Der Deutsche Lichtdesign-Preis 2016

In gleich zwei Kategorien – darunter auch die Königsdisziplin der Kulturbauten – war das Kölner Büro arens faulhaber lichtplaner (Corinna Arens und Dorette Faulhaber) beim Deutschen Lichtdesign-Preis 2016 erfolgreich. Eines ihrer Projekte haben wir auf dieser Seite (wie auch in unserem Architekturführer) bereits vorgestellt, das andere liegt zwar in Maria Laach und damit nicht mehr im koelnarchitektur-Revier, sollte aber, da es ein so ungewöhnliches und reizvolles Projekt ist, an dierser Stelle ebenfalls vorgestellt werden.

Mit dem ideellen Preis, der von einer unabhängigen Jury für herausragende Beleuchtungslösungen verliehen wird, wollen die Veranstalter der professionellen Lichtplanung – als ein wesentliches Modul für die Qualität der gebauten Umwelt – öffentliche Wertschätzung verleihen. Denn im europäischen Raum findet der in den USA und Großbritannien seit langem etablierte Beruf des Lichtdesigners erst seit wenigen Jahren auf breiter Ebene Anerkennung. Beteiligen können sich Büros aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Benelux.

 

Kategorie: Kulturbauten

Grabeskirche St. Bartholomäus, Köln

Fast mag man es als eine glückliche Fügung bezeichnen, dass es die unter dem Einfluss der brutalistischen Strömungen in den späten 50er Jahren von Hans Schwippert geplante Saalkirche St. Bartholomäus war, die für den Umbau zum Kolumbarium zur Verfügung stand, denn sie bot genau so viel oder wenig, wie es bedurfte, um darin einen Ort zu schaffen, an dem die Asche der Verstorbenen auf würdige Weise geborgen wird und Trauernde Trost und Hoffnung finden.

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Grabeskirche St. Bartholomäus, Köln © Foto Dietmar Strauss

 

Für diese junge Bauaufgabe gibt es keine Standardlösung, wohl aber strenge liturgische Auflagen. Das Erzbistum Köln schreibt vor, dass der Ort der Trauerfeier vom Ort der Beisetzung räumlich getrennt sein muss. Die Architekten Kissler + Effgen realisierten mit den Lichtplanerinnen arens faulhaber einen Entwurf, der mit der Offenheit und Klarheit des Kirchenraumes arbeitet und Räume allein mit Licht und Schatten, goldenem Glanz und erdigem Dunkel bildet.

An den Seiten des Mittelschiffs platziert, öffnen sich die mit brüniertem Messingblech verkleideten Urnenwände in zehn Kabinetten, die mit formal reduzierten Pendelleuchten markiert werden. In der Mitte des Raumes liegt die Kapelle, abgeschirmt nur durch ein bronzenes Ringgewebe, dessen Transparenz über die Beleuchtung steuerbar ist. Während des Trauergottesdienstes wird das Gewebe von Innen, durch Streiflicht von oben, angestrahlt, die im Dunkel dahinter liegenden Urnengräber werden ausgeblendet. Während der Beisetzung wird die Kapelle von Außen angestrahlt, sie ist nun von kaum mehr einsichtig und das Netz reflektiert das Licht gleichmäßig in den Umgang und die Nischen.

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Grabeskirche St. Bartholomäus, Köln © Foto Dietmar Strauss

 

Ist die Kirche tagsüber für Besucher geöffnet, erscheint das Netz in beide Richtungen transparent und das golden changierende Material verleiht dem gesamten Innenraum eine unaufdringliche Wertigkeit.

Die Decke des Kirchenschiffs kann für Konzerte stimmungsvoll mit rotem Licht indirekt beleuchtet werden. Die Farbe führt das Lichtspiel der bemalten Kirchenfenster fort, die dem Raum bei Sonnenlicht eine rote Tönung geben. Es zeichnet dieses Projekt aus, dass alles – im Detail wie auch im Ganzen – so wohlplatziert und klar ist. Und dass es in dieser Klarheit ein Element gibt, das nicht eindeutig, nicht immer gleich ist, reflektiert auf wunderbare Weise, wie zwischen Leben und Tod die Grenzen der Erfahrung, des Bewusstseins und nicht zuletzt auch des Diesseits überschritten werden.

 

Lichtplanung: arens faulhaber lichtplaner Corinna Arens, Dorette Faulhaber

Bauherr: Katholische Kirchengemeinde „Zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen u. Bartholomäus“, Köln

Architekt/Innenarchitekt: Kissler + Effgen, Wiesbaden

 

 

Kategorie: Bildung

Klosterbibliothek Maria Laach

Die historische Klosterbibliothek Maria Laach ist ein außergewöhnlicher Ort, fast könnte man meinen, die Zeit sei stehen geblieben. Drei Räume von annähernd quadratischem Grundriss sind hintereinander gestellt. Im Zentrum des mittleren Raumes befindet sich eine gusseiserne Spindeltreppe, über die die drei Büchergalerien erschlossen werden. Über elf Meter hoch sind diese Räume, die ringsum mit den hölzernen Bibliothekseinbauten (Regalen und Stegen) eingerichtet sind. Fenster gibt es in der Bibliothek nicht, Tageslicht fällt allein durch die quadratischen Deckenöffnungen in die Räume.

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Klosterbibliothek Maria Laach, © Foto: Jens Kirchner

 

Die Lichtsituation in der Klosterbibliothek bedurfte einer grundlegenden Verbesserung, sodass das Kloster einen Wettbewerb ausschrieb, den arens faulhaber lichtplaner gewannen. Die Auflagen der Denkmalpflege waren streng, die hölzernen Einbauten sollten nicht tangiert werden und es sollte keine sichtbaren oder dekorativen Leuchten geben. Doch arens faulhaber hinterfragten die Auflage und entwarfen ein System feiner Lichtlinien, die in Form filigraner LED-Profile unter die Stege montiert werden konnten. Verdeckt von einer dort bereits befindlichen Holzleiste sind die Profile selbst nicht wahrzunehmen. Durch ihre spezielle Linsentechnik werden die Lichtpunkte so abgeblendet, dass der Ausstrahlwinkel sich allein auf die Bücher und nicht auf den Boden richten ließ. Eine Lösung, die die Anforderungen Denkmalpflege schließlich doch voll erfüllte.

 

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Klosterbibliothek Maria Laach, © Foto: Jens Kirchner

 

Nicht nur die wertvollen Bücher und Schriften, auch die Qualitäten der außergewöhnlichen Räume konnten mit gezielter Beleuchtung unaufdringlich in Szene gesetzt werden. Auf dem obersten Regalboden wurden verdeckte Leuchten montiert, die die Rundung der Decken betonen und gleichmäßig ausleuchten. Da der Tageslichteinfall durch die Lichtdecken wegen des darüber liegenden nur einseitig geöffneten Satteldaches zu gering war, verstärkten arens faulhaber das Tageslicht durch Kunstlicht, über den Glaslichtdecken. An vier Stellen pro Decke setzen sie engstrahlende Richtstrahler in das Weißglas der Lichtdecke, die gerichtetes Licht in die Raumtiefe bringen. Zwei der über Kreuz montierten Strahler richten ihr warmes Licht auf die untersten Regale, die der Mitte zugewandten beleuchten die Spindeltreppe.

Mit dieser äußerst zeitgemäßen Lichtlösung, wird die historische Klosterbibliothek Maria Laach auf unaufdringliche, da nahezu unsichtbare Weise sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt, ohne dass die Lichtquellen selbst in Erscheinung treten würden.

Lichtplanung: arens faulhaber lichtplaner Corinna Arens, Dorette Faulhaber

Bauherr: Vereinigung der Benediktiner zu Maria Laach

Architekt/Innenarchitekt: H.-J. Scheer, Wassenach

Elektroplanung: Planungsbüro Thomas Schmitz, Polch

 

 

Die Besichtigung der Klosterbibliothek ist nur nach Absprache möglich.

 

Uta Winterhager

 

 

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