Wim Weders vor Kathedralfenster: Andreas Gursky, Kathedrale, 2007, Copyright: Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2014, Courtesy Sprüth Magers Berlin London, Privatsammlung London

Ausstellung „Die Kathedrale“ im Wallraf-Richartz-Museum

In über 180 Exponaten aus berühmten Sammlungen in Berlin, London, Paris, Madrid oder New York wird das Bildthema Kathedrale dargestellt. Die Koproduktion der Kunstmuseen Rouen und Köln findet 100 Jahre nach der Bombardierung von Reims statt, der Krönungsstätte Frankreichs, durch die Deutschen im September 1914.

Die Schau beginnt mit den Romantikern. Es war die Zeit der Wiederentdeckung der monumentalen gotischen Kirchenbauten, mit ausgelöst durch zwei literarische Werke: den historischen Roman Notre Dame von Victor Hugo, die Geschichte des Glöckners Quasimodo, und den Text „Von Deutscher Baukunst“ von Goethe, dem Erbauer des Straßburger Münsters gewidmet. Dieser, auch aus Nationalromantik gespeisten Aufmerksamkeit gotischer Stätten, verdankt sich die einsetzende Denkmalpflege.

Die Schau zeigt auch bildkünstlerische Werke von Architekten, etwa von Karl Friedrich Schinkel. Der Mailänder Dom wird in Schinkels Darstellung zu einer Idealversion seiner selbst, die barocke Westfassade wird kurzerhand re-gotisiert und störende Einbauten im Innenraum verschwinden. Diese Vorlagen dienten während der französischen Besatzung und dem damit einher gehenden Auftragsmangel für Künstler in Berlin für großformatig perspektivisch-optische Bilder mit Lichteffekten und lebenden Figuren zur Volksattraktion.

Gotische Kathedrale auf einem Felsen am Meer

Architekten, die auch Maler waren und umgekehrt: Karl Friedrich Schinkel, Gotische Kathedrale auf einem Felsen am Meer, 1815, Alte Nationalgalerie, Berlin

 

Schinkels Bühnendekoration für Schillers Jungfrau von Orleans mit der Kathedralfassade von Reims stammt von 1817. Zeitgenossen loben die akkurate Originaltreue, dabei ist der untere Bereich stark an den Bühnenbedarf angepasst. Erst knapp zehn Jahre später sieht der Künstler Reims mit eigenen Augen. Direkt gegenüber im Saal – auch hier als Bühnenbild für das Schiller-Drama – kann man Bruno Tauts Theaterversion von Gotik studieren.

Zukunftskathedralen

Und der kleine Raum birgt noch weitere Schätze für Architekten, zum Beispiel Feiningers kubistischen Holzschnitt „Kathedrale“, 1919 als Titelblatt des Bauhaus-Manifestes entstanden. Aus dem Wunsch nach einem gemeinsamen Wirken wie in der mittelalterlichen Bauhütte wählte man den Namen „Bauhaus“. Dafür stand auch die Metapher von der „Zukunftskathedrale“.

Marktkirche von Halle

Feiningers expressionistische Kirchenbilder aus Halle sind schon für sich einen Besuch wert. Lyonel Feininger, Marienkirche zur Abendstunde, 1930, Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Pinakothek der Moderne, München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

 

Nicht achtlos vorbeigehen sollte man auch an einem kleinen Blatt mit einer von Hermann Finsterlins Unbaubarkeiten: „Die Kathedrale des Lichts“ aus den 1920er Jahren. Die hochsymbolischen, utopischen Architekturentwürfe des Künstlers sind sehr selten zu sehen.

Die Ausstellung führt viele Facetten des Themas „Die Kathedrale“ gut fassbar und mit wunderbarer Bildgewalt vor: vier Werke aus dem legendären, 33 Bilder umfassenden Rouen-Zyklus von Monet, Feiningers Dom in Halle für die expressionistische Malerei, das Kapitel Kriegszerstörung und Reparatur mit den neuzeitlichen Glasfenstern von Imi Knoebel für die Kathedrale in Reims, um nur einige zu nennen.

Zwei Säle sind dem Kölner Dom vorbehalten – bei einem Blick aus dem Fenster ist sogar das Gebäude selbst Teil der Ausstellung. Die auf Meister Arnold (13. Jh) zurückgehenden Grund- und Aufrisszeichnungen des Doms fesseln das Auge mit wirklich gottergebener Feinheit und Genauigkeit. Darin liegt die Faszination der gotischen Kathedralen: die Spannung zwischen monumentaler Großform und minutiös Kleinteiligem, zum Abschluss modern wiedergegeben in Andreas Gurskys rund 9 Quadratmeter großem Farbdruck.

 

Ira Scheibe

 

Die Kathedrale. Romantik – Impressionismus – Moderne

Wallraf-Richartz-Museum
Obenmarspforten, 50667 Köln

26.9.2014 – 18.1.2015

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr;
Jeden Donnerstag 10 – 21 Uhr; An Feiertagen 10 – 18 Uhr

 

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