So könnte die Zukunft des ehemaligen Areals der Chemischen Fabrik in Kalk aussehen. Vorgestellt wurden das Ergebnis der Mehrfachbeauftragung und die überarbeitete Version.

Ein tiefgreifender Strukturwandel durchzieht seit einigen Jahren den Standort des ehemaligen CFK Gelände in Kalk. Aus der derzeitigen Industriebrache soll ein hochmoderner Stadtteil entstehen. Derweil macht sich im Quartier eine ambivalente Atmosphäre zwischen Aufbruch und Abbruch breit. Denn in dem zentrumsnahen, zusammenhängenden alten Gewerbe- und Industriegebiet steckt deutliche Dynamik.

Vertreter von Politik, Immobilienwirtschaft, Architektur und Stadtplanung diskutierten im Domforum auf Einladung des BDA Kölns, über das Zusammenspiel zwischen privater Initiative und städtischer Planung. Der offensive Titel „zwischen Science Center und Einkaufsparadies“; war Slogan und Frage zugleich.

Für das Areal der ehemaligen Chemischen Fabrik in Kalk, auf dem Wohnhäusern, Bürgerpark, Shopping-Mall, Science-Museum und Kino entstehen sollen, wurde nach fast zehn jährigem Planungsverfahren und einem in den Schubladen verschwundenen 1. Preis einer Mehrfachbeauftragung nun ein überarbeitetes Konzept vorgelegt, das eine Planung in Fragmenten statt langfristiger baulicher Perspektiven aufzeigt. „Die Kernidee des ursprünglichen Wettbewerbsergebnisses wurde aufgegeben, übrig geblieben sind Belanglosigkeiten.“ so Gerhard Curdes, Professor der Technischen Hochschule in Aachen. Hatte der 1. Preis des Kölner Büros Dreipass noch die Verbindung des alten Kalker Stadtgebietes und dessen Struktur zum Thema, wirkt das neue Konzept austauschbar und elementierbar.

Extrakt der neuen Planungen ist ein Einkaufszentrum, das als Entree in den Stadtteil gedacht ist. Die Essener Firma „mfi“ will das Einkaufscenter „Köln-Arcaden“ mit 27 000m² Einzelhandelsfläche und vielen Parkplätzen, weil, so wird vermutet die Käufer nicht aus Kalk kommen werden, bauen. Zum Vergleich: Die 123 Einzelhandelsgeschäfte an der Kalker Hauptstraße verfügen über 16.500 Quadratmeter. Ein Gutachten attestiert dem neuen Einkaufszentrum nur „geringe Auswirkungen“ auf den örtlichen Einzelhandel, die deshalb nicht um ihre Existenz bangen müssten. In Auftrag gegeben wurde das Gutachten übrigens vom Investor mfi.

Groß wird auf alle Fälle der städtebauliche Schaden, denn an Stelle der Köln-Arcaden war im Dreipass Konzept ein öffentlicher Platz als Verknüpfung des alten Kalker Ortskern mit der neuen Wohnbebauung und als Zugang ins Quartier geplant. Auch der im Wettbewerb ausgeschriebene Stadtteilpark ist „verschwunden“.

„Öffentliche Räume organisieren Stadt“, so Curdes, für die Zukunft brauche man feste Raumkanten und keine Parkplätze und ein Einkaufszentrum das in 15 Jahren abgeschrieben sei und „sich in Proportion und Nutzung nicht zur Stadt verhält“.

Von Politik und Investorenseite wurde die Kritik nicht akzeptiert. Da wurde das geplante Stadtteileinkaufszentrum gar als „Magneten, den es sonst in der Stadt nicht gibt“, bezeichnet, Ralph Sterck FDP oder Hans-Georg Franke, Projektleiter GSE: „das Konzept ist leistungsfähig und zukunftsorientiert“ und „das kommt, und wir sind stolz darauf“. Auch Wirtschafts-Dezernent Klaus Otto Fruhner verteidigte die bereits mehrfach veränderte Planung. Trotzdem räumt er ein: „Der diagonale Zugang ist nicht stimmig, die beiderseitigen Parkpaletten hässlich“. Auf Grund der herben Kritik kündigte er einen erneuten Wettbewerb an, der sich mit den Fassaden des Parkhauses beschäftigen soll. Mehr als Kosmetik kann von diesem Verfahren jedoch kaum erwartet werden.

Die Planungsgeschichte des mittlerweile 8 jähriger Planungsprozesses und das vorläufige Endergebnis verweisen auf jene Entwicklung, die die Architektur zunehmend zur Dekorationsfrage erklärt und den Architekten zum Schneider mal mehr mal weniger schöner Kleider degradiert.

Spätestens hier stellen sich die Fragen nach den Verfahrenswegen. Wer sind eigentlich diese anonymen Mächte, die Wettbewerbesergebnisse ohne das Zutun der Architekten so verändern? .Und zu welchem Zeitpunkt Investoren und Bürgerinitiativen in Gemengelage von Politik und Verwaltung mit einbezogen werden sollten. bs

Artikel teilen

Ihre Meinung zählt

Eine Reaktion auf “Einkaufsparadies statt Industriebrache”

  1. Jesssica Cöln

    Ich bin der Meinung, dass man das ehemallige CFK Gelände nicht so bebauen sollte, weil dadurch die Bedeutung des Geländes total in Vergessenheit gerät.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.