Streetview verharrt im August 2008 und wird somit zum Archiv für unwiederbringliche Ansichten. Foto: Screenshot

5 Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs

Das Ladenklokal Waidmarkt 3, direkt am Einsturzort des Historischen Archivs gelegen, wird vom 15. bis 20. Juli erstmals als Ausstellungszentrum genutzt.
Die Ausstellung, die Installationen in der Umgebung sowie die öffentlichen Führungen der Initiative ArchivKomplex und anderer Beteiligter umkreisen die Einsturzstelle nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich und thematisch. Damit öffnen sie Perspektive auf eine Zukunft, die in diesem Verlust auch eine Chance für die Stadt sieht.
Als Weiterführung von einem „Denkmal im Prozess“ spinnt das Ausstellungsprojekt Fäden von Geschichte(n), Sammlungen, Aktionen und Editionen, vernetzt Anwohner und Besucher, Vergangenheit und Zukunft der Stadt.

140705KarteFertig_pfade.indd

• -1/MinusEins Experimentallabor / Kunsthochschule für Medien Köln

Am 3. März 2014 jährte sich zum fünften Mal der Tag des Einsturzes des Historischen Archivs der Stadt Köln, ein Ereignis, das in unmittelbarer Nähe zur Kunsthochschule für Medien Köln
stattgefunden hat. Zu diesem Anlass öffnen KünsterInnen des -1/MinusEins Experimentallabor / Kunsthochschule für Medien Köln, Eva Olthof, Reinhard Matz, SchülerInnen des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums und der Kaiserin-Augusta-Schule unter Leitung von Stefanie Oelke Räume für künstlerische Interventionen, Experimente und kreative Prozesse rund um die Baugrube und den offenen U-Bahntunnel. Die Initiative ArchivKomplex lädt neben dieser Kunstausstellung auch zu zwei Führungen und einem Gespräch ein.
Sara Hoffmann/Köln, Marmorfußboden in Einzelteilen, Installation, 2014
Der Einsturz des Historischen Archivs ist inzwischen Teil der Stadtgeschichte und damit auch wieder ein Teil des Archivs selbst geworden. Die Installation von Sara Hoffmann legt diesen rekursiven institutionellen Prozess offen: Kaputte Locher, zerknickte Regalböden samt einer Prise Trümmerstaub, sorgfältig archivarisch erfasst, dürfen heute nur unter strengen konservatorischen Auflagen ausgestellt werden.
Stefanie Pluta/Köln, Appeal/Momentum, 2014
Die Installation von Stefanie Pluta im öffentlichen Raum markiert Bauzaun und Fassaden rund um den Einsturzort mit abstrahierenden Objekten, die an Nistkästen, Aufbewahrungsbehälter oder Architekturmodelle denken lassen. Der mehrdeutige Kommentar verweist auf die offene Zukunft des Lochs und die Möglichkeit eines neu zu schaffenden Lebensraums an diesem beschädigten Ort.
Rozbeh Asmani/Köln, Thermochrom, 2014
Mittels thermosensitiver Farbe macht Rozbeh Asmani Erinnerung und Vergessen sinnlich erfahrbar. Blätter und Postkarten werden mit spezieller thermosensitiver Farbe veredelt. Die Annäherung durch das Berühren und die damit verbundene körperliche Erfahrung machen den sozio-politischen Konflikt der Katastrophe des Einsturzes des Historischen Archivs der Stadt Köln erfahrbar. Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Sonderedition von Rozbeh Asmani.
Eva Olthof/Rotterdam, stadtarchiv-koeln-1971-2009, seit 2013 fortlaufend
Während ihres Stipendiums in der Kölner Ateliergemeinschaft OPEKTA entwickelte Eva Olthof ein fortlaufendes Projekt über die Erinnerungen an das Historische Archiv der Stadt Köln und seinen Einsturz. Die bisherigen Plakate, Postkarten und Dokumente entstanden auf Grundlage persönlicher Erfahrungen, Erinnerungen und Recherchen, die seit 2013, unter anderem während eines viermonatigen Atelieraustausches zwischen OPEKTA ATELIERS Köln und Het Wilde Weten Rotterdam, gesammelt werden. Eva Olthof stellt eine Plakat-Sonderedition zu Erinnerungen an den Tag des Einsturzes vor.Aus den Erinnerungen an den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln entsteht ein neues Archiv: Im Rahmen der Ausstellung am Waidmarkt 3 werden weitere Erinnerungen gesammelt und ein vorgesehenes Onlineportal vorgestellt. Termine: 15. Juli, 19 bis 21 Uhr und 17. Juli, 16 bis 20 Uhr.
Jeder interessierte BürgerIn ist herzlich eingeladen, sich zu beteiligen.

• SchülerInnen des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums und der Kaiserin-Augusta-Schule
unter Leitung von Stefanie Oelke, Kunst Leistungskurs, Abitur 2014.Zum Anlass des fünften Jahrestages des Einsturzes wurden Plakatentwürfe zum Thema „Einsturz des Stadtarchivs“ erarbeitet. Für die bildnerische Umsetzung waren Erinnerungen und Empfindungen der SchülerInnen, aber auch die alltäglichen Erfahrungen mit den Folgen des Einsturzes ausschlaggebend. Die Vorgaben: Umsetzung ausschließlich mit begrenztem Collagematerial, kein Text, jeweils drei Variationen im Format DIN A 4, nur ein Vormittag Zeit. Gearbeitet wurde im Kunstraum des FWG, in der dritten Etage mit Blick in die Einsturzstelle.

• Reinhard Matz/Köln, 24 Sätze zu 8 Minuten, 2012 am Zaun um den Archivkrater (seit 3. März 2012).
Eine erste öffentlichkeitswirksame Aktion von ArchivKomplex fand zum dritten Jahrestag des
Einsturzes statt, vor Ort erinnerte noch immer kein offizieller Hinweis an die Katastrophe.
In der Kunstausstellung Waidmarkt 3 wird eine Postkarten-Sonderedition von Reinhard Matz
gezeigt.
Eröffnung Kunstausstellung im Waidmarkt 3, Köln:
Dienstag, 15. Juli 2014, 19 Uhr, Begrüßung Professor Mischa Kuball
Öffnungszeiten: Donnerstag, 17. – Sonntag, 20. Juli, 16 – 20 Uhr,
Nur wenige Minuten entfernt kann vom 17. – 20. Juli auch der Rundgang der Kunsthochschule für Medien Köln besucht werden, Filzengraben 2.

severinstraße_3klein

Zustand 2013. Foto: Uta Winterhager

Führungen:
• Mittwoch, 16. Juli, 16:30 Uhr, Literatur-in-Köln-Archiv (LiK), Zentralbibliothek, 2. OG,
Josef-Haubrich-Hof 1 / Neumarkt, 50676 Köln, Treffpunkt in der Ausstellung im 2. OG
Führung durch die Ausstellung: Jens Hagen, „Am Rand der Wörter“ – zum Werk des Kölner
Schriftstellers und Künstlers (1944 – 2004) mit zahlreichen Dokumenten aus dem Nachlass
im Historischen Archiv der Stadt Köln; Information: https://nie-ankommen.net/ausstellung, mit Dorothee Joachim, Künstlerin, Ko-Kuratorin der Ausstellung und Mitbegründerin der Initiative ArchivKomplex.
• Freitag, 18. Juli – 19:00 Uhr, Treffpunkt Waidmarkt 3
Führung / Stadtspaziergang:
„Sie sehen, Sie sehen nichts – Was passiert im Loch?“
Langwierige Erkundungen bis in 35 Meter Tiefe sollen die Geheimnisse des unterirdischen Baues aufdecken. Mit Günter Otten, Autor des Buches „Der Einsturz. Wie das Historische Archiv der Stadt Köln verschwand“, und Reinhard Thon, ehem. Leiter des Amtes für Brücken und Stadtbahnbau der Stadt Köln.
• Sonntag 20. Juli – 17:30 Uhr, Waidmarkt 3, in der Ausstellung
Im Gespräch: „Wie lassen sich neue Zeichen setzen im Umgang mit dem Einsturz-Ort – jetzt und zukünftig?“ Mischa Kuball mit der Initiative ArchivKomplex, Bea Brunner (AktionistIn), Thomas Luczak (Architekt).

Freier Eintritt zu allen Veranstaltungen

 

(red./uw)

Artikel teilen

Ihre Meinung zählt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.