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Wie tolerant ist Köln? | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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28.03.2006 Beim BDA Montagsgespräch zur geplanten DITIB-Zentralmoschee wird kaum über Architektur diskutiert Ein Polizist kontrolliert den Eingang zum Domforum, vor der Tür verteilen Anhänger der rechten Bürgerbewegung "Pro Köln" Handzettel. Der BDA hatte zum Montagsgespräch über ein heiß diskutiertes Thema eingeladen: die geplante Moschee in Ehrenfeld. Entsprechend groß ist das Interesse an der Vorstellung der preisgekrönten Entwürfe, das Domforum ist übervoll. Nicht nur eine Frage der Architektur Zunächst stellen die Architekten der fünf Preisträgerentwürfe ihre Arbeiten im Detail vor. In der anschließenden Diskussion soll es eigentlich nur noch darum gehen, wie die Moschee aussehen wird, nicht mehr darum, ob sie kommen wird, oder nicht. Dieser Wunsch des BDA richtet sich ganz klar an die im Saal verteilten Moscheegegner. Und doch, eine Publikumsdiskussion über Architektur will sich nicht so recht entwickeln. Auf dem Podium, besetzt mit Christian Schramm, Vizepräsident der Architektenkammer NRW, Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Köln, Mehmet Yildirim, Generalsekretär der DITIB e.V. und Stefan Schmitz, Architekt BDA, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates, ist man sich einig, dass der gewählte zweiphasige Wettbewerb ein vernünftiges und sinnvolles Verfahren war. Interessierte Architekten mussten zunächst eine DIN A4-Skizze ihres Entwurfes einreichen. Anhand dieser Skizzen wurden in einer Vorauswahl 32 Architekturbüros nominiert, die zur zweiten Phase des Wettbewerbs eingeladen wurden. Zusammenfassend stellt Stefan Schmitz fest: "Ich finde das Verfahren sehr gut, viel besser als der Zug aus der Lostrommel." Bild einer Moschee Auch mit der Bandbreite der fünf Siegerentwürfe ist man zufrieden, die DITIB als Auslober hatte in der Wettbewerbsphase die Preissumme erhöht, um fünf Preise statt der geplanten drei vergeben zu können. "Eine Moschee soll erkennbar sein und sich zeigen, sich aber auch an die Umgebung anpassen", so Mehmet Yildirim über das Bild, das eine Moschee in Deutschland nach außen verkörpern sollte. Diesen Zwiespalt nimmt Christian Schramm auf, denn für ihn stellt sich die Frage, ob die historischen Architekturelemente, wie Kuppel und Minarett, überhaupt notwendig sind. "Bei den Auslobern war die historische Interpretation Favorit, die Fachpreisrichter bevorzugten die modernen Varianten", sagt er zur Entscheidungsfindung in der Jury. Zum Bild einer Moschee gab es bereits im Vorfeld des Wettbewerbs lange Diskussionen, erläutert Stefan Schmitz, aber man könne hier auch nichts bauen, mit dem sich die türkische Gemeinde nicht anfreunden könne. Im Entwurf des ersten Preises, von Paul und Gottfried Böhm, gebe es sowohl historische als auch moderne Elemente. Und so stellt auch Anne Luise Müller fest, dass der Siegerentwurf "das ist, was entstehen sollte." Wie geht es weiter? "Es ist sehr schwer, uns unter den fünf Preisträgern zu entscheiden", erklärt Mehmet Yildirim. Die DITIB hat in den vergangenen Wochen mit allen Preisträgern intensive Gespräche geführt, noch diese Woche wird der Vorstand beraten und Yildirim ist zuversichtlich, dass bald eine Entscheidung fallen wird. Auf den Einwand aus dem Publikum, dass für den Bau eine Änderung des Bebauungsplans notwendig sei und somit noch nicht klar sei, dass die Moschee überhaupt gebaut werde, reagiert Anne Luise Müller: "Wir haben hier einen Bebauungsplan, der Mischnutzung zulässt, eine Moschee ist also eine zulässige Nutzung." Allerdings müsse für die geplante Randbebauung und die Größe des Projektes der Bebauungsplan geändert werden. Dies geschehe natürlich mit Informationsveranstaltungen für die Bürger und auch mit vorgezogener Bürgerbeteiligung. Bereits vor der Wettbewerbsauslobung sei zudem ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben worden, auch um die Rahmenbedingungen festzulegen. In diesem Gutachten seien auch die Optimierungsmaßnahmen für die Verkehrsplanung festgelegt. Moscheegegner im Publikum Die Einwände im Publikum, die sich grundsätzlich gegen einen Moscheebau richten, ob im Hinblick auf erhöhtes Verkehrsaufkommen und den dadurch entstehenden Lärm, den Ruf des Muezzins oder die Frage warum man einer "solchen Religion" ein Zentrum bieten solle, werden vom Podium sehr kurz abgehandelt. Dennoch zieht sich die Diskussion darüber einige Zeit hin. Schließlich wird der Präsident der DITIB, Ridvan Çakir, gebeten, eine Stellungnahme zur Gefahr, die von Hinterhofmoscheen ausgeht und zur Behandlung von Christen in der Türkei abzugeben. Der kurze Vortrag über die Haltung des Islam gegen den Terrorismus und für die Toleranz in der Türkei gegenüber Christen endet in der Frage: "In der Türkei gibt es einen Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Wie kann man heute nicht wollen, dass in Köln eine Moschee errichtet wird?" Offene Diskussion Aus dem Publikum führt die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner die Diskussion wieder auf die Architekturebene zurück: "Ein großer Vorteil des Bauplatzes ist, dass er nicht mitten im Wohngebiet ist, aber ein Entree zu Ehrenfeld bildet, das einen großen Anteil türkischer Bevölkerung hat", spricht sie sich für das geplante Bauareal aus. Abschließend lobt Stefan Schmitz noch einmal das Verfahren, das von der DITIB von vorneherein auf Dialog ausgerichtet gewesen sei und bis zum heutigen Tag konsequent offen gehalten wurde. Eine offene Diskussion die hoffentlich nicht von ignoranten Anhängern rechter Ideen zunichte gemacht wird. Vera Lisakowski Lesen Sie auch zum Thema: Tradition gewinnt Wer baut, der bleibt. |
![]() [+] Der Siegerentwurf von Paul und Gottfried Böhm vereint traditionelle und moderne Elemente ![]() [+] Ganz ohne Kuppel kommt der zweit plazierte Entwurf des Kölner Büros Wallrath + Weinert Architekten aus. ![]() [+] Mit homogener Hülle überbaut das Kölner Büro Lorber + Paul das Grundstück - der dritte Preis im Wettbewerb. |
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