„Unter dem Pflaster…..

…liegt der Kölner Stadtschichtenatlas

Auch unter dem Asphalt sind die Dinge in Bewegung. Fundamente, Bodenschichten, Gruben und Grundwasser – seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs interessieren sich die Kölner intensiver für ihren Untergrund. Auch Wochen nach dem Unglück gibt es weder von der Stadt noch der KVB stichhaltige Aussagen zu den gefährdeten Monumenten an der U Bahntrasse, wie etwa die romanischen Kirchen St. Maria im Kapitol, St. Georg, und St. Severin.

Aufschluss über den verborgenen historischen Stadtkern Kölns gibt der Stadtschichtenatlas. Schon zehn Jahre laufen die Arbeiten an dem archäologisch-geographischen Informationssystem. Partner im Projekt sind die Abteilung Architekturgeschichte des Kunsthistorischen Instituts der Uni und die Archäologische Bodendenkmalpflege im Römisch-Germanischen Museum, gefördert wird es vom Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW.

Topographischen Veränderungen der letzten zwei Jahrhunderte

Drei Katasterpläne – der Urkataster von 1836/37 und zwei weitere von 1938 und 1948 – wurden zunächst gescannt. Vor der digitalen Umsetzung mussten die teils ungenauen und fehlerhaften Karten anhand von Realweltkoordinaten korrigiert werden. Erschwert wird das Verfahren durch die Fehlerfortschreibung der auf dem Urkataster fußenden neueren Kartenwerke. Der Vergleich der vier digital vorliegenden Katasterpläne – inklusive der allgemeinen Liegenschaftskarte im aktuellen Zustand – zeigt die topographischen Veränderungen der letzten zwei Jahrhunderte.

Auch zum Baubestand am Waidmarkt von 1836, 1938 und 1948 liegen genaueste kartographische Informationen vor. Dieses Instrumentarium hätte für einen Tunnelvortrieb durch den Untergrund auf jeden Fall hilfreich sein können, sind doch hier Daten darüber enthalten, was in welcher Höhe liegt und mit welchen Bodendenkmalbeständen konkret zu rechnen ist. Doch die KVB-Planer haben davon offensichtlich keinen Gebrauch gemacht.

Romanischer Kellerkataster

Das digitale Kartenwerk wird fortlaufend in ein archäologisch-geographisches Informationssystem integriert. Auch älteres Kartenmaterial soll erfasst werden, idealerweise blättert man sich durch einen Zeitschichtenatlas, der die vergangenen 2000 Jahren in Schritten von etwa 50 Jahren abbildet.

Flächenmäßig umfasst der Atlas das mittelalterliche Köln, die damals größte Stadt nördlich der Alpen. Es sind fünf Quadratkilometern, die heute in etwa 9.000 Einzelflurstücke gliedert sind. Seit einigen Monaten arbeitet das Team des Institutsleiters Dr. Norbert Nußbaum an einem „Raumbuch“ romanischer Keller, bis auf wenige Ausnahmen die einzigen wirklich „romanischen“ Hinterlassenschaften des Profanbaus in Köln. Von diesen wichtigen – weil feuersicheren – Räumen verspricht man sich Aufschlüsse über die Entwicklung der Händlervorstadt entlang der Märkte, die dann mit bestehenden Modellverläufen für kleinere Zentren wie etwa Freiburg zu vergleichen wären. Momentan haben die Projektmitarbeiter allerdings sehr mit den Bedenken der Hauseigentümer zu kämpfen, die nach dem Einsturz des Archivs den Kontakt mit sämtlichen öffentlichen Stellen aus dem Bauwesen scheuen. „Kommt Zeit, kommt Rat“ – währenddessen wäre dem Projekt mehr mediale Aufmerksamkeit und Unterstützung dringend zu wünschen.

Am 9. Dezember wird das Projekt im Rahmen der Reihe „Stadt weiterbauen“ des hdak vorgestellt.

Ira Scheibe

Digitaler Stadtschichtenatlas Köln

Digitaler Urkataster von 1836/37

Quelle: Digitaler Stadtschichtenatlas Köln

Originaler Urkataster von 1836/37

Quelle: Digitaler Stadtschichtenatlas Köln

2 Kommentare

Lieber Unbekannt,
Wir löschen Kommentare, wenn sie nicht der Netiquette (Benehmen in der virtuellen Kommunikation) entsprechen. Tonfall und Inhalt sollten dem Zielpublikum gegenüber angemessen sein, auch beleidigende Formulierungen können wir nicht dulden.

Mit besten Grüßen Barbara Schlei, Redaktion

Schreibe einen Kommentar