Alle gehen hin. Kaum einer macht mit. Warum nur?

plan04 – ein Rückblick

Eine gute Idee. „plan – Forum aktueller Architektur in Köln“. Es gibt kaum eine vergleichbare Veranstaltung in Deutschland -oder vielleicht sogar in Europa – die sich solch idealistische Ziele gesetzt hat. Was heißt es, „Forum aktueller Architektur“ zu sein? Das Forum Romanum kommt einem in den Sinn – Treffpunkt, Versammlungsstätte, Theater, Schauspiel – Ort für tausende von Menschen, für Menschen der ganzen Stadt. Die Idee des alten Forums wiederaufleben zu lassen, und das in Köln, erscheint wunderbar. Welcher Architekt träumt denn nicht davon, seine Projekte vor einem großen Publikum auszustellen? Und bei Veranstaltungen mit Fachleuten, aber auch Laien zu diskutieren?

War es in der letzten Woche so? Kam es zum Aufeinanderprallen der Meinungen? Wie viele „Nicht-Architekten“ sind Ihnen beim Spaziergang über den Weg gelaufen?

Erwartungen & Ziele

„Die Idee von plan04 ist, Architektur aus erster Hand und in vielen Fällen auch 1:1 am realisierten Objekt zu zeigen. Architektur und Städtebau sollen während einer Woche intensiv erlebt und diskutiert werden. (…) plan lädt Kulturinteressierte und Fachleute dazu ein, während einer Woche als „Architekturhungrige“ durch die Stadt zu flanieren und mit den jeweiligen „Machern“ zu debattieren.“ So die Worte in der Broschüre zu plan04. Diese Erwartungen wurden sicher erfüllt. Kulturinteressierte und Fachleute konnten sich austauschen, inspirieren lassen oder einfach nur genießen. Und zwar nicht nur die reine Architektur, sondern auch Design oder Videokunst. Die Ausstellung „Mediatope“ zum Beispiel. Die eingeladenen Künstler beschäftigten sich mit urbanen Wohnräumen und schickten den Betrachter mit ihren Arbeiten auf eine Reise in sein eigenes Ich. Oder aber Frauke Gerhard, eine der Preisträgerinnen. Ihre „Comtainment Station“, ein kleiner intimer Marktplatz, wurde zum Ort künstlerischen Austausches. Sie thematisiert mit ihren Projekten die Nutzung öffentlicher Räume. „Kunst ist nicht nur Objekt, sondern hat eine kommunikative, soziale und urbane Funktion“, so die Beurteilung der Jury. „Danke für die Vitaminspritze!“ Die Preisträgerin strahlt.

Lob & Kritik

Und was meinen die Initiatoren? Wurden ihre Erwartungen erfüllt? Sind sie zufrieden mit dem Verlauf dieser Großveranstaltung? Kay von Keitz und Sabine Voggenreiter scheinen erleichtert. Der Stress hat sich gelohnt. Viel positive Kritik hat es gegeben, über 10.000 Menschen sollen grob geschätzt das Angebot genutzt haben. Ein wenig enttäuscht sind die Initiatoren aber dennoch. „Wir hätten eigentlich mehr von den Architekten erwartet“, meint Kay von Keitz. „Sie sind manchmal sehr initiativlos.“

Jeder Architekt in Köln kennt die jährlichen plan-Veranstaltungen. Alle wissen, dass es dieses Forum gibt, aber kaum einer macht mit. Die Anzahl der teilnehmenden Künstler war dagegen überdurchschnittlich groß. Liegt es nur an den 1.600 EURO Teilnahmegebühr? Aber auch einige der Architekten sind enttäuscht und bezifferten die Veranstaltung als „geistige Inzucht“. Wo bleibt die Konversation mit dem „Normalbürger“? Der versteht kein Wort. Im Vorbeigehen wirft er einen kurzen Blick auf die Werbung, das Plakat von plan04. Die Farbe gelb allein reicht nicht aus.

Die Öffentlichkeit

In den Tageszeitungen steht viel geschrieben, allerdings wenig über Architektur. „Architektur ist heute noch kein kulturell anerkanntes Thema, gleichwertig mit Literatur, Musik oder bildender Kunst.“ So das Résumée des Architekturkritikers Gerd Kähler in einer im September 2003 veröffentlichten Untersuchung über „Präsenz von Architektur und Baukultur in ausgewählten Kommunikationssystemen.“ Wie konnte es nur zu dieser Bagatellisierung kommen? Ist Architektur wirklich so ein langweiliges Thema, über das es sich nicht lohnt zu schreiben?

plan – und jetzt?

plan ist da ein Schritt in die richtige Richtung. Obwohl die Zahl der Architekten im Publikum überwiegt, ist es dennoch ein Anfang. Ein Anfang für Architekturdiskussion, für den Dialog untereinander. Die meisten anderen Großstädte sind davon noch weit entfernt und schauen neidisch nach Köln. Jetzt könnten Ziele höher gesteckt werden, um den Funken auf ein noch größeres Publikum überspringen zu lassen. Wir sind auf dem richtigen Weg, Architektur wieder als einen gewichtigen Teil des kulturellen Diskurses neu zu verankern. Doch dabei sind nicht allein die Zeitungen, die Kritiker oder die Organisatoren gefordert, sondern vor allem die Architekten selbst.

Natalie Gemmrig

1 Kommentar

Plan04: Na gut, habe ich mir gedacht. Architektur mal von einer anderen Seite kennen lernen. Ich bin kein Architekt, doch sehr interessiert was Stadtgestaltung und Hausbau angeht. Endlich habe ich die Gelegenheit, Einblicke in die Entwürfe und Planungen der Architekten zu bekommen. Wenn ich das gewusst hätte, was ich mir damit antue. Jede Veranstaltung, die ich besuchte, war voll von – wie die Autorin schreibt – „geistiger Inzucht“. Architekten – ist das wirklich ein Volk von Visionären, Selbstdarstellern und verlorenen Künstlern? Sollte plan nicht die Lücke zwischen Architekt und Betrachter schließen?
Nach einer Weile versuchte ich, den „Scannerblick“ („wer ist alles da? Wer ist das? Ist der besser als ich?“) außer Acht zu lassen und die energievernichtenden Gespräche zu umgehen.
Der Gedanke von plan war bestimmt gut. Daher eine Bitte für das nächste Mal. Es gibt auch Menschen, die mit einfachen und verständlichen Sätzen zufrieden sind. Und – Architektur ist ein wichtiger Teil, aber nicht alles im Leben.

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