Fünf Fragen nach einem Jahr für und mit Architektur an die Direktorin des Museums für Angewandte Kunst Köln (MAKK)

Vom Mini-Modul über Skulpturen und Fotografie bis zur Theaterbühne gab es im MAKK Architektur-Jahr viel zu sehen – was genau ist denn Architektur für Sie?

Petra Hesse: Architektur ist für mich nicht nur das Gebaute, das Monumentale, das wir tagtäglich sehen, sondern bietet ein sehr viel weiteres Spektrum. Unser Architekturjahr startete mit den utopischen „Skulpturen mit Architekturbewusstsein“ des Künstlers Wasa Marjanov, um die Schnittstelle zwischen Skulptur und Architektur zu beleuchten. Dagegen war die folgende Ausstellung „Architektenmöbel“ inhaltlich stärker mit unserer eigenen Designsammlung verknüpft. Die Ausstellung „Architekturteilchen“ beschäftigte sich mit dem klassischen aber sehr zeitgemäßen Thema des modularen Bauens im digitalen Zeitalter. Hier wollten wir zeigen, welches Architekturverständnis heute herrscht und wie komplex Architektur im Computerzeitalter entsteht. Darauf folgten zwei Ausstellungen zu aktuellen Aspekten der Architekturfotografie und nun beenden wir das Jahr mit dem Thema Theater und Architektur. Für mich zeigt dieses Spektrum, wie breit man Architektur denken kann. Und grade in unserem Haus, das sich der Angewandten Kunst widmet, sieht man sehr gut, wie Verbindungen gezogen werden und Dialoge entstehen können. Heutzutage ist Architektur im Museum mehr als das Vermitteln von Architekturgeschichte oder einzelner Architektenleistungen. Das konnte man, hoffe ich, an der großen Bandbreite, die wir in diesem Jahr gezeigt haben, auch erkennen.

Sie haben nicht auf die großen Stars der Szene gesetzt und weit über den Kölner Tellerrand geschaut. Hat sich der Mut Ungewöhnliches zu wagen gelohnt oder werden Sie demnächst doch lieber wieder auf Bewährtes setzen?

Petra Hesse:Es war nie geplant eine Show zu machen, bei der einzelne Architektenstars im Vordergrund stehen. Wir wollten im MAKK z.T. auch mit externen Kooperationspartnern neue Inhalte aufzugreifen. Themen wie „Architekturteilchen“ oder „Raum-Maschine Theater“ wurden in dieser Form noch nie in einer Ausstellung präsentiert. Auch wenn die Themen, die nicht zu unserem zentralen Aufgabenbereich zählen, aufwendiger sind und eine intensivere Vorbereitung erfordern, finde ich es wichtig, sich da heran zu wagen.

In welcher Form und mit welchen Mitteln lässt sich Ihrer Erfahrung nach Architektur am besten vermitteln?

Petra Hesse:Die klassische Architekturausstellung besteht ja aus Modellen, Plänen und Fotografien. Gerade bei der Ausstellung „Architekturteilchen“ wollten wir unbedingt von diesem klassischen Präsentationsschema abweichen. Wir hatten hier die wunderbare Möglichkeit, eine themenimmanente – digital entworfene modulare – Ausstellungsarchitektur zu schaffen. Neben den Modellen und Visualisierungen haben wir auch sehr inhaltsreiche Texte zu den Objekten aufbereitet, konnten aber auch, da wir das Spannungsfeld für alle Werkstoffe chronologisch aufgebaut haben, zum Beispiel Fialen des Kölner Doms, unterschiedlichste historische Backsteinformate und aktuelle Gussformen aus Wachs präsentieren. Zum Teil zeigten wir wirklich exzeptionelle Exponate, wie 1:1 Modelle oder authentische Bauteile eines Kunststoffhauses aus den 1970e Jahren, wodurch auch eine sehr interessante Mischung zwischen den Objektgattungen entstanden ist.

Konnten Sie mit dem Thema Architektur neue Besucher, Freunde oder Kooperationspartner gewinnen?

Petra Hesse:Ja, denn genau das ist unser Ansinnen gewesen, auch wenn es nicht einfach war. Es gibt zwar eine Architekturszene in Köln und sehr viele Architekturinteressierte, aber unser Haus in einem Jahr zum Fokus der Architektur zu machen, war schon eine Herausforderung für uns. Aber ich denke, gelungen ist es uns durch die Vielfalt der Ausstellungsinhalte. Spannend war zu sehen, dass zu jeder der Ausstellungen, die ganz unterschiedliche thematische Schwerpunkte hatten, ganz unterschiedliche Zielgruppen in Museum gekommen sind. Wenn man das erreicht, kann man zufrieden sein – und das bin ich auch!

Was erwartet uns im MAKK-Jubiläumsjahr 2013?

Petra Hesse:Keine Architektur! Wir werden im nächsten Jahr unser 125jähriges Bestehen feiern und den Fokus auf unsere eigenen Sammlungen legen. Dabei insbesondere auf die Bereiche, die vielen noch gar nicht bekannt sind, und hoffen so eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen.

Die Ausstellung „Isn’t it romantic?“ wird sich mit zeitgenössischen Design zwischen Poesie und Provokation befassen. „Ein Museum im Glück“ feiert das 125 jährige Mäzenatentum der Overstolzengesellschaft, unseres Fördererkreises. „Der schöne Schein“ wird deutsche Fayencen aus der großen Keramiksammlung des Museums zeigen, die dann auch erstmals vollständig und mit einem Bestandskatalog präsentiert werden, denn wir sind als Museum nicht nur Ausstellungsort, sondern auch eine Forschungseinrichtung, die ihre eigenen Bestände wissenschaftlich erarbeitet.

In der Ausstellung „Boys get Skulls and Girls get Butterflies“ stellen wir ausgewählte Stücke unserer großen europaweit anerkannten Schmucksammlung von der Antike bis ins 20. Jahrhundert den Arbeiten des zeitgenössischen Goldschmieds Georg Hornemann gegenüber und wollen zeigen, wie stark sich Schmuck an bestimmten Funktionen oder Ideen wie Liebe, Mythos und Macht orientiert.

Die fünfte und letzte Ausstellung wird sich unserer grafischen Sammlung widmen. Wir sind stolz auf unseren Bestand von 20.000 Blättern, der in großen Teilen schon mit der Gründung des Museums angelegt wurde. Nach dem damaligen Selbstverständnis der Kunstgewerbemuseen sollten die Grafiken Künstlern, Architekten und Kunstgewerblern als Anregung für das eigene Schaffen dienen. Unter dem Titel „Herzkammer“ werden wir die Highlights dieser Sammlung, die bislang weder bearbeitet noch ausgestellt wurde, präsentieren. Übrigens haben wir hier nicht nur Blätter zum freien Ornament, zur Mode oder Karikaturen, sondern auch Architekturzeichnungen, die – wie es damals üblich war – in keiner dieser Sammlungen fehlen durften.

Mit Petra Hesse sprach Uta Winterhager

 

Petra Hesse vor Sergei Wachtangow, Bühnenbildmodell zu „Das Schwitzbad“ (Wsewolod E. Meyerhold, Moskau 1930), Rekonstruktion (Foto UW)

Die Ausstellung „Raum-Maschine Theater. Szene und Architektur“ beschließt das Architekturjahr im MAKK. „Raum-Maschine Theater Szene und Architektur“

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