Originale Stahlstützen, historisierende Kronleuchter und hochtechnisierte, an die Anforderungen eines modernen Veranstaltungsortes angepasste Deckenstrukturen bestimmen den Raumeindruck des Ballsaals. Foto: Volker Dennebier

Am 12. Juni 2014 wird die Flora wiedereröffnet

 

Flora und Botanischer Garten feiern in diesem Jahr ihr 150jähriges Bestehen. Eigentlich fand die Eröffnung damals im Jahr 1864 erst im August statt. Aber warum solange warten, wenn man im Juni aufmacht, hat man mehr vom Sommer. Das sanierte Gebäude bietet jetzt fünf Veranstaltungsräume mit Blick in den Botanischen Garten und in den Sommermonaten eine öffentliche Gastronomie mit Terrassenbetrieb. Dass es pünktlich fertig geworden ist, hat auch etwas mit den guten Zugverbindungen nach Stuttgart zu tun.

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Der Palmengarten mit dem originalen Tonnendach aus Glas und Stahl; Abbildung: KölnKongress GmbH

 

Tee im Glaspalast

Einst war die Flora ein prachtvoller Palmengarten, ein filigranes Gewächshaus mit zwei Reihen aus schlanken, gußeisernen Säulenpaaren und einem offenen Tonnendach aus Glas und Stahl. Dieser Dachaufbau überlebte den Krieg nicht und wurde durch ein Walmdach mit Zwischendecke ersetzt. Später zog man an der Nordseite des großen Saals eine Trennwand ein, so daß weder die Durchsichtigkeit ringsum im Gebäude noch die Raumsymmetrie von einst erhalten blieben. Die arabesk anmutenden Stützen im Ballsaal sind Originalbestand, nur ein Paar muss ergänzt werden.

 

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Das entkernte Gebäude zu Beginn des Umbaus Anfang 2012; Abbildung: KölnKongress GmbH

 

Wieder im alten Glanz erstrahlen

Ein neuer Kristallpalast sollte nicht daraus werden, als K+H Architekten aus Stuttgart 2008 im öffentlichen Vergabeverfahren der Stadt den Auftrag für den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes erhielten. Aber es sollte wieder ein Tonnendach erhalten, und die Anbauten späterer Jahrzehnte waren zu sanieren. Nach eingehender Prüfung der Gebäudesubstanz und der Raumorganisation entschloss man sich dann aber, noch weiter zu gehen und das Gebäude komplett zu entkernen, alle Anbauten abzureißen und einen modernen Anbau zu ergänzen. So war am Ende nur die dreiseitige Außenwand mit eingestellten Türmen übrig; die Nordwand fehlte.

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Aufbau der neuen Tonnendachs Anfang letzten Jahres; Foto: KölnKongress GmbH

 

Das Mauerwerk des Bestands war für das neue, bleigedeckte Tonnendach nicht mehr tragfähig, eine eigene Gründung musste her. Die erneuerte Nordwand des Ballsaals und schlanke, ausbetonierte Stahlstützen vor der südlichen Fensterfront – relativ unauffällig – tragen einen nunmehr unsichtbaren 1,20 m hohen Trägerrost für die Tonne. Die hohen Türfenster zum Barockparterre des Gartens sind an der Nordwand als Opakglastüren gespiegelt – ein Kompromiß, um einerseits den diaphanen Charakter des Saales zu wahren, andererseits den dahinterliegenden Andienungskorridor vor den Blicken zu verbergen.

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Die historischen Fenster waren Vorbild für den Aufdruck auf dem Wärmeschutzglas der neuen Fenster. Foto: Ira Scheibe

 

Neue Zeiten, neue Partys

Bei der neuen Raumverteilung durch Wieland Egger und sein Team spielte die Durchsichtigkeit innerhalb des Gebäudes und nach draußen eine große Rolle. Den Ausblick vom Dach, das ursprünglich rein für die Technik vorgesehen war, nutzte man lieber für einen „Dachsalon“ mit vorgelagerter Terrasse. Im Sockelgeschoß entstand ein Foyer, funktional und schlicht gestaltet, das sich als gläserne Fuge auch vertikal über die gesamte Gebäudehöhe zieht. Verglaste Aufzüge führen nach oben, über gläserne Stege kann man in den einzelnen Geschossen an die Außenhaut des Gebäudes herantreten.

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Blick in den Saal. Foto: Volker Dennebier

 

Ebenfalls über eine Glasfuge ist der neue Anbau im Norden angeschlossen. Er hat im Gegensatz zu seinem historischen Nachbarn eine glatte Glasfassade. Die aufgedruckten „Lianen“ bilden mal einen dichten Vorhang, um Funktions- und Technikräume zu verhüllen, mal einen luftigeren, um einen ungehinderten Blick in den Garten aus den Festsälen zu erlauben.

 

Das Fehlende ergänzen

Mit der Denkmalpflege wurde vereinbart, die notwendigen Ergänzungen am Altbau nicht als Repliken historischer Vorbilder vorzunehmen, sich aber an ihnen zu orientieren. Die historischen, maßwerkartigen Fensterstrukturen sind heute in abstrahierter Form auf Wärmeschutzglas aufgedruckt. „Alle Ergänzungen am Gebäude, die vorgenommen worden sind, um die Gesamtkubatur wieder herzustellen, sind als gelbe, scharrierte Betonfertigteile gegeben,“ erläutert Egger, „so kann man die alten und neuen Teile eindeutig voneinander unterscheiden.“

 

„Die Kombination des wunderbaren Bestands, von dem allerdings nicht mehr viel übrig war, und des hochtechnisierten Gebäudes mit seiner Vielzahl an Veranstaltungssälen war eine tolle Aufgabe,“ lautet sein Resümee im Rückblick. Köln also gerne jederzeit wieder, nach Stuttgart fährt man ja gerade mal zwei Stunden.

 

Ira Scheibe

 

Weitere Infos:

Tag der der Offenen Tür in der Flora am 15. Juni:

Zur Internetseite von K+H-Architekten

 

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