Fassade in scheinbarer Bewegung © Foto Martin Gaissert

Der Neubau des Nawi-Medi der Deutschen Sporthochschule Köln läuft so und so

Sport und Grün sind wunderbare Partner, das spürt jeder, der am Wochenende seine Laufrunde durch den Wald dreht. Im etwas größeren Maßstab hat sich der Sport gleich mit mehreren Institutionen im Kölner Grüngürtel etablieren können. Auf dem Müngersdorfer Abschnitt der ehemaligen Befestigungsanlagen liegen dicht beieinander, aber durch die gewachsenen Baumbestände abgeschirmt, nicht nur das Rheinenergiestation (gmp, 2004) und das Radstadion (Herbert und Ralph Schürmann, Münster 1996), sondern auch zahlreiche Sportstätten, Institute und Einrichtungen der Sporthochschule. Schon 1947 wurde sie dort gegründet, und ist mit 6.900 Studierenden inzwischen die größte Sporthochschule Europas.

Treffpunkt unter Dach und Blätterdach © Foto Jens Kirchner

Was hinter dem Sport steckt

Dass dort nicht nur aktiv Sport betrieben wird, gekickt, geworfen, geturnt wird, sondern auch viel Theorie vermittelt und erarbeitet wird, erklärt sich aus der Aufgabenstellung der Hochschule. Um dieser Forschung ideale Voraussetzungen zu bieten, lobte der BLB NRW 2009, aufbauend auf dem Masterplan der Hochschulstandort-Entwicklungsplanung, einen Wettbewerb für einen Ersatzneubau für die natur- und gesundheitswissenschaftlichen Institute am nordöstlichen Rand des Campus, in unmittelbarer Nachbarschaft der zentralen Institutsgebauten am Sportpark Müngersdorf aus.

Lageplan Sportpark Müngersdorf © kadawittfeldarchitektur


Das für das SpoHo Nawi-Medi genannte Laborgebäude trägt mit seinem auf 16.090 qm BGF organisiertem Raumprogramm zur Steigerung der Flächeneffizienz wie auch zur Sicherung und Arrondierung des Standortes der Deutschen Sporthochschule bei. Doch neben der hohen Funktionalität erwarteten die Auslober eine hohe Gestaltqualität.

Grundriss Erdgeschoss Nawi-Medi © kadawittfeldarchitektur

Unter dem Blätterdach

Im Wettbewerb konnten kadawittfeldarchitektur (Aachen) überzeugen, bis zur Eröffnung des Gebäudes im Frühjahr 2019 sind jedoch einige Jahre mehr vergangen, als zunächst von allen Seiten angesetzt waren. Der schmale fünfgeschossige Riegel erhält durch eine plötzliche Krümmung, mit der die unteren drei Geschosse der Rundung des benachbarten Radstadions folgen, während die Obergeschosse von überschlanken Stützen getragen werden, eine dynamische Anmutung.

Ordnung und Orientierung trotz verschwimmender Konturen. © Foto Aryan Mirfendereski

Mit der Auskragung der gerade weitergeführten beiden oberen Geschossen schufen die Architekten eine wettergeschützte Plaza, die die umgebenden Bäume als Platzrand einbezieht. Dieser Platz soll nicht nur den Eingang in den Neubau markieren, sondern ein zentraler Ort der Kommunikation auf dem Campus werden.

Farbe, Licht und Kunst am Bau im Foyer des Nawi-Medi © Fotos Jens Kirchner

Auffällig sportlich ist auch die Gebäudehülle des Neubaus aus vertikal stehenden perforierten Aluminium-Lamellen. Sie sorgen für den jeweils benötigten Sicht- und Sonnenschutz und Hüllen den gesamten Baukörper in ein homogenes Gewand. Die Länge der Fassaden wird durch die dichte Staffelung der Elemente zu einer dynamischen Erfahrung, die Geschossigkeit dagegen bleibt ablesbar und eindeutig.

© Foto Aryan Mirfendereski

Dass die metallische Oberfläche das Grün der Umgebung wiederspiegelt ist ein unaufdringlicher Effekt, der Haus in seinen räumlichen Kontext einbindet. Verstärkt wird dieses Mimikry durch die von Club L94 gestalteten Außenanlagen.

Uta Winterhager

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