Foto © Marcel Rotzinger

Neues Wohnen und Arbeiten in der Nachbarschaft Samtweberei

welovearchitecture #13 mit Henry Beierlorzer über ein experimentelles Quartiersentwicklungsprojekt in Krefeld

Das sozial benachteiligte Samtweberviertel in der Krefelder Südweststadt ist seit 2014 Experimentier- und Handlungsfeld für einen ungewöhnlichen Ansatz der Quartiersentwicklung.  Die Montag Stiftung Urbane Räume hat hierzu ein Modellprojekt auf den Weg gebracht: Mit „Initialkapital“ werden nicht nur soziale und kulturelle Projekte für mehr Chancengerechtigkeit befördert, bürgerschaftliche Initiativen gestärkt und das Gemeinwesen mit Angeboten zur Teilhabe gestärkt. Impulse hierfür setzte eine Immobilieninvestition zur Entwicklung der „Alten Samtweberei“, einer ehemaligen Textilfabrik, die seit Jahren leer stand. Hier entstanden nicht nur ein gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt im denkmalgeschützten Bestand mit 37 Wohnungen und Büros, Ateliers und Gewerbeflächen zu günstigen Mieten sowie öffentliche Freiräume und eine kleine Begegnungsstätte für das ganze Viertel.

Darüber hinaus erwirtschaftet das gemeinnützige Projekt aus der Vermietung Überschüsse, die auf Dauer der Finanzierung von Gemeinwesenarbeit dienen. Schließlich erbringt die „Alte Samtweberei“ mit ihren 150 Menschen, die hier wohnen und arbeiten im Jahr rund 2500 Stunden ehrenamtliches Engagement für das angrenzende Viertel.

„Bauen“ hat bei dem Projekt eigentlich nur dienende Funktion für die Stärkung des Gemeinwesens – das Gebaute kann sich aber sehen lassen: Gutes Bauen im Bestand, ein Wohnprojekt das urbane Mischung zum Prinzip macht, die Umdeutung einer ehemaligen Sheddach-Produktionshalle zum „neuen Platz für das Viertel“, ein selbstorganisiertes Nachbarschaftscafé  und die Umdeutung einer „Schrottimmobilie“ zum Ort für kooperatives Arbeiten, in dem Gestalter aus dem Umfeld der nahegelegenen Designhochschule ihre Spuren hinterlassen.

Das Pilotprojekt macht Lust auf mehr. Die Montag Stiftung Urbane Räume will in den nächsten Jahren noch weitere Initialkapital-Projekte mit Investitionen für gemein-wohlorientierten Stadtteilentwicklung in benachteiligten Quartieren auf den Weg bringen.

Begrüßung
Ragnhild Klußmann BDA Vorstand

Vortrag
Henry Beierlorzer Urbane Nachbarschaft Samtweberei gGmbH

Henry Beierlorzer, studierter Architekt und Städtebauer, hat Erfahrungen mit ungewöhnlichen und ambitionierten Projekten. Nach Stationen bei der IBA Emscher Park und der Regionale 2006 im Bergischen Städtedreieck, entwickelte er gemeinsam mit Frauke Burgdorff für die Montag Stiftung Urbane Räume das Handlungsprogramm der „Nachbarschaft Samtweberei“, dessen Geschäftsführer er aktuell ist.

31. Mai 2017 um 19.30 Uhr
AIT ArchitekturSalon Köln
Vogelsanger Str. 70
50823 Köln

welovearchitecture findet im Rahmen der Ausstellung »Neue Standards. Zehn Thesen zum Wohnen« des Bund Deutscher Architekten BDA statt. BDA NRW und der BDA Köln präsentieren die Ausstellung, die im Herbst 2016 zunächst im DAZ gezeigt wurde, vom 19. Mai bis zum 16. Juni im AIT-Architektursalon Köln.

Zehn Architektinnen und Architekten plädieren für »Neue Standards«, die vermeintliche Sicherheit technischer Normen gegen die Chance auf eine Qualitätsdiskussion eintauschen. Wie Wohnen bezahlbar bleibt, wie Menschen an ihrer Stadt teilhaben können, sind ebenso Themen wie Dichte als Möglichkeit für städtisches Leben. Die »Neuen Standards« stehen dabei für ein kompaktes Wohnen mit anpassungsfähigen Raumstrukturen und für ein Wohnen, das sich auf Essenzielles besinnt und reich an Atmosphäre ist.

»Neue Standards. Zehn Thesen zum Wohnen« wurde von Olaf Bahner und Matthias Böttger für den Bund Deutscher Architekten BDA kuratiert. Ausstellung, Publikation und Rahmenprogramm werden durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit BMUB und das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen gefördert.

welovearchitecture: Unterhaltsame Abende zu und über Architektur, im Sinne einer Liebeserklärung zu allen Aspekten dieses umfassenden Themas.
An unterschiedlichen Orten wird eine thematische Breite, das Aufeinandertreffen von extremen Standpunkten und das engagierte Mitwirken der Gäste erlebt. Eine gewisse inhaltliche Unvorsehbarkeit und Unkontrolliertheit im Sinne einer produktiven Entgleisung der Abende ist ein wichtiger Aspekt der Veranstaltungen.
Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung stehen der informelle Austausch und die individuelle Kommunikation der Gäste im Vordergrund.

welovearchitecture ist eine Initiative des Bundes Deutscher Architekten BDA Köln.

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