Vorbilder

34 Projekte erhalten die ‚Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW 2010‘ – fünf davon stehen in Köln.

Er ist ein bisschen der Streberpreis für Architektur in NRW: Die „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW“ gibt es für richtungweisende Gebäude, in ästhetischer, technischer, sozialer oder städtebaulicher Hinsicht. Ausgezeichnet werden deshalb nicht nur die Architekten, sondern auch die Bauherren, die solche Häuser erst ermöglichen.

Alle fünf Jahre wird der Preis vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW und der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen vergeben. 249 Arbeiten wurden in diesem Jahr von Bauherren und Architekten vorgeschlagen, von denen nun 34 die „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW 2010“ erhalten. „Die ausgezeichneten Objekte belegen die Innovationskraft und das technische Know-how unserer Architekten und Stadtplaner, gepaart mit Kreativität und Gestaltungswillen“, lobte NRW-Bauminister Harry K. Voigtsberger bei der Preisverleihung.

„Vorbildlich Planen und Bauen heißt heute, energie-, kosten- und flächensparend zu planen und dabei die gesellschaftlichen Entwicklungen in den Bereichen Arbeit, Wohnen und Freizeit zu reflektieren“, umreißt der Präsident der Architektenkammer, Hartmut Miksch, den Kern des Preises. Dabei macht er einen Trend zur Nachverdichtung aus: „Die Arbeiten belegen auf eindrucksvolle Weise, dass die nordrhein-westfälischen Architekten und Bauherren auch auf schwierigen Grundstücken und in enger innenstädtischer Lage herausragende Bauwerke zu realisieren verstehen.“ Eine Entwicklung, die sich auch bei den Kölner Preisträgern beobachten lässt.

Schmales Dreifensterhaus

Mitten in der Innenstadt, auf einem schmalen Baugrundstück von nur 4,60 Metern Breite, steht das Wohn- und Bürohaus Schwalbengasse von und für LK Architekten, die den Begriff „Dreifensterhaus“ bis fast zur Vollverglasung dehnen. Licht ist das bestimmende Element auch im Innenraum: Split-Level über zwölf Ebenen und die Geschosse verbindende Lufträume verhindern, dass das schmale Haus zu einer engen Kiste wird. „Das Stadthaus in Köln ist ein gelungenes Beispiel für die Innenverdichtung im Stadtraum auf schwierigen und kleinen Grundstücken“, befindet die Jury.

Begrünte Kuben

Auch die Hauptverwaltung der Kölner Wohnungsgenossenschaft verbindet Wohnen und Arbeiten – allerdings auf eine ganz andere Weise. Mitten in eine bestehende Wohnbebauung haben Mronz + Schaefer Architekten das Bürogebäude gesetzt. Dort wo früher der Garagenhof war, stehen jetzt niedrige weiße Kuben die mit ihren begrünten Dächern sogar von oben schön anzusehen sind, so dass die Nachverdichtung den Eindruck von mehr Freiraum gibt. Aber nicht nur für die Bewohner der umliegenden Wohnungen, auch für die Mitarbeiter ergab sich eine Verbesserung. „Gute Architektur macht Lust auf gute Arbeit“, schreibt die Jury angesichts der klaren Formen, der sorgfältig gewählten Materialien und der spannenden Aus- und Einblicke.

Hofbebauung in Grau und Grün

Im Belgischen Viertel wurde ebenfalls nachverdichtet. Das „Quartier 21“ von Ute Piroeth Architektur nutzt aber nicht die gesamte zur Verfügung stehende Fläche. So werden im Innenhof noch Freiräume gelassen. Die Jury ist überzeugt: „Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel für die Erschließung neuer innerstädtischer Wohnungsbaupotentiale in schwierigen Blockinnenbereichen.“ Zwei zweigeschossige und ein viergeschossiges Gebäude in Anthrazit und Orange umschließen den Hof. Sie bieten unterschiedlichste Wohngrundrisse, bei denen die Eigentümer viel selbst bestimmen konnten und die mit ihren begrünten Terrassen eine ganz besondere Form urbaner Wohnqualität bieten.

Umbau im Denkmalschutz

Die Wohnungen, die von Format Architektur Hatzfeld & Moster im denkmalgeschützten ehemaligen Rathaus in Weiden eingerichtet wurden, sind genauso individuell wie die im „Quartier 21“. Das frühere Verwaltungsgebäude wurde vertikal untergliedert und in Stadthäuser zwischen Galeriehaus und Villa umgewandelt. Dabei legten Architekt und Bauherr besonderen Wert auf Ökotechnologie: Erdwärmepumpe in Verbindung mit Fußbodenheizung und einer innovativen Innendämmung zeigen, wie man beim Bauen im Bestand vorgehen kann. „Insgesamt ein wertvoller Beitrag, wie man ein unter Denkmalschutz stehendes ehemaliges Verwaltungsgebäude der Nachkriegszeit an geänderte Nutzungsanforderungen anpassen kann“, lobt die Jury.

Skulptur für den Hochwasserschutz

Ein Gebäude sticht heraus, aus den Kölner Preisträgern der „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW 2010“: Das Hochwasserpumpwerk in Rodenkirchen von Landschaftsarchitekt Dirk Melzer und Kaub / v-architekten. Hier wohnt oder arbeitet niemand, es wurde auch nicht umgenutzt oder nachverdichtet – aber das technische Bauwerk mit seiner Bruchsteinmauer und der durchbrochenen Metallverkleidung ist herausragend gestaltet. Und so beschränkt sich die Jury auch darauf, diesen Aspekt besonders hervorzuheben: „Das Objekt wird höchsten ästhetischen Ansprüchen gerecht und führt technische Anforderungen und Kunst im öffentlichen Raum zusammen.“

Die Architektenkammer NRW präsentiert die 34 ausgezeichneten Bauwerke vom 28. September bis 4. November 2010 in einer Ausstellung im Haus der Architekten in Düsseldorf.

Informationen zu den Veranstaltungen der Architektenkammer NRW

avb2010 schwalbengasse

Das lichtdurchflutete Dreifensterhaus in der Schwalbengasse.

avb2010 genossenschaft

Bürogebäude der Wohnungsbaugenossenschaft, umgeben von den eigenen Wohnungen.

avb2010 quartier21

Die Dachterrassen im ‚Quartier 21‘ sind grüne Oasen.

avb2010 rathaus

Rote Markisen und bodentiefe Fenster verwandeln die Fassade eines Verwaltungsgebäudes.

avb2010 hochwasser

Das Hochwasserpumpwerk in Rodenkirchen sieht aus wie ein Kunstwerk.

2 Kommentare

Wie mir von seiten der SteBb bekannt wurde, wird von den Versicherungen gefordert, das Pumpwerk durch einen Zaun abzugrenzen, um Gefahren durch kletternde Kinder zu vermeiden.
Ein solcher Unfug muß verhindert werden !

Sehr geehrter Herr Esser,

das Pumpwerk muss nicht eingezäunt werden.
Durch verschiedene Sicherungsmaßnahmen konnten die
versicherungsrechtlichen Bedenken vollständig ausgeräumt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Dirk Melzer

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