsame Weise mit dem wissenschaftlich Fundierten verknüpft.

 

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„Köln verbunden“

Natürlich geht es um die Dom, an ersten Stelle sogar, doch Angela Pfotenhauer beginnt ihr Essay mit einem Berliner Online-Versand für Liebesschlösser, wie sie sich inzwischen zu Tausenden auf der Hohenzollernbrücke finden sind. Doch dann erzählt sie die Geschichte des Kölner Doms, knapp und anschaulich ohne den Kontakt zur Gegenwart abreißen zu lassen. Richterfenster steht neben Dreikönigsfenster und der Dom ist wie immer voll von Menschen, die versuchen, die gewaltigen Eindrücke mit ihren Handykameras festzuhalten.

 

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Sankt Gertrud, Foto: Elmar Lixenfeld, Abbildung aus Monumente Band 13

 

 

 

 

 

 

 

„Die bescheidene Kölner Schule“

Mehrere Texte widmen sich den inzwischen hoch geschätzten Baudenkmälern der Nachkriegsmoderne, darunter Madonna in den Trümmern, das Museum für angewandte Kunst, St. Gertrud und St. Stephan sowie und die Auferstehungskirche in Buchforst. Angela Pfotenhauer schreibt keine Baubeschreibungen, sondern erzählt, warum die Gebäude so sind wie sie sind.

 

 

 

„Lückenschluss“

Dem Umgang mit Baulücken in der Stadt ist ein eigner Essay gewidmet. Das Beispiel hier ist Kölns schmalstes Haus, mit dem Arno Brandlhuber und Bernd Kniess 1997 eine 2,56 m breite Lücke schlossen. Allerdings schließt dieser Text mit der Warnung die vielgestaltigen Lückenschließungen der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg nicht vorschnell abzureißen, denn dadurch „verlieren die Veedel ihr Gesicht – ganz wörtlich, baulich wie menschlich.“

 

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Grab von Dirk Bach, Foto: Elmar Lixenfeld, Abbildung aus Monumente Band 13

 

 

 

 

„Danke für die schönen Lieder“

Pfotenhauer und Lixenfeld zeigen keine Scheu vor Kölschen Themen: Hänneschen-Theater, Altstadt, 4711-Haus, die Gaststätte Lommerzheim, die rosa Bank am Grab von Dirk Bach und natürlich der Karneval. Nichts ist zu banal, denn alles hat Tradition und Geschichte und fügt sich ein in das bunte Bild, das der Monumente-Band von der Stadt zeichnet. Denn so erklärt sich das Buch selbst: „Wir zeigen auch an unterwarteten Beispielen, wie denkmalpflegerisch ausgerichtetes Denken, Eingreifen und Streiten die von der Stadtöffentlichkeit geschätzte Lebenswirklichkeit bereichert.“

 

 

 

„Drahtzieher in Mülheim“

Die Texte über die Konversion der Industrieflächen in Mülheim und der Umnutzung von St. Bartholomäus in Ehrenfeld als Kölns erstes Kolumbarium zeigen interessante Perspektiven, wie sich die Denkmalpflege der Zukunft noch stärker als bisher an der Gestaltung der Stadt beteiligen kann.

 

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Doppelseite aus Monumente Band 13 „Köln“

 

 

Es ist, so wie im Untertitel angekündigt ein Buch zum Lesen und Schauen, dem es bei aller Fülle ein wenig an Struktur mangelt. Es geht quer durch alle Jahrhunderte und die ursprünglich angelegte geografische Ordnung der Texte wird durch die Vielfalt der Themen und Betrachtungen konterkariert. Damit ist der Band der Stadt, dessen Porträt er zeichnet, formal schon sehr nahe gekommen.

 

Uta Winterhager

 

Am Mittwoch, dem 09.07.2014 um 19:00 Uhr  wird das Autorenduo den Lese- und Bildband „Köln“ in einem unterhaltsamen Lichtbildvortrag in der Stadtbibliothek Köln, Josef-Haubrich-Hof 1 vorstellen.

Eine Veranstaltung der Stadtbibliothek Köln in Kooperation mit dem hdak. Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

 

Köln: Ein Essay- und Bildband zu alten und neuen Sehenswürdigkeiten

Angela Pfotenhauer (Text) und Elmar Lixenfeld (Fotos).

19,80 Euro (Festeinband)
14,80 Euro (Paperback)

Verkauf über Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie im Buchhandel

 

Die Autoren:

Dr. Angela Pfotenhauer, Jg. 1963. Studium Kunstgeschichte, Deutsche Philologie, Geschichte in Köln. Archäologische Grabungen und Bauforschung. Bis 1997 Chefredakteurin der Zeitschrift Monumente, herausgegeben von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Seit 1998 freie Journalistin.

Elmar Lixenfeld, Jg. 1963. Studium der Visuellen Kommunikation in Offenbach und an der Accademia di Belle Arti, Rom. Arbeitet seit 1989 konzeptionell, typografisch, fotografisch, schriftentwerferisch, zeichnerisch, plastisch. Hauptsächlich buchgestalterisch. 2009/2010 Jurymitglied beim Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“.

 

 

Uta Winterhager

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