Clouth eins: Schwarzplan des Entwurfes von ASTOC in Zusammenarbeit mit urbane gestalt Johannes Böttger Landschaftsarchitekten. Grafik: ASTOC Architects and Planners

Was gibt es Neues vom ehemaligen Werksgelände der Rheinischen Gummiwarenfabrik Franz Clouth?

Die Nachfrage nach innerstädtischen Wohnungen ist in Köln groß, das Angebot knapp. Eine bewährte Strategie ist die Umnutzung innerstädtischer Brachflächen. Nach beinahe 150 Jahren industrieller Nutzung entstehen auf dem ehemaligen Werksgelände der Rheinischen Gummiwarenfabrik Franz Clouth in den nächsten Jahren mehr als 1000 Wohnungen und Raum für etwa 500 Arbeitsplätze. Das Gelände liegt an der Schnittstelle der Viertel Nippes und Riehl und schließt an den Johannes-Gisberts-Park an.

Während bisher der Fokus auf den bestehenden Werksgebäuden lag, rücken nun die ersten Bauprojekte in den Vordergrund. Entschieden ist, dass die denkmalgeschützten Hallen 17, 18 und 23 sowie die Pförtnergebäude an den Toren 1, 2 und 4 und die Gebäudefassade entlang der Niehler Straße erhalten bleiben. Die Achsen der vorhandenen Werksstraßen werden für die neuen Erschließungswege übernommen. Auf den mittig liegenden Baufeldern ist laut Bebauungsplan eine geschlossene Bebauung vorgesehen, während im östlichen Bereich des Areals eine offene, durchlässige Neubebauung den städtischen Blockrand zum Park hin auflösen soll. Hauptakteur ist bislang die Entwicklungsgesellschaft ‚moderne stadt‘, die zu etwa gleichen Hälften der Stadt Köln und den Stadtwerken gehört.

Erste Puzzlesteine

Als erster Puzzlestein entsteht seit Juni 2014 die Überbauung Clouth eins im Südosten des Areals, die bis Oktober 2015 fertig gestellt werden soll. Im eingeladenen Architekturwettbewerb setzte sich das Architektur- und Planungsbüro ASTOC in Zusammenarbeit mit urbane gestalt Johannes Böttger Landschaftsarchitekten durch.

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Blick Richtung Nordosten, die neun Kuben von ASTOC werden den Filter zum Park bilden. Grafik: ASTOC Architects and Planners

 

Die neun kubischen, viergeschossigen Baukörper mit insgesamt 92 Eigentumswohnungen liegen direkt am Park und schaffen mit ihrer gegeneinander versetzten Anordnung durchlaufende Grünflächen und freie Blickachsen. Die rationale Lochfassade erinnert an die ehemaligen Industriebauten.

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Einen Blick von Nordwesten auf das Baufeld 12 zeigt den Beitrag von Lorber und Paul. Grafik: Lorber und Paul

 

Als zweiter Puzzlestein folgt im September 2014 bis Dezember 2015 die Bebauung der benachbarten Baufelder WA 8 + 12 von Lorber Paul Architekten mit 72 Wohneinheiten. Die lang gestreckten Zeilenbauten liegen in zweiter Reihe zum Park und orientieren sich an den großmaßstäblichen Dimensionen des Industrieareals. Zum Straßenraum schließen die Baukörper mit klaren Raumkanten ab, zu den westlich gelegenen Hofinnenbereichen verzahnen sie sich mit Fassadenvor- und rücksprüngen.

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Haus und Hof: 17 Reihenhäuser entstehen im Süden des Geländes nach Entwürfen des Düsseldorfer Planungsbüro Konrath und Wennemar Grafik: Konrath und Wennemar

 

Als weiterer Puzzlestein folgt die Bebauung des westlich anschliessenden Baufeldes WA 9 voraussichtlich von Mai 2015 bis September 2016. Die Bebauung umfaßt 17 Reihenhäuser und stammt vom Düsseldorfer Planungsbüro Konrath und Wennemar. Mit ihrer zweigeschossigen Bauweise bilden die Einfamilienhäuser auf dem vorwiegend durch Geschosswohnungsbau geprägten Clouth-Gelände eine Ausnahme. Stattdessen nehmen sie typologisch Bezug auf die bestehenden Einfamilienhäuser auf der anderen Seite der Franz-Clouth-Straße.

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Die neuen Puzzlesteine auf dem Clouth-Areal: Baufeld WA 4-6: ASTOC / urbane gestalt Baufeld WA 8+12: Lorber Paul Baufeld WA 9: konrath und wennemar Abbildung: moderne stadt

 

Weitere Planungsschritte

Ein weiterer wichtiger Schritt im Planungsprozess war der Anfang Juli gefällte Wettbewerbsentscheid für die Freiflächen im Quartier, den KLA kiparlandschaftsarchitekten aus Duisburg zusammen mit dem Aachener Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier für sich entschieden.

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So könnte der Quartiersplatz im Zentrum des Geländes vor der denkmalgeschützten Halle 17 eines Tages aussehen. KLA kiparlandschaftsarchitekten und Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier

 

Die Planung der Freiflächen umfasst drei wichtige Bereiche: den 7.300 Quadratmeter großen Luftschiffplatz im Zentrum des Geländes vor der denkmalgeschützten Halle 17, eine 2.000 Quadratmeter große Fläche am Tor 4 an der Xantener Straße sowie einen künftigen Rad- und Fußweg zum Luftschiffplatz.

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Lageplan der Freiflächen im Quartier. Entwurf: KLA kiparlandschaftsarchitekten, Duisburg und Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier, Aachen

 

Stand der Dinge

In Planung ist momentan noch das letzte Baufeld der Entwicklungsgesellschaft moderne stadt (WA 15) seitens des Architekturbüros Kister Scheithauer Groß. Alle weiteren Baufelder werden von anderen Wohnungsgenossenschaften, Projektentwicklern, Bauträgern oder Baugruppen bebaut. Der Vertrieb der Grundstücke soll bis Mitte 2015 abgeschlossen sein. Die Denkmäler Halle 17, Halle 18 und Halle 29 sind bereits verkauft. Die Ausschreibungen für die Baufelder WA 10 und WA 11 sind abgeschlossen, die Ausschreibungen für die Baufelder WA 13.1 und WA 13.2 laufen, die Ausschreibungen für den Gewerbehof rund um die Halle 29 und das Baufeld WA 18 sind in Vorbereitung. Bei den Baugruppen fiel im Frühjahr dieses Jahres der Entscheid, dass auf den vier zur Verfügung stehenden Baufeldern acht von insgesamt 20 Bewerbergruppen weiter planen dürfen. Laut aktuellem Zeitplan könnten die Baugruppen Ende des Jahres ihre Grundstückskaufverträge unterschreiben, im Sommer 2015 mit dem Bau beginnen und diesen Ende 2016 fertig stellen.

Gemeinsames Ziel aller Projektbeteiligten ist es, auf dem Clouth-Areal bis 2018 ein lebendiges und durchmischtes Quartier mit frei finanziertem Wohnungsbau, Genossenschaftsbauten, Baugruppen, Künstlerateliers, Gewerbe und Gastronomie zu realisieren.

Katja Hasche

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Eine Reaktion auf “Neue Puzzlesteine für Clouth”

  1. anton leinsam

    aus den großen hallen müssten markthallen nach vorbild bspw. der markthallen in barcelona oder auch der markthalle in berlin-kreuzberg entstehen – das wäre ein novum in köln und von echter qualität. zudem würde es den bedarf der neuen bewohner des viertels abdecken – und diese wiederum werden ja genau die klientel sein, die solch eine markthalle mit hochwertigen regionalen angeboten (käse, gemüse, fleisch, fisch…) annehmen würden.

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