Landespreis für Architektur, Wohnungs- und Städtebau NRW 2012 vergeben

Zehn Wohnbauten und Siedlungsprojekte wurden am 12. November 2012 mit dem Landespreis für Architektur, Wohnungs- und Städtebau NRW 2012 ausgezeichnet. Auf vorbildliche Weise haben die Architekten, Ingenieure und Bauherren hier ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten Beachtung geschenkt und insbesondere seien sie, so hob es der Präsident der Architektenkammer NRW Hartmut Miksch hervor, den Anforderungen einer Gesellschaft im demografischen Wandel gerecht geworden: „Alle Bauwerke ermöglichen das Zusammenleben von Jung und Alt, nutzen städtische oder gut angebundene Lagen und sind barrierefrei gestaltet.“

Etwas konkreter formulierte es Heinrich Böskamp, Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW und zeigte sich beeindruckt von den greifbaren Fortschritten der Vereinbarkeit der unterschiedlichen Zielsetzungen von Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Baukultur.

Insgesamt waren 51 Projekte zu dem diesjährigen Auszeichnungsverfahren mit dem Schwerpunktthema. „Zukunft Wohnen: sozial vorbildlich – energetisch und ökologisch zukunftsweisend – wirtschaftlich angemessen“ eingereicht worden. Zehn davon prämierte die Jury unter dem Vorsitz des Frankfurter Architekten Stefan Forster.

Diese drei anspruchsvollen Kriterien in hohem Maße zu erfüllen ist in Köln bei zwei Projekten beispielhaft gelungen. Ausgezeichnet wurden in Köln die Baugruppe Baufreunde (Architekten: waldmann & jungblut, Köln) und das Quartier 21 (Ute Piroeth Architekten, Köln und GIC Grunsch Immobilien Consulting).

Die Auster: Harte Schale, weicher Kern

Das gemeinschaftliche Bauvorhaben der Planungs- und Bauherrengemeinschaft „Baufreunde“ mit dem Büro office03 wurde auf einer Parzelle auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheimes in Sülz realisiert. Im Januar 2012 haben 34 Erwachsene und 33 Kinder die 18 Wohnungen bezogen. Mit dem Bild einer Auster – harte Schale, weicher Kern – beschreiben die Architekten das Projekt: Zwei gegenüberliegende Gebäuderiegel mit strenger dunkel verputzter Lochfassade fassen einen grünen Innenbereich ein, zu dem alle Wohneinheiten mit großzügig verglaster Innenseite öffnen.

Von Beginn an waren alle Mitglieder der Baugruppe an dem von den Architekten moderierten Planungsprozess beteiligt. Entstanden ist eine Vielfalt unterschiedlicher Wohnungen, die eine gestalterisch hochwertige und soziale und nachhaltig geplante Einheit bilden. Dies lobte auch die Jury: „Selbstgenutztes Wohneigentum in der Stadt stellt eine sinnvolle ressourcenschonende Alternative zum Einfamilienhaus auf der grünen Wiese dar…Der hohe soziale und wirtschaftliche Anspruch spiegelt sich in der sorgfältigen, wenngleich minimalistischen Gestaltung wider.“

Das Platzwunder

Das Q21 in der Brüsseler Straße ist kein neues Projekt. Dass es nun vier Jahre nach der Fertigstellung den siebten Preis erhalten hat, belegt noch einmal mehr, wie zukunftsweisend und nachhaltig Architekten und Projektentwickler hier vorgegangen sind. Auf einer vernachlässigten Hoffläche mitten in der Innenstadt sind 15 unterschiedliche Wohneinheiten mit zusammen 1.525 qm Wohnfläche und individuellen Freibereichen entstanden.

Aus der Jurybegründung: „Das Projekt fügt sich sensibel in einen Blockinnenbereich ein und vermittelt den Eindruck gewachsener Strukturen. Durch eine geschickte Anordnung der Baukörper gelingt ein wertvoller Beitrag der Innenverdichtung und zur Stadt der kurzen Wege. Trotz schwieriger Belichtungs- und Erschließungssituationen konnten individuelle, hochwertige Grundrisse mit hoher Wohnqualität erzeugt werden.
In einem nachhaltigen Ansatz einer schwierigen innerstädtischen Nachverdichtung ist es gelungen, trotz hoher Dichte einen angemessenen Anteil begrünter privater Freiflächen – zum Beispiel auch durch Dachgärten – mitten in der Stadt zu schaffen.“

>>Quartier 21 im Architekturführer von koelnarchitektur

Dass es doch auch in Köln möglich ist, das scheinbar Unmögliche zu realisieren, zeigen diese beiden Beispiele – eine durchaus ermutigende Feststellung. Besonders bemerkenswert ist darüberhinaus noch, wie selbstverständlich und homogen sich beide Projekte in den Stadtkörper einfügen.

Uta Winterhager

 

Die ausgezeichneten Arbeiten werden bis zum 28. November 2012 im Düsseldorfer Haus der Architekten gezeigt.

Liste der Preisträger und ausgezeichneten Objekte:

  • Dortmund: Ein Dorf in der Stadt „WIR wohnen anders“
    Architektur: Norbert Post, Hartmut Welters, Architekten & Stadtplaner, Dortmund; Landschaftsarchitektur: Winkelhaus Landschaftsarchitektur, Hattingen
  • Dülmen: Kirchenwohnungen Maria Königin
    Architektur: Feja+Kemper Architekten, Recklinghausen
  • Düsseldorf: Solarsiedlung Garath
    Architektur: Druschke und Grosser Architektur, Duisburg; HGMH Architekten, Düsseldorf; Landschaftsarchitektur: FSWLA Landschaftsarchitektur, Düsseldorf
  • Duisburg: Wohnen unter einem Dach
    Architektur: Druschke und Grosser Architektur, Duisburg
  • Hürth: Wohnanlage Kirschblüten Carré
    Architektur: pbs architekten, Aachen; Landschaftsarchitektur: KLA KIPARlandschaftsarchitekten, Duisburg
  • Kevelaer: Klostergarten Kevelaer
    Architektur: Klein.Riesenbeck + Assoziierte, Warendorf; Landschaftsarchitektur: Theo Güldenberg, Straelen
  • Köln: Baugruppe Baufreunde
    Architektur: office 03 waldmann & jungblut, Köln
  • Köln: Innerstädtischer Lebensraum Q21
    Architektur: Ute Piroeth Architektur, Köln
  • Lemgo: Gemeinschafts-Wohn-Projekt „Pöstenhof“
    Architektur: h.s.d. architekten, André Habermann, Christian Decker, Lemgo
  • Solingen: SeniorenWohnen Weegerhof
    Architektur: Pfeifer Kuhn Architekten, Freiburg; Stadtplanung: Stadtplanung Nocke, Konstanz

Haus der Architekten

Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
Zollhof 1
40221 Düsseldorf
Tel. (0211) 49 67-0
Fax (0211) 49 67-99

Öffnungszeiten

montags bis freitags: 8.00 bis 17.00 Uhr
samstags: geschlossen
sonntags: geschlossen

 

Baufreunde: Arbeitsmodell mit harter Schale und weichem Kern: Lochfassade mit dunklem Putz außen, großzügige Verglasung auf der Innenseite zum gemeinschaftlichen Garten

Aus dem Garten geblickt: Die Kirche ‚Zur heiligen Familie‘ liegt mitten auf dem Gelände des ehemaligen Kinderheimes und steht nun in einem völlig neuen städtischen Kontext

34 Erwachsene und 33 Kinder haben inzwischen die 18 Wohnungen bezogen. Ziel der Architekten und der Baugruppe war es, hochwertige Wohnen in der Stadt in verdichteter Form zu ermöglichen.

18 gleichwertige Wohnungen mit spezifischen Qualitäten bilden eine gestalterische Einheit.

Quartier 21: Gestaffelte Stadtlandschaft. Anthrazitfarbener Putz hält die unterschiedlichen Bauteile zusammen.

Foto: Lioba Schneider

Türen, Fassadenelemente und Dachaufbauten in leuchtendem Orange setzen Akzente und machen die einzelnen Wohnungen zu einem unverwechselbaren Zuhause.

Foto: Lioba Schneider

Q21: Das Raumwunder: 15 Wohnungen, 39 Tiefgaragenplätze und immer noch Platz für Grün. Vorher war es nur ein Hinterhof.

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