Mannesmannhochhaus 1958, Paul Schneider von Esleben. Im Foyer des Hochhauses ist der zweite Teil der Ausstellung zu sehen. © Foto: Landesarchiv NRW, Inge Goertz-Bauer

Paul Schneider von Esleben Doppelausstellung in Düsseldorf

 

Der 100. Geburtstag von Paul Schneider von Esleben (1915 – 2005) am 23. August 2015 ist Anlass für eine vom Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI) konzipierte Doppelausstellung im ehemaligen Mannesmannhochhaus und im Haus der Architekten in Düsseldorf.

Während die Ausstellung im Haus der Architekten einen facettenreichen Überblick über Leben und Werk des in Düsseldorf geborenen Paul Schneider von Esleben gibt, liegt der Fokus bei der Ausstellung im Mannesmannhochhaus auf eben diesem ikonografischen Bau, der größtes Exponat und Ausstellungsort zugleich ist.

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Ausstellungsarchitektur im Haus der Architketen. Porträt Paul Schneider von Esleben. © Foto: Ralf Roeder

 

An beiden Orten werden die Informationen auf großen aus weißen Aluminiumblechwürfeln zusammengesetzten Wänden präsentiert. Durch die versetzte Anordnung der Würfel ergibt sich je nach Betrachtungswinkel ein sich ständig wechselndes aus den Würfelflächen zusammengesetztes Bild – eine gelungene und nicht ganz alltägliche gestalterische Idee, die zugleich großflächige Bildkompositionen und die mosaikartige Darstellung kleinteiliger Detailinformationen wie Pläne, Fotos, Texte etc. ermöglicht.

 

 „Die Marke PSE – Architektur zwischen Erhalt und Abriss“

Im Haus der Architekten im Düsseldorfer Medienhafen stehen im Foyer drei dieser „Würfelwände“, die unterschiedliche Themenschwerpunkte im Schaffen von Paul Schneider von Esleben darstellen. Im Eingangsbereich ergibt die Vorderseite der ersten Wand ein zusammengesetztes Portraitbild des Architekten, während auf der Rückseite das Namenskürzel PSE erkennbar wird. Die Seitenflächen dieser Würfel sind mit Zeichnungen, Karikaturen und Studienarbeiten von Paul Schneider von Esleben bestückt, die sein künstlerisches Potential aufzeigen.

 

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Haus Zindler 1966, Paul Schneider von Esleben. © Foto Landesarchiv NRW, Inge Goetz-Bauer

 

Die zwei weiteren Wände im Raum widmen sich den baulichen Schaffensphasen, thematisch unterteilt in „Rationale Ordnung“, „Plastische Gestalt“, „Betonelemente“ und „Moderne Tradition“. Unter „Rationale Ordnung“ findet man u. a. Informationen zur Haniel-Garage und dem Mannesmannhochhaus, „Plastische Gestalt“ behandelt z. B. den Flughafen Köln Bonn, die Düsseldorfer Rochuskirche oder die Aussegnungshalle Baal (Hückelhoven). Bauwerke wie die Stadtsparkasse Wuppertal, das Commerzbank-Hochhaus oder das 1991/92 abgerissene ARAG-Terrassenhaus in Düsseldorf werden unter der Rubrik „Betonelemente“ zusammengefasst, während „Moderne Tradition“ eher unbekannte frühe Werke, vornehmlich Einfamilienhäuser und Schulbauten im ländlichen Raum beleuchtet. Angereichert sind die Informationen an den Wänden durch eigens für die Ausstellung produzierte Video-Interviews mit Weggefährten und Zeitgenossen, Skizzenbücher oder auch von Paul Schneider von Esleben entworfenen Schmuck.

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New York 1956, Aquarell Paul Schneider von Esleben © Archiv Claudia Schneider-Esleben

 

Neben den Ausstellungswänden sind als weitere Exponate verschiedene von PSE entworfene Möbel (u. a. der Sessel für das ARAG-Haus), das Holzmodell eines nicht realisierten Entwurfes für ein Fertighaus der Mannesmann AG wie auch einige Ausstellungsstücke aus dem privaten Nachlass von Paul Schneider von Esleben zu sehen.

 

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St. Rochus, Paul Schneider von Esleben © Foto: Thomas Mayer

 

 

„Mannesmannhochhaus: Ikone des Wirtschaftswunders“

In der Ausstellung im Foyer des Mannesmannhochhauses dreht sich alles um den von Paul Schneider von Esleben 1954 entworfenen eleganten Hochhausbau in Stahlskelettbauweise mit vorfabrizierter Vorhangfassade.

 

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Mannesmannhochhaus 1958, Paul Schneider von Esleben. © Foto: Landesarchiv NRW, Inge Goertz-Bauer

 

Die drei hier gezeigten Würfelwände behandeln chronologisch geordnet folgende Themen: „Ikone Wirtschaftswunder“, „Entwurf“, „Bauzeit“, „USA-Reise“, „Neue Räume“ und „Sanierung“. „Ikone Wirtschaftswunder“ beleuchtet die Hintergründe und Rahmenbedingungen, unter denen dieses wegweisende Gebäude entstand. So war das Mannesmannhochhaus auch Gegenstand des „Düsseldorfer Architektenstreits“, bei dem sich die „Modernisten“ gegen einen konservativ geprägten Wiederaufbau in Düsseldorf richteten. Unter „Entwurf“ wird der Wettbewerb zum Mannesmannhochhaus thematisiert und die verschiedenen Entwurfsvarianten gezeigt. Ein interessantes Detail hierbei, dass dem noch jungen Wettbewerbsgewinner Paul Schneider von Esleben der erfahrene Egon Eiermann, der ebenfalls am Wettbewerb teilnahm, als Berater zur Seite gestellt wurde.

Das Thema „Bauzeit“ widmet sich neben dem Bauprozess „in drei Jahren von minus acht auf 88 Meter“ der Konstruktion und der gezielten Verwendung von Produkten aus dem Mannesmann-Konzern wie den nahtlos geschweißten Stahlrohren oder den vorfabrizierten Sandwich-Paneelen der Vorhangfassade. Der Bau war bereits in vollem Gang, als Paul Schneider von Esleben 1956 gemeinsam mit Egon Eiermann zu einer achtwöchigen Studienreise in die USA aufbrach („USA-Reise“). Dort besuchte er zahlreiche namhafte Architekten, u. a. Mies van der Rohe, und suchte Inspiration und Lösungen für seine Detailfragen am Mannesmannbau. Die Wandfläche „Neue Räume“ schließlich lenkt den Blick auf die Technikeuphorie der Wirtschaftswunderjahre, die sich auch im Bau des Mannesmannhochhauses mit seinen vielen technischen Neuerungen wiederspiegelt. Zuletzt wird die „Sanierung“ (1999-2001) durch das Architekturbüro RKW Rhode Kellermann Wawrosky nach der Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone auf einer Wandfläche dokumentiert.

Mannesmannhochhaus, 1958, paul Schneider von Esleben, © Foto: Landesarchiv NRW. Inge Goertz-Bauer

 

Ein Modell des Mannesmannhochhauses, der von Schneider von Esleben 1953 entworfene und für die Möblierung im Mannesmannhochhaus genutzte Kugelrohrsessel „Sputnik“ sowie kleinere Aufsteller komplettieren die Ausstellung. Zudem ist auf einem Bildschirm das am Flughafen Köln Bonn gedrehte ca. 12-minütige Video „a possible scenario…“ des Künstlers Alexander Basile zu sehen, das sich dem Flughafen als Transitraum und als Bühne für Begegnungen der verschiedensten Charaktere und Typen widmet. Diese Arbeit wird übrigens ebenfalls am Flughafen Köln Bonn auf der großen Videowand im Ankunftsbereich von Terminal 1 vom 23.8. bis 6.9.2015 jeweils um 10.00 Uhr, 14.00 Uhr und 18.00h Uhr gezeigt.

Im Rahmen der Ausstellung werden zwei weitere künstlerische Interventionen gezeigt:

Die fotografische Arbeit „Bastide Blanche…“ von Benjamin Zibner setzt sich mit dem von Schneider von Esleben erworbenen vierzig Hektar großen Grundstück in Südfrankreich und dem darauf entstandenen Haus Octopus auseinander, während Johannes Post in seiner Arbeit „PSE PLANT…“ unrealisierte Entwürfe von Paul Schneider von Esleben auf Fotomontagen in den heutigen gebauten Kontext überträgt.

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Hanielgarage 1956, Paul Schneider von Esleben © Ralpf Crane, Getty Images

 

Die sehenswerte und dabei kostenlose Ausstellung lohnt einen Ausflug in die Landeshauptstadt, wobei die zwei Ausstellungsorte innerhalb Düsseldorfs auch autark funktionieren. Eine empfehlenswerte Abfolge wäre aber, mit der Ausstellung im Haus der Architekten zu beginnen und sich dann dem Mannesmannhochhaus im Detail zu widmen.

Einmal in Düsseldorf lassen sich einige der Bauwerke von Schneider von Esleben nach dem Ausstellungsbesuch mit dem neuen Wissen natürlich auch in Natura erleben. Hierbei hilft der zur Ausstellung ausliegende Faltplan, der die wichtigsten Objekte in Düsseldorf und Umgebung verortet.

 

Ralf Roeder

 

 

 

Mehr Informationen zur Ausstellung beim M:AI, Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW:

 

 

Ausstellungsorte
Ausstellung im Mannesmannhochhaus (Wirtschaftsministerium):
Das Mannesmannhochhaus – Architekturikone des Wirtschaftswunders
Berger Allee 25, 40213 Düsseldorf
Ausstellung im Haus der Architekten (Architektenkammer NRW):
Die Marke PSE – Architektur zwischen Erhalt und Abriss
Zollhof 1 in 40221 Düsseldorf

 

Öffnungszeiten
Mo-Do von 9-18 Uhr, Fr von 9-17 Uhr

Sonderöffnung am 13. und 20. September 2015 von 10–18 Uhr
Laufzeit: 23. August bis 25. September 2015

(Ausstellung im Haus der Architekten nur bis 23. September) Der Eintritt ist frei!

 

 

PSE: Das Magazin zur Ausstellung

Anlässlich der Ausstellung gibt das M:AI ein reich bebildertes Magazin mit einer Auswahl der Ausstellungstexte und mit persönlichen Berichten heraus,

Das Magazin ist kostenlos (unter Berechnung der Versandkosten) ab Ausstellungsbeginn im M:AI erhältlich (Nur solange der Vorrat reicht!).

Kontakt: info@mai.nrw.de, T. 0209-92578-0 (ISBN 978-3-00-050499-0)

 

 

 

 

 

Weitere Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung in Düsseldorf:

 

27. August 2015, 19.00 Uhr

Sonderausgabe „Architekturquartett NRW“ (bereits ausgebucht)

Ort: Mannesmannhochhaus (Berger Allee 25)

 

8. September 2015, 19.00 Uhr

Multi-Media-Vortrag von Reinhard Hübsch über den Architekten PSE

Der Baumeister hat zahlreiche markante Werke realisiert, ohne dass über die Jahre eine eindeutige Handschrift zu erkennen wäre. Wer war Paul Schneider von Esleben, was machte seine Architektur, sein Denken und seine Persönlichkeit aus? – Der Kulturjournalist Reinhard Hübsch (SWR) unternimmt eine lebendige Annäherung.

Haus der Architekten, Zollhof 1, Anmeldung unter teilnahme@aknw.de, 0211 49670

 

13. und 20. September 2015, 10–18 Uhr

Das Wirtschaftsministerium, Berger Alle 25, öffnet sein Haus, d. h. das Mannesmannhochhaus und insbesondere seine 21. Etage mit ihren Konferenzräumen. Interessierte können dann nicht nur die Ausstellung (Führungen um 14 und 16 Uhr) im Foyer besichtigen, sondern auch vom 21. Stock des Gebäudes aus die fantastische Aussicht genießen. Zu sehen sind auch die künstlerischen Arbeiten von Johannes Post, Benjamin Zibner und Alexander Basile. Keine Anmeldung! An diesem Tag ist auch der Ausstellungsteil in der Architektenkammer, Zollhof 1, von 10–18 Uhr geöffnet.

 

Führungen

  1. August und 8. September 2015, 12 Uhr: Mittagspausenführung durch die Ausstellung im Haus der Architekten, Zollhof 1, ca. eine halbe Stunde.

 

  1. und 20. September, 14 und 16 Uhr: Führungen durch die Ausstellung im Mannesmannhochhaus (Berger Allee 25)

 

Anmeldung zu allen Führungen erforderlich: info@mai.nrw.de oder 0209 925780. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos.

 

 

 

Ausstellung zu Paul Schneider Esleben in München:

Das Architekturmuseum der TU München zeigt vom 16. Juli bis 18. Oktober 2015 in der Pinakothek der Moderne die Retrospektive „Paul Schneider-Esleben. Architekt“ aus dem Nachlass des Architekten. Begleitend dazu ist ein Katalog mit zahlreichen Illustrationen und wissenschaftlichen Aufsätzen erschienen.

 

 

 

 

 

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