2010

Auszüge aus der Veröffentlichung 2010 des Vereins Loch e.V.

Die Initiative hat der Stadt Köln differenzierte Pläne für die Zukunft des Geländes am Neumarkt und der Kölner Kultur vorgelegt. Trotz der zur Zeit denkbar schlechten Vorzeichen in Sachen Kölner Kultur, skizzieren sie die Idee einer europäischen Kunsthalle, das „neue forum köln“. Definiert ist bereits ein wohlüberlegtes Finanzierungs- und Partizipationskonzept und ein städtebauliches Konzept des Kölner Architekten Bernd Kniess. Finanziert soll das neue forum köln sowohl aus privaten als auch aus öffentlichen Mitteln werden.

Die Initiative fordert:

„Wir fordern eine Kunsthalle, die eine Politik des Nichtidentischen, eine Politik des Diversen verfolgt und mit dieser Praxis nicht nur international arbeitet, sondern insbesondere einen strukturellen Bezug zu Europa herstellt. Eine kulturwissenschaftlich versierte Leitung könnte Kuratoren, Wissenschaftler oder Künstler aus dem europäischen Ausland einladen, um vor Ort und in direkter Zusammenarbeit mit einer hiesigen wissenschaftlichen Institution (Universität, Museum, private Forschungsinstitution) ein Projekt zu entwickeln.

Hier könnten Diskurse und künstlerische Praktiken, die außerhalb des unmittelbaren lokalen Umfelds verhandelt werden, vorgestellt und der Austausch zwischen den Ländern im wissenschaftlichen und kulturellen Bereich endlich gefördert werden.

Eine neue Kunsthalle sollte ein Ort der Produktion sein, mit Wohnmöglichkeiten für Gastkuratoren, Künstler und Stipendiaten. Darüber hinaus wäre am Josef-Haubrich-Forum die einmalige Chance gegeben, die Kunsthalle räumlich direkt mit Institutionen wie der Museums-, der Stadtbibliothek und der Volkshochschule zu verbinden.

Das Projekt einer Kunsthalle für Europa soll ab sofort aktiviert werden. Ein Container im Loch könnte der Anfang sein. Denn: das Loch gähnt weiter! Rütteln wir es wach.“

Es folgen Auszüge aus der Veröffentlichung 2010.

Herausgeber: Initiative Haubrich-Forum, Das Loch e.V.,

Städtebauliches Konzept: Bernd Kniess Architekten und Stadtplaner

„Wir meinen zunächst, daß die Welt verändert werden muß. Wir wollen die größtmögliche emanzipatorische Veränderung der Gesellschaft und

des Lebens, in die wir eingeschlossen sind. Wir wissen, daß es möglich ist, diese Veränderung mit geeigneten Aktionen durchzusetzen.“

Guy Debord, Rapport zur Konstruktion von Situationen

Die Herausforderung annehmen

Vor dem Hintergrund des tiefgreifenden sozio-ökonomischen Strukturwandels, der öffentlichen Finanzknappheit auf allen Ebenen sowie des vielfach beklagten Verlustes politischer Steuerungsmöglichkeiten wird auf der Grundlage bürgerschaftlichen Engagements mit dem Entwicklungsprojekt „neues forum köln“ der Versuch unternommen, die Handlungsfähigkeit der Betroffenen in der Stadtentwicklungspolitik zurückzugewinnen. Als Stadtplaner, Kulturschaffende, Künstler und Bürger überlassen wir die Realisierung der zentralen Bauvorhaben nicht mehr allein privaten Investoren, so gut sie auch sein mögen. Es geht auch nicht um „architektonische Highlights“, die für sich genommen noch keine urbane Qualität erzeugen. Es geht um weit mehr, nämlich die Entwicklung unserer Stadt als Lebensform.

Unter dieser Maßgabe suchen wir selbst die Kooperation mit Investoren und übernehmen die Regie bei der Entwicklung eines neuen Stadtbausteins, der seine (auch architektonischen) Qualitäten aus dem Kontext seiner Entstehung generiert.


Grundlage ist ein ökonomisches Modell, das partnerschaftliche Beteiligungen der öffentlichen Hand an einer gewinnoptimierten, privatwirtschaftlichen Projektentwicklung und an den dafür notwendigen Betreibergesellschaften vorsieht. Damit bleibt die Stadt in der Verantwortung ihrer eigenen Entwicklung und partizipiert an den daraus entstehenden Gewinnen und Werten. Die politische und ökonomische Durchsetzbarkeit eines solchen Modells wird vor dem Hintergrund des wiederauflebenden, auch von der Politik geforderten bürgerschaftlichen Engagements realistisch, mit dem ein Selbstbewusst werden der eigenen kulturellen Werte und Geschichten einhergeht.

Tatsächlich baut das ökonomische Modell auf den kulturellen, politischen und stadtplanerischen Parametern auf, wie sie sich aus den initiativen Eingaben der Betroffenen formulieren. Sie beziehen die ökonomischen Faktoren von vornherein mit ein und fordern sie zugleich heraus, indem sie sie auf den gegebenen Kontext verpflichten. So führt die Einsicht in die Spielregeln des Marktes zu einer Repolitisierung des Ökonomischen, das sich nicht mehr abgelöst verwirklichen kann und für sich Kultur und Stadt einfach überformt, sondern im Befragen der kulturellen Kompetenzen seine Gestaltungskraft legitimiert. Der Gegenwert sind Handlungsräume, die Selbstentwürfe urbaner Öffentlichkeit möglich machen.

Optionen

Veränderte Rahmenbedingungen fordern zu einer Neubewertung der zur Disposition stehenden Nutzungen und Standorte heraus. Dazu gehört auch die Entstehung des neuen Stadtquartiers am Rheinauhafen, das ein qualitativ verändertes Umfeld für alle kulturellen Institutionen in der Südstadt schafft.

  • Offensive Entscheidung für das Rautenstrauch-Joest-Museum an seinem jetzigen Standort im Sinne der Stärkung eines dezentralen, qualitativen Stadtgefüges.
  • Bewertung der historischen Authentizität des einzig erhaltenen Museumsbaus Kölns aus der Vorkriegszeit in seiner Weiternutzung als Völkerkundemuseum.
  • Anpassung an veränderte Ausstellungspraktiken durch Hinzufügung neuer zeitlicher und inhaltlicher Ebenen durch Umbau, Erweiterung sowie Auslagerung der Depots.
  • Zusammenarbeit mit der Kunsthalle in der Nutzung für große, wissenschaftliche Themenausstellungen.
  • Kulturpolitisches Modell

  • Neudefinition des Öffentlichen (Raums) in der Fortschreibung europäischer Stadtbaukultur
  • Integration heterogener Produktions- und Handlungsformen des öffentlichen Lebens (Forum)
  • Einbeziehung zeitgenössischer Künstlerpositionen in einen urbanen Diskurs über die Gegenwart des Öffentlichen und seine Zukunft.
  • Erneuerung der politischen Kultur durch alternative Modelle der Teilhabe an Prozessen der Gestaltung und Entscheidung
  • Stärkung des europäischen Gedankens im gelebten, kommunitären Kontext der Stadt. Europäische Stadtbausteine
  • Städtebauliche Betrachtungen

    Das Areal des Josef-Haubrich-Hofes ist ein eher unglückliches Beispiel für eine städtische Insellage, wie sie typisch ist für die Kölner Innenstadtquartiere (Dom/ Altstadt, Neumarkt/Oper/Verwaltungsgericht, Rheinuferstr./ Heumarkt/ Bäche, Griechenmarktviertel). Die Tatsache, dass das Gelände zur öffentlich belebten Neumarkt- und Cityseite im Grunde genommen durch die Cäcilienstraße verschlossen wird, ebenso nach Osten durch die Nord-Süd-Fahrt, desgleichen zum Wohnviertel Griechenmarkt durch Bausünde des Ärztehauses, und sich einzig zur sich ihrerseits dem öffentlichen Leben verschließenden Kaufhofverwaltung öffnet, stellt die genaue Umkehrung einer sinnvollen städtebaulichen Disposition dar.

    Dabei könnte gerade die Grenzlage zwischen der Einkaufscity und dem in seiner Kleinmaßstäblichkeit erstaunlich innenstadtnahen Wohngebiet Griechenmarktviertel dem Standort eine reizvolle Note verleihen, wenn er denn die Spannung des Ambientewechsels in sich aufnähme und in Stadterlebnis verwandelte. Hierdurch würde ein neuer Blick auf das Griechenmarktviertel mit seinen Stärken und Schwächen möglich und die City könnte den Blick öffnen zur Vielgestaltigkeit und Tiefe des Stadtraumes. Sie würde sich aus ihrer Sonderfunktion als Insel des Konsums lösen: Auch der Handel kann nur Zukunft entwickeln, wenn er sich im Kontext des Stadtraums neu positioniert. Insgesamt fordert das Grundstück dazu heraus, mit der Eigenart voneinander abgewandter Teile der Stadt produktiv umzugehen.

    Die oben beschriebene Schlüsselposition und seine Geschichte als Ort des Öffentlichen und der Kultur machen seinen besonderen Wert aus, dies sowohl städtebaulich als auch wirtschaftlich. Ein integratives städtebauliches Konzept muss hier ansetzen. Es wird in der offensiven Zusammenarbeit mit Investoren eben keine Homogenisierung des städtischen Geflechtes betreiben. Vielmehr wird ein solches Konzept die Heterogenität, die die Eigenart des Areals ausmacht, als verdichteten Stadtraum erfahrbar und lebenswert machen.

    Stadtbausteine

  • Formulierung einer Europäischen Kunsthalle anderen Institutionen und Orten kultureller Produktion.
  • Zusammenschluss und Kooperation von Instituten im Hinblick auf Erhalt und Effizienz bei gleichzeitiger Verbesserung des Angebots (z.B. Kunst- und Museumsbibliothek mit der Stadtbibliothek, das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels). In ihrem Zusammenwirken entstehen Potenziale für ein einmaliges, europäisches Forschungszentrum moderner und zeitgenössischer Kunst.
  • Generierung und Intensivierung von Öffentlichkeit und Urbanität über ein vielfältiges Angebot von Nutzungen: Institutionen, temporäres Wohnen und Arbeiten, Altenwohnen, medizinisches Zentrum, Gesundheitsvorsorge, Europäische Markthalle, Handel und Gastronomie, Veranstaltungen etc
  • Stärkung des Standorts der VHS durch Nutzungsvielfalt und Kooperationsmöglichkeiten.
  • Stadtentwicklungsmodell

  • Vermeintliche Mängel als Potential begreifen: Der Verkehrsknotenpunkt wird zum nachhaltigen Kristallisationspunkt für stadträumliche Vernetzung und Verdichtung. Aufwertung und Erweiterung der unterirdischen Verkehrs- und Einkaufszone vom Olivandenhof über die Neumarktpassage mit den Metrostationen bis in das Neue Forum Köln.
  • Die maximale Nutzung unterirdischer Baumassen erschließt stadträumlichen Mehrwert: bislang funktional mindergenutzte (städtische) Liegenschaften, wie z.B. das Parkhaus an der Cäcilienstraße und der Parkplatz an der Nord-Süd Fahrt, können attraktiven Nutzungen zugeführt werden.
  • Unterbrochene Achsen werden verbunden, Wegenetze zwischen öffentlich bedeutsamen Orten (Oper, Schauspiel, Kunsthalle, Agrippabad) erfahren eine neue Gewichtung, die bislang getrennten Stadtteile werden neu in Beziehung gesetzt. Aufwertung durch Stärkung und Schaffung neuer stadträumlichen Grünbezüge.
  • Vernetzung des Griechenmarktviertels mit dem Stadtkern. Mit der Überwindung der Verkehrsbarriere Cäcilienstraße nimmt das Neue Forum eine städtebauliche Schlüsselposition in der Aufwertung des Umfeldes ein und erhöht die Wohnqualität in der Innenstadt.
  • Die Steigerung des Angebots durch hochwertige Nutzungen, Nutzungsmischung und Flexibilität führt zu einer Aufwertung des Standorts und langfristiger, nachhaltiger Wirtschaftlichkeit
  • Entwicklung struktureller Standortqualitäten in der Tradition europäischer Stadtbauentwicklung. Stadträumliche Optionen Einbeziehung von Stadtbibliothek, Ärztehaus, VHS-Gebäude, Parkhaus
  • Ökonomisches Modell

  • Zugrundelegung und Interpretation erfolgreicher marktwirtschaftlicher Regelwerke zur Sicherung öffentlich-kultureller Interessen
  • Aufwertung der städtischen Liegenschaft durch die Aktivierung vorhandener Ressourcen
  • Maximierung von Baumassen durch die Hinzuziehung privater Trägerschaften
  • Partnerschaftliche Beteiligungen der öffentlichen Hand an einer gewinnoptimierten privatwirtschaftlichen Projektentwicklung und an Betreibergesellschaften.
  • ->Köln braucht eine Kunsthalle

    www.haubrich-forum.net

    Initiative Haubrich-Forum, Das Loch e.V.
    Ausgewählte Textpassagen: Barbara Schlei/Redaktion

    loch_abbruch

    Abriss der Kunsthalle am Josef-haubrich-Hof im Dezember 2002

    Foto: Ilka&Andreas Ruby/textbild

    ->Köln braucht eine Kunsthalle

    loch_optionen

    Stadträumliche Optionen: Einbeziehung von Stadtbibliothek, Ärztehaus, VHS-Gebäude und Parkhaus

    Foto: Loch e.V.

    loch lageplan

    Bauliche Optionen – neue Wegebeziehungen

    Konzept: Bernd Kniess

    loch_statistisches Modell

    Statistisches Modell:

    Ermittlung der maximalen Kubatur unter Anwendung geltenden Baurechts. Der im Optimierungsprozess in Abzug gebrachte Öffnungsanteil ist aus Vergleichswerten europäischer Stadtbausteine abgeleitet.

    Konzept: Bernd Kniess

    loch ueberbauung

    Grundstück – Optimierte Volumina

    Konzept: Bernd Kniess

    loch partizipation

    Realisierungsmodell

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