„Transit“ – vorübergehende Literatur am Ebertplatz

Fünf Wochen lang 31 Texte auf 50 laufenden Metern

Seit Freitag, dem 9. April 2021 zeigt „Unser Ebertplatz“ erneut, wie sich Stadtraum durch künstlerische Kreativität beleben lässt. Aufgrund der Corona-Pandemie können seit Monaten keine klassischen Kulturformate und Literaturformate in Innenräumen stattfinden. Das Projekt „TRANSIT – Vorübergehende Literatur am Ebertplatz“ schafft nun mit Beginn der wärmeren Jahreszeit einen neuartigen Zugang zur Gegenwartsliteratur. Ab Freitagabend rollen kurze literarische Texte auf einem großen LED-Laufband über den Platz. Das LED-Laufband ist auf den Waschbeton-Fries oberhalb der Kunstraumpassage montiert und verwandelt den Ebertplatz mit seinen zahlreichen Sitzmöglichkeiten und Teilflächen zum großflächigen Open Air-Resonanzraum.  

„Transit“ vorübergehende Literatur am Ebertplatz © Foto Stadt Köln

Das Literaturprogramm der fünf kommenden Wochen gestaltet sich so, dass täglich von 9 bis 20 Uhr fünf bis sechs Texte präsentiert werden. Von 20 bis 23 Uhr, sozusagen zur „Prime Time“, ziehen dann alle 31 Texte über das Laufband.  

In einer pandemiezerrissenen Zeit, die Lesungen, Festivals und Gespräche über Literatur in den digitalen Raum verschoben hat, ist die Laufband-Lektüre am Ebertplatz ein großer Gewinn, um literarisches Erleben wieder in den öffentlichen Raum zu bringen und Gegenwartsliteratur einem mitunter ganz neuen Publikum zugänglich zu machen. Wer den Ebertplatz in den kommenden Wochen betritt, erfährt eine charmante Verbindung von Alltag und Ausnahme, die sich in den dichten Texten widerspiegelt.“ (Sonja Lewandowski, Jury)

Ein Zusammenschluss Kölner Literaturveranstalter*innen hatte im Vorfeld mit einer öffentlichen Ausschreibung zum Einsenden von Texten aufgerufen. Autor*innen reichten insgesamt rund 600 Texte – in deutscher Sprache, aber auch in weiteren Sprachen  – ein. Einige Texte stellen einen Bezug zum Ebertplatz in seiner Besonderheit her, andere beschäftigen sich mit der aktuellen Situation.  

„Transit“ vorübergehende Literatur am Ebertplatz © Foto Stadt Köln

Annähernd 600 Einsendungen – wir waren überwältigt. Poetisches, Alltagsgeschichten, formal spannende Texte – in vielem waren wir uns einig, anderes haben wir heiß diskutiert. Schließlich hat sich aus den anonym ausgewählten Texten auch mit Blick auf die Autor*innen eine erfreuliche Vielfalt herauskristallisiert.“ (Ute Wegmann, Jury)  

„Transit“ vorübergehende Literatur am Ebertplatz © Foto Stadt Köln

31 Texte wählte die siebenköpfige Jury aus, die aus Veranstalter*innen der Kölner Literaturszene besteht. Dazu zählen die Lesereihen „Land In Sicht“ und „Literaturklub“, das Literaturmagazin „KLiteratur“, das Festival „Insert Female Artist“ und das Veranstaltungsformat HEIMSPIEL sowie Brunnen e.V. und freie Akteur*innen. Gemeinsam koordinieren sie das vom Kulturamt geförderte Projekt mit „Unser Ebertplatz“; weitere Unterstützung kommt vom Literaturhaus Köln und der Literaturszene Köln e.V.  

„Transit“ vorübergehende Literatur am Ebertplatz © Foto Stadt Köln

Zu den ausgewählten Autor*innen gehören unter anderem die ehemaligen Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendiaten Thorsten Krämer und Christoph Wenzel, aber auch die bereits 1984 verstorbene Autorin Semra Ertan, die sich aus Protest gegen Rassismus öffentlich selbst verbrannte. Neben etablierten Autor*innen wie Simone Scharbert und dem ehemaligen Atelier-Galata-Stipendiaten der Stadt Köln, Selim Özdogan, wurden viele junge Schreibende ausgewählt, die auch in anderen künstlerischen Bereichen aktiv und gesellschaftspolitisch engagiert sind. Viele der ausgewählten Nachwuchsautor*innen  kommen aus den literarischen Schreibstudiengängen der Hochschulen in Köln oder dem Literaturinstitut in Leipzig.   

„Transit“ vorübergehende Literatur am Ebertplatz © Foto Stadt Köln

„Transit“ ist ein Corona-konformes Outdoor-Format, das die Stadt Köln der Kulturszene, allen voran der Literaturszene und den Autor*innen, als Vermittlungsplattform zur Verfügung stellt. Der Anstoß von Kulturamt und Zwischennutzer*innen wurde von der freien Literaturszene sofort aufgegriffen und in Eigenregie weiterentwickelt. Im Anschluss an die fünf Wochen ist geplant, das 50 Meter breite und ein Meter hohe LED-Display visuellen Künstler*innen zur Gestaltung zur Verfügung zu stellen.   

„Transit“ ist Teil der Zwischennutzung Ebertplatz, die von der Stadt Köln koordiniert und gemeinsam mit vielen Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft umgesetzt wird. Seit Frühjahr 2018 gab es zahlreiche Kulturformate und Gestaltungsimpulse, die den Platz belebten und beliebter machen.  

Autor*innen der Texte (komplette Liste in alphabetischer Reihenfolge):

Eliza Ballesteros, Judith Baumgärtner, Helen Brecht, Aygen-Sibel Çelik, Doombot (Julia Knaß und Thomas Hainscho), Semra Ertan, Charlotte Luise Fechner, Marie Fromme, Nicol Goudarzi, Harriet Grabow, Helen Hermens, Rike Hoppse, Uwe Huth, Simin Jawabreh, Sascha Kokot, Thorsten Krämer, Jonathan Löffelbein, Daniel S. Lucien, Mehregan, Selim Özdogan, Simone Scharbert, Jan Schillmöller, Nora Schramm, Ruždija Russo Sejdović, Amelie Soyka, Christoph Wenzel, Lars Weylthaar, Nushin Isabelle Yazdani, Eva Zirker, Barbara Zoschke

red | uw

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