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Mehrwert des Siegerentwurfs: Das Dachterrassenstudio mit Domkulisse auf dem Dach des generalsanierten WDR Fimhaus. © Buchner Bründler Architekten, Basel

Wettbewerb für die Generalsanierung des WDR Filmhauses entschieden

In der Kölner Innenstadt ist der WDR mit seinen Bauten sehr präsent. Der Sender zeigt Größe und Masse, doch sieht man vom Funkhaus am Wallrafplatz einmal ab, wenig Sinn für Architekturqualität oder städtebaulichen Kontext. Eine gute Gelegenheit daran etwas zu ändern ist die Generalsanierung des WDR Filmhauses, das 1974 zwischen Appellhofplatz und Tunisstraße gebaute wurde. Dazu lobte der WDR einen internationalen Wettbewerb mit 20 Teilnehmern aus und schloss ein Vergabeverfahren mit drei Teilnehmern an, in dem sich das Baseler Büro Buchner Bründler Architekten gegenüber der Henn GmbH (München) und Holodeck architecs ZTGmbH (Wien) durchsetzen konnte. Ab Ende 2017 soll das WDR Filmhaus nun nach Plänen von Buchner Bründler grundsaniert und bis 2020 zu einem modernen Medienhaus umgebaut werden.

 

Ansicht Tunisstraße / Komödienstraße: Die neue Transparenz vor der historischen Masse des Archivhauses © Buchner Bründler Architekten, Basel

 

 

In der jetzt offen, flexibel und nachhaltig geplanten Struktur wird sich nicht nur die Arbeitsweise der WDR-Mitarbeiter hin zu einer crossmedialen Ausrichtung ändern, erstmals erlaubt der WDR mit transparenten Fassaden auch Einblicke hinter die Kulissen dieser in der Kölner Innenstadt so prominenten Arbeitswelt.

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Ansicht Appellhofplatz © Buchner Bründler Architekten, Basel

 

Im Wettbewerb überzeugten Buchner Bründler die Jura unter Vorsitz von Heiner Farwick mit der Idee, den Bestand bis auf die tragenden Struktur zurückzubauen und diese in den neuen Ansichten zu überzeichnen. Das Filmhaus, das sich aus mehreren ineinander geschobenen Volumen zusammensetzt, wird über den Appellhofplatz erschlossen. Hier schlagen die Architekten vor, die Höhen der Bestandsgebäude so anzupassen, dass innerhalb des Ensembles drei Quader klar lesbar werden. Der mit fünf Geschossen niedrigste Baukörper, über den das Filmhaus erschlossen wird, orientiert sich zum Appellhofplatz. Dahinter erhebt sich zehn Geschosse hoch der Mittelkörper, über den ein Gleichgewicht mit dem dominanten Archivhaus hergestellt werden soll. Einen Gebäudekopf bildet die Stirnfassade des dritten Baukörpers an der Tunisstraße. Den offenen Charakter betonen Buchner Bründler mit einer neuen Fassadenstruktur aus hellen Betonelementen und einer raumhohen Fensterflächen. Situativ verändern sie die Form der Verglasung, lassen sie vor und zurückspringen, spielen mit Transparenz, Licht und Spiegelungen.

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Mitten in der Stadt und dem Himmel ganz nah – so wird Fernsehen gemacht. © Buchner Bründler Architekten, Basel

 

Die Idee des offenen Cross-Media-Hauses wird in der internen Raumorganisation und der Erschließung mit offenen Treppenanlagen – daunter auch ein “Stairway to heaven” – umgesetzt, um Vielzahl der Nutzungen in einen sichtbaren und spürbaren Zusammenhalt zu setzen. Sämtliche Arbeitsplatzbereiche werden in Zukunft im zeitgemäßem Multispace-Prinzip organisiert, dabei soll die Großzahl der Arbeitsplätze in Fassadennähe angeordnet werden, sodass die Filme und Produktionen hier in direktem Kontakt zur Stadt entstehen.

Doch in diesem Verfahren ging es nicht nur um das Filmhaus, sondern auch um den Appellhofplatz, der mit jedem der hier gezeigten Entwürfe eine enorme Aufwertung erfahren würde.

Die weiteren Teilnehmer des Vergabeverfahrens:

 

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Ansicht Appellhofplatz © HENN; München

 

Henn, München

Mit seinem neuen Haupteingang orientiert sich das Filmhaus zum Appellhofplatz, wo es Mitarbeiter und Besucher mit einer großzügigen architektonischen Geste willkommen heißt. Innen- und Außenraum, Vorplatz und Foyer gehen fließend ineinander über. Die neue Fassade ist mehrschichtig aufgebaut und hat eine äußere Schicht aus leicht verdrehten Prallscheiben. Neben ihrer energetischen Funktion geben die großflächigen Fassadenelemente dem gesamten Gebäude ein neues Gesicht. Die Festverglasung im Bereich des Loops macht die dynamische Innenwelt auch nach Außen hin sichtbar, sie stellt eine optische Verbindung zwischen den Innenräumen des Filmhauses und der Stadt dem Stadtraum her.

 

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Ansicht Appellhofplatz. © HOLODECK architects ZTGmbH, Wien

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Entwurf für den Innenraum des WDR Fimhauses © HOLODECK architects ZTGmbH, Wien

 

 

Holodeck Architektur, Wien

Auch in diesem Entwurf wird das Filmhaus des WDR in ein neues Cross Media Haus transformiert. Es erfolgt ein Rückbau sowie der Umbau der bestehenden Gebäudemasse im Sinne einer städtebaulichen Neubewertung. Holodeck Architektur entwickelten  eine neue Haupteingangsituation zum Appellhofplatz und gestalten ein hochflexibles Gebäude, das mittels loftartigen 637 Arbeitsplätzen, lichtdurchfluteten Atrien, Kommunikationszonen, individuellen Rückzugsorten  eine wegweisende Bürostruktur bietet.

Auch hier erfolgt wie gefordert ein Rückbau sowie der Umbau der bestehenden Gebäudemasse im Sinne einer städtebaulichen Neubewertung. So entsteht ein hochflexibles Gebäude mit 637 loftartigen Arbeitsplätzen und eine neue Haupteingangsituation zum Appellhofplatz.

Uta Winterhager

 

Die Entwürfe der zwanzig Architekturbüros sind ab dem 18. Januar 2016 im Foyer des WDR-Vierscheibenhauses öffentlich zu besichtigen:

Appellhofplatz 1, 18.-29.01.2016, montags bis freitags von 17.00 bis 20.00 Uhr

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Eine Reaktion auf “Beim Fernsehen reinsehen”

  1. evan

    die wdr-arkaden von gottfried böhm haben keine architektonische qualität ? und gebt dem archivhaus nochmal zehn jahre, dann hat auch der letzte verstanden, dass das architketonisch im sinne der nutzung durchaus form-follows-function (ein archiv) ist und alles in allem völlig ok – am schlimmsten an der nordsüd-fahrt ist doch dieses verhunzte klein-klein im süden – übrigens auch an den bächen!

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