Markus Brunetti "FACADES" im MAKK. Foto: Uta Winterhager

FACADES Markus Brunetti im MAKK

»Hingehen! Ansehen!«, mehr möchte ich eigentlich gar nicht über die Ausstellung FACADES von Markus Brunetti im MAKK schreiben. Denn weder die hier darstellbaren Bilder noch schönste Worte können den tatsächlichen Eindruck dieser 29 Werke wirklich wiedergeben.

Am Anfang stand der Dom. Ein drei Meter hoher Druck, der 2012 auf der Photokina für großes Aufsehen sorgte. Nicht unbedingt wegen des Motivs, den Dom sieht man in Köln ja häufiger, sondern wegen der fast surrealen Perfektion, die Markus Brunettis Westansicht ausstrahlte. Keine Menschen, keine Tauben, kein Müll, keine Schatten, keine stürzenden Linien. Dafür eine nie gesehene Detailschärfe bis in die Höhe der Türme, die die Fotografie wie einen mit spitzer Feder gezeichneten Aufriss lesbar macht.

 

Zu dem Zeitpunkt war Brunetti schon sieben Jahre lang mit einem LKW durch Europa gereist. An Bord Arbeitsplatz, Schlafplatz, eine kleine Küche und seine Partnerin, die Fotografin Betty Schöner. Und der Kölner Dom war nur eine von vielen Kirchen, Klöstern und Kathedralen, deren Ansichten Brunetti auf seiner Tour fotografiert hat. Dabei trifft »fotografiert« nicht unbedingt auf seine Arbeitsweise zu, denn der Prozess, in dem seine Werke entstehen, ist weitaus komplexer, technisch wie handwerklich so aufwändig, dass Wochen und Monate bis zur Fertigstellung vergehen.

 

 

Brunetti, dessen Arbeit formal vielleicht an das Werk von Bernd und Hilla Becher erinnern mag, arbeitet jedoch vollkommen anders. Nicht mit einer analogen Großbildkamera, sondern als Vertreter einer neuen Fotografengeneration ausschließlich digital. Dabei zerlegt er jede Ansicht in viele hundert, je nach Größe auch in über tausend einzelne Fotos, die er alle von derselben Position aus aufnimmt. Er benutzt kein Gerüst, keinen Kran und keine Drone, sondern arbeitet vom Boden aus. Wie die Pixel eines einzelnen Fotos setzt er in handwerklicher Arbeit am Computer die einzelnen Aufnahmen maßstäblich korrekt zusammen, ein Programm, das ihn dabei unterstützt gibt es nicht.

 

Diese Vorgehensweise ermöglicht eben jene Perfektion, die den Zauber dieser Ansichten ausmacht. Menschen, Tiere und wie im Fall des Kölner Domes die Gerüste an den Türmen, können so eliminiert werden. Nicht retuschiert, sondern ersetzt mit einer Aufnahme, die eben jenes unerwünschte Objekt nicht zeigt. Dafür muss Brunetti manchmal monatelang warten und die Orte viele Male besuchen, bis die Bedingungen seinen Anforderungen entsprechen. So auch das Wetter, dieser matte graue Himmel, der eine undramatische und schattenfreie Szenerie erzeugt, auf das man einfach warten muss.

Eine ganze Woche dauert es dann noch, ein einzelnes Bild zu drucken, natürlich sitzt Brunetti dabei neben der Maschine und kontrolliert jede einzelne Zeile, die auf das Büttenpapier kommt.

 

Brunetti hat kein System, nach dem er seine Reiseroute plant, keine Hierarchie, nach der er die Objekte auswählt. Es sind weit über hundert geworden, die er in Spanien, Italien, Portugal, Frankreich und Deutschland fotografiert hat, große – wie das Ulmer Münster, kleine – wie die Basilica Cattedrale di San Ciriaco in Ancona, populäre – wie die Dresdner Frauenkirche und skurrile – wie die blaue Paróquia de Santa Marinha in Cortegaça. Und Brunetti reist weiter, fertig ist er noch nicht.

 

Uta Winterhager

 

 

 

Die Ausstellung Markus Brunetti / FACADES Kathedralen, Kirchen, Klöster in Europa ist vom 20. August bis 14. Dezember 2014 im Musuem für Angewandte Kunst, Köln zu sehen.

 

Zur Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog (Deutsch – Englisch) mit den Bildern der Ausstellung erschienen (80 Seiten, ca. 35 Abbildungen in Farbe, broschiert, Verkaufspreis im Museumshop € 18,-).

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