Via culturalis

Mit den eigenen Pfunden wuchern: Aufräumen im mittelalterlichen Zentrum der Stadt. Ergebnisse des Werkstattverfahrens

Unter dem Stichwort „via culturalis“ wird seit gut zehn Jahren diskutiert, wie die Achse zwischen St. Maria im Kapitol und dem Südportal des Doms aufzuwerten ist. Baudezernent Höing gab offen zu, das Werkstattverfahren mit drei Planungsteams noch in diesem Jahr in Gang gesetzt zu haben, da sonst die vom Land NRW zugesagten Fördergelder abgelaufen wären.

Die Büros Schaller / Theodor und Schilling aus Köln und Hild und K Architekten aus München mit ihren jeweiligen Planungsteams haben nun ihre Ergebnisse präsentiert. Alle Beiträge stehen gleichberechtigt nebeneinander, aus ihnen will die Stadt ein Gestaltungskonzept entwickeln, das im ersten Halbjahr 2014 vorgestellt werden soll.

Via dolorosa

Schon die ersten Schritte entlang der Straße Unter Goldschmied mit dem nicht gut in die Jahre gekommenen WDR-Parkhaus fügen dem Passanten Schmerz zu: abgasverrußte Betoneinfahrten mit integrierter Currywurstbude. Was einst die „Kulturstraße“ der Stadt durch die mittelalterliche Mitte werden soll, zeigt sich heute meistenteils als Rückseite und Andienzone der Hohe Straße. Doch Veränderungen deuten sich an. So kann beispielsweise die gesamte südliche Domplatzkante neu gedacht werden, seit das ehemalige Diözesanmuseum zur Disposition gestellt ist.

In manchen Grundaussagen sind sich alle drei Teams einig: Nicht nur die Straße, sondern das gesamte Quartier ist Betrachtungsraum. Eine Gleichbehandlung aller Verkehrsteilnehmer wird angestrebt, Parkplätze im Straßenraum verschwinden. Eine einheitliche Straßenoberfläche soll hergestellt werden. Hier, wie auch sonst überall, ist eine Entrümpelung vonnöten.

So hat auch Höing „Sympathie dafür, erst einmal den öffentliche Raum zu qualifizieren.“ Eine weitere wichtige Anregung aus dem Verfahren ist für ihn, den historischen Grundriss zu respektieren, also etwa keine neuen Straßendurchbrüche anzulegen. Gleichzeitig hält er aber auch den Beitrag für wertvoll, nicht notwendigerweise überall mit den Kubaturen bis an die Straßenkante zu gehen, insbesondere am Quatermarkt.

Via triumphalis

Besonders Hild und K Architekten gehen auf den Aspekt der Sichtbarmachung ein. Vielleicht inspiriert von ihren pink eingefärbten Überflüssigkeiten stellt Höing sich eine Art Happening vor, bei dem man „all das weghauen“ könnte. Wie auch immer dieser Befreiungsschlag aussieht, es täte Köln gut, wenn dieses Kulturquartier ein Vorbild dafür wird, wie man in Zukunft in Köln Stadtraum gestaltet will.

Schaller / Theodor wollen das „Hinterland“ der Straße einbeziehen und Innenräume und Rückseiten durch Passagen und Durchgänge erschließen, um so die Grundlage für die allmähliche Entwicklung eines lebendigen Kulturviertels zu legen. Schilling Architekten entwickeln ihre Vorschläge für neue Gebäude aus dem den Charakter des mittelalterlichen Stadtgrundrisses, der das Quartier prägt: „aus leicht geschwungenen, in der Breite variierenden Straßenräumen im Wechsel mit zahlreichen kleinen rechteckigen oder konischen Plätzen, die jeweils den Blick auf die baulichen Besonderheiten freigeben“.

Eigentümer, die seit Jahrzehnten keine Änderung am Satus Quo in Erwägung ziehen, müssten sich nun bewegen. Optimistisch stimmt, dass das Werkstattverfahren von ihnen offenbar mit Interesse verfolgt wurde. Ein erster möglicher Schritt, der am Ende des Weges eine Wertsteigerung des gesamten Quartiers erhoffen lässt, ließe sich relativ schnell verwirklichen: Entrümpeln kostet ja fast nichts!

Ira Scheibe

 

Planungsteams

  • Planungsteam Schilling Architekten BDA, Köln / Kress & Adams Atelier für Tages- und Kunstlichtplanung, Köln / Lohaus + Carl Landschaftsarchitekten + Stadtplaner, Hannover
  • Planungsteam Schaller / Theodor Architekten BDA, Köln / Lichtplanung A. Hartung, Köln /
  • Landschaftsarchitekt Herbert Dreiseitl, Atelier Dreiseitl, Überlingen / Martin Stankowski, Publizist und Kulturwissenschaftler, Köln / Professorin Wittfrida Mitterer, Institut für Baugeschichte, Innsbruck
  • Planungsteam Hild und K Architekten BDA, München / Keller Damm Roser Landschaftsarchitekten Stadtplaner, München / Professor Manfred Schuller, Archäologe und Kunsthistoriker, TU München

Weitere Infos finden Sie auf der Internetseite >>Stadt Köln

 

Hild und K Architekten: Alles in pink kann weg

Analyse der bestehenden Objekte und Möbel im Stadtraum

Planungsteam Hild und K Architekten

Betrachtungsraum Hild und K:

Hild und K Architekten fokussieren zunächst die Bekannt- und Sichtbarmachung der „via culturalis“. Als praktikabler erster Schritt könnten im Betrachtungsraum überflüssige Elemente entfernt werden.

Blick auf den Quatermarkt

Schilling Architekten: Vorschlag für eine neue Gestaltung gegenüber des WRM zur Schildergasse hin. Dezente Leitlinien aus Bronze betonen die Wegeführung.

Planungsteam Schilling Architekten

Betrachtungsraum Schilling:

Schilling Architekten entwickeln ihre Vorschläge für neue Gebäude aus dem den Charakter des mittelalterlichen Stadtgrundrisses.

Blick auf den südlichen Abschluss des Roncalliplatzes

Schaller Architekten: Arkadenzüge am Roncalliplatz markieren die historische Grenze zwischen Domimmunität und Bürgerstadt.

Betrachtungsraum Schaller:

Schaller Architekten wollen nicht bei der verbesserten baulichen Fassung der Straßenfront stehen bleiben, sondern „via culturalis“ auch Passagen, Durchgänge und Innenräume erschließen.

Schreibe einen Kommentar