Besucher in Haus Lange mit Augmented-Reality-Brille. Foto: Dirk Rose
Besucher in Haus Lange mit Augmented-Reality-Brille. Foto: Dirk Rose

Zum Bauhaus-Jubiläum wurden Haus Esters und Haus Lange saniert.

Hach! Endlich wieder in Krefeld. Nun gut, diese Aussage können womöglich nur Architekturliebhaber verstehen: Krefeld, wo Mies van der Rohe Ende der 1920er Jahre seine beiden wunderbaren Fabrikantenvillen Haus Esters und Haus Lange baute. Über ein Jahr waren sie geschlossen – es musste saniert werden. Nun aber sind beide Häuser wieder zugänglich und fast ganz leer, nichts lenkt von den Details ab.

Originaldeckenlampe von Mies van der Rohe in Haus Lange. Foto: Volker Döhne
Originaldeckenlampe von Mies van der Rohe in Haus Lange. Foto: Volker Döhne

Um die Renovierung wahrzunehmen muss man allerdings sehr genau hinsehen – den deutlichsten Hinweis geben die Fallrohre, die wieder in hellem Kupfer glitzern. Ganz behutsam sind die Restauratoren vorgegangen, haben Bauschäden beseitigt und den Originalzustand bewahrt oder wiederhergestellt. So zum Beispiel beim Holzfußboden. Das Parkett konnte nicht noch einmal abgeschliffen werden, das Furnier hätte dabei Schaden nehmen können. So hat man getüftelt und schließlich den Oberflächenlack mit einem Beizmittel gelöst, so dass er abgezogen werden konnte. Dann wurde die Oberfläche vorsichtig restauriert, eingeölt und mit einer Wachsschicht versehen. Dieses aufwändige Verfahren mit offenbar robustem Ergebnis hat uns davor bewahrt, dass das edle Parkett unter einem Teppich verschwindet, weil die Besucher den Holzboden zu stark abnutzen könnten.

Esszimmer in Haus Lange. Foto: Volker Döhne © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Esszimmer in Haus Lange. Foto: Volker Döhne © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Perfektion bis ins Detail

Wie beim Parkett sind es die kleinen, durchdachten und herausragend designten Details, die in Haus Esters und Haus Lange begeistern: Türgriffe und Deckenlampen, die Einbau-Vitrinen oder die Küche mit den kantigen Einbau-Waschbecken und diesem überdimensionalen Herd. Momentan sehen die Villen aus, wie bereit zum Einzug. Und wer würde dort nicht sofort einziehen wollen? OK, die riesigen Fensterflächen sorgen selbst an einem kühlen Märztag dafür, dass die Sonne das Raumklima auf Hochsommer stellt, dafür bieten sich gemäldeartige Ein- und Ausblicke und Räume fast ohne Begrenzung. Dieser Effekt lässt sich sogar noch verstärken: Die Fenster können in den Keller versenkt werden – das allerdings bekommt der Besucher normalerweise nicht zu sehen. Genauso wie die Tragstruktur, die die großen Fenster erst möglich macht: Eine Kombination aus Mauerwerk und Stahlträgern, gerade im Modell im Obergeschoss von Haus Lange zu sehen.

Küche mit originaler Ausstattung in Haus Lange. Foto: Volker Döhne © VG BILD KUNST BONN
Küche mit originaler Ausstattung in Haus Lange. Foto: Volker Döhne © VG BILD KUNST BONN
Modell der Tragstruktur. Foto: Vera Lisakowski
Modell der Gebäudestruktur. Foto: Vera Lisakowski

Projektion der Vergangenheit

Ausschließlich als Wohnhäuser waren die Villen aber nie geplant. Das erfährt, wer sich die Augmented-Reality-Brille in Haus Lange aufsetzt. Dann sieht man im derzeit leeren Salon die Möbel, die Lilly Reich und Mies van der Rohe für den Raum eigentlich geplant hatten. Hermann Lange aber wollte seine vorhandenen Möbel aufstellen – und seine Kunstsammlung. Teile der Werke sind über die Brille in der erweiterten Realität zu sehen, so wie die Kammer, in der ursprünglich Marie Langes Orgel stand.

Screenshot der ursprünglich geplanten Einrichtung für Haus Lange in der AR-Anwendung. Programmiert von cognitas.
Screenshot der ursprünglich geplanten Einrichtung für Haus Lange in der AR-Anwendung. Programmiert von cognitas.

Diese noch bis 14. April zu erlebende Anwendung bildet den Prolog zu einer Ausstellungs-Trilogie, die sich ab Anfang Mai unter dem Titel „Anders Wohnen“ mit Wohnkonzepten beschäftigt: Künstler, Designer und Architekten füllen die mit Utopie – Mobilität – Dystopie überschriebenen Ausstellungsteile, die im Januar 2020 in ein großes Bauhausfest münden. Genug Gelegenheit also, endlich mal wieder nach Krefeld zu fahren.   

Vera Lisakowski

Weitere Informationen unter www.kunstmuseenkrefeld.de

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