…würde sich Bernd Streitberger das „strubblige“ Köln schon wünschen. Seine Amtszeit als Baudezernent endet zum 1. Juli 2012. Der BDA überreichte schon mal einen Abschiedsstrauß.

Viel schärfere Fragen habe er hier erwartet, sagte Streitberger, als er den Strauß am Ende des Abends entgegennahm, und eine feine Brise Erleichterung schwang darin mit. Er hat den öffentlichen Diskurs nie gescheut. Ja, er habe sich sogar immer „wohl gefühlt“ in den Gesprächsrunden des BDA, auch bei kritischen Debatten. Seinem Amt scheint er nun aber nicht hinterher zu trauern.

Oelde Fulda Kassel Köln

Das Montagsgespräch mit Raumplaner Reimar Molitor und Architekturtheoretiker Andreas Denk lieferte einen persönlichen Rück- und Ausblick Streitbergers. Nach seiner „Ochsentour“ durch die Provinz landete er 2004 in Köln. Ehrfurcht befiel ihn bei winterabendlichen Gängen über die Hohenzollernbrücke: „Mein Gott, da bin ich jetzt allein für verantwortlich,“ habe er gedacht und erwähnt in nächsten Atemzug seine Mitarbeiter, denen er im Laufe des Abends noch mehrfach dankt.

Für ihn als Westfale geht es nicht um Wunschvorstellungen: „Wenn man sogenannten Visionen folgt, dann macht man sich auch nie verantwortlich für das, was da unten passiert, aber genau das ist das Entscheidende.“ Eine Leitidee jedoch, die hat er: Die Stadt behutsam weiterzubauen, die Weisheit anzuerkennen, die in ihren jahrhundertealten Strukturen liegt und nicht versuchen, sie neu zu erfinden.

Erfolgs- und Misserfolgstouren

Auf Anregung von Molitor begibt sich Streitberger gedanklich auf Sightseeing Tour durch Köln: seine persönliche Liste der Orte, an denen man eher nicht voran gekommen ist, umfasst die Via Sacra, die Rampen zu den Rheinbrücken und die Stadtbahnanlagen, vor allem den Barbarossaplatz. Vorzeigenswert im positiven Sinne sind für ihn der Blaue Hof und die Germania Siedlung, der Rheinauhafen, die Lindenthaler Kanäle, der Blücherpark und die Severinstraße. Als wichtige anstehende Projekte benennt Streitberger den Umbau der Domumgebung und der Aposteln- und Ehrenstraße. Eine große Herausforderung für seinen Nachfolger sieht er in der Gestaltung des öffentlichen Raums nach der Stadtbahneröffnung.

Mit auf den Weg

Kölns „Strubbligkeit“ will Streitberger gar nicht wegfrisieren. Doch man müsse sich endlich von der Vorstellung lösen, der öffentliche Raum sei in erster Linie dazu da, irgendetwas dort abzustellen. Er rät den Planern, sich „die Innenstadt vorzunehmen“, bei aller Domliebe und Identifikation mit dem Veedeln und dem Analysieren rechtsrheinischer Potentiale sei die Entwicklung der Innenstadt die unterbelichtetste Fragestellung in Köln.

Gefragt nach den Partnern für Stadtplanung nennt Streitberger neben GAG und KVB anerkennend die Beiträge der Projektentwickler, denen man auch baukulturelle Standards beigebracht habe, das Abhalten von Wettbewerben etwa. „Das Entscheidende ist, dass jeder weiß, dass jeder andere gleich behandelt wird und nicht nach Gefühl und Wellenschlag.“ Streitberger verlässt das Amt, aber er bleibt in der Stadt und wird nun Leiter der Projektentwicklungsgesellschaft „Moderne Stadt.“

Ira Scheibe

Reimar Molitor, Bernd Streitberger und Andreas Denk auf dem Podium beim BDA Montagsgespräch. Foto: Ira Scheibe

Blumen statt scharfer Fragen gibt es am Ende der Amtszeit beim BDA Montagsgespräch. Andrea Wallrath überreichte sie Bernd Steitberger.

Foto: J.Alex.Schürenberg

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Eine Reaktion auf “Ein bisschen aufgeräumter…”

  1. Architekt

    Im Prinzip ist H. Streiberger bezüglich Architektur und Stadtentwicklung in der Provinz, sprich Fulda oder Kassel hängen geblieben. Eine Großstadt wie Köln stellt ganz andere Herausforderungen. Den Rheinauhafen in dieser Form hätte es mit H. Sreitberger, wäre er früher in Köln in diesem Amt tätig gewesen, nie gegeben.

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